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Kommune

Die „BioBiene“ in Cham fliegt davon

Altstadt in Cham verliert mit der Alruna-Apotheke wieder einen Anlaufpunkt. Leerstände sind ein Problem, Lösungen schwierig.
Von Christoph Klöckner

Graf Luckner wird wieder ein Stück einsamer. Die Alruna-Apotheke mit dem Naturwaren-Shop an der Schwanenstraße schließt zum 20. März. Foto: Klöckner
Graf Luckner wird wieder ein Stück einsamer. Die Alruna-Apotheke mit dem Naturwaren-Shop an der Schwanenstraße schließt zum 20. März. Foto: Klöckner

Cham. Die Verzweiflung bei den beiden Kundinnen an diesem Morgen in der Alruna-Apotheke ist groß, als sie auf deren Schließung zu sprechen kommen. Die macht am 20. März zu, wie auch der angegliederte Bereich mit Naturwaren, die „BioBiene“. Die Apotheke an der Schwanenstraße hatte sich über die Jahre einen Ruf als besondere Anlaufstelle für Naturheilverfahren und besondere Produkte erarbeitete. Deshalb ist nun bei manchen Stammkunden die Frustration hoch.

Alruna-Apothekerin und Inhaberin Sabine Helbig mag zum Entschluss, ihr Geschäft in der Innenstadt zu räumen, keine Stellungnahme abgeben. Sie lässt einen Informationszettel an die Kunden weitergeben; in dem sie nicht direkt auf die Schließung in Cham eingeht, sondern vor allem auf Neuerungen rund um den Online-Shop zur Naturheilkunde.

„Neue Herausforderungen“

Die Internet-Adresse und somit auch der Shop selbst werden demnach Dr. Joachim Rucha und Christoph Berninger zum 21. März übernehmen, die laut Sabine Helbig ihre Leidenschaft für Naturheilkunde teilen. Das Online-Sortiment werde wie bisher weiter geführt. „Nun habe ich mich entschieden, neue Herausforderungen anzunehmen und mich voll und ganz der Pharmazie und komplementären Therapieformen zu widmen“, schreibt die Inhaberin der Alruna-Apotheke zu den Gründen für den Rückzug aus der Altstadt. Sie stehe künftig freiberuflich zur Verfügung, etwa für Beratungen zu Arzeneimitteln, für ein persönliches Medikationsmanagement oder zu anderen Fragen rund um Gesundheit und Medikamenten.

Der „Pizza Blitz“ hat nicht lang geblitzt: die Immobilie an der Fuhrmannstraße mit der ehemaligen Gaststätte gehört der Familie Ludwig Schierer und wartet auf eine Erneuerung. Bislang fehlte ein Konzept für die Nachnutzung eines Neubaus.. Foto: Klöckner
Der „Pizza Blitz“ hat nicht lang geblitzt: die Immobilie an der Fuhrmannstraße mit der ehemaligen Gaststätte gehört der Familie Ludwig Schierer und wartet auf eine Erneuerung. Bislang fehlte ein Konzept für die Nachnutzung eines Neubaus.. Foto: Klöckner

Für jeden Rat offen ist Stadtbaumeister Franz Pamler, wenn es ums Thema Leerstandsmanagement für die Stadt Cham geht. An die 25 Altstadt-Geschäfte oder Gastwirtschaften an der Hafnerstraße, Rosenstraße, Schmidstraße oder auch Fuhrmannstraße stehen aktuell leer und warten auf eine Belebung. Auch bei den Einkehrmöglichkeiten ist das Angebot rarer geworden. Ende Dezember verabschiedete sich die Lounge „3 Grad“ an der Hafnerstraße nach sieben Jahren relativ lautlos aus dem Konzert der Anlaufpunkte für jüngere Gäste.

Leerstand am Marktplatz: zwei große Wohn- und Geschäftshäuser – das ehemalige Modehaus Kusch und das ehemalige Juweliergeschäft Winter/Ansel – sind besondere Problemfälle, da deren Teil- oder Totalleerstand Besuchern direkt ins Auge fällt.. Foto: Klöckner
Leerstand am Marktplatz: zwei große Wohn- und Geschäftshäuser – das ehemalige Modehaus Kusch und das ehemalige Juweliergeschäft Winter/Ansel – sind besondere Problemfälle, da deren Teil- oder Totalleerstand Besuchern direkt ins Auge fällt.. Foto: Klöckner

Zwei Traditionsgastwirtschaften für Publikum jedes Alters, der „Goldene Löwe“ am Marktplatz und das „Rhaner Bräustüberl“ an der Ludwigstraße haben sich 2017 verabschiedet. Zumindest beim „Rhaner Bräustüberl“ scheint sich in nächster Zeit etwas zu tun. Man sei in guten Gesprächen mit einem möglichen Pächter, ließ Inhaber Dr. Alois Plößl zuletzt wissen.

„Das Leerstandsproblem ist eine harte Sache“, sagt Pamler. Das Thema sei schwierig zu bearbeiten. „Manche Leerstände sind selbstverschuldet, weil die Besitzer nichts investieren“, so der Stadtbaumeister. Dadurch seien die Immobilien in schlechtem Zustand und unvermietbar. Auf der anderen Seite gebe es Interessenten, doch seien da die Flächen in der Altstadt oft zu klein. Zudem fehle Filialisten oft der große Parkraum direkt am Geschäft, so Pamler. Die Stadt habe schon viel investiert in Erneuerungen und werde noch viel investieren, etwa an der Schmidstraße. Es gebe kein generelles Rezept gegen Leerstände, doch er glaube, dass diese besser wiederbelebt werden könnten, wenn Straßen und Plätze neu und modern gestaltet seien.

Wo will die Stadt hin?

Der Leerstand ist auch beim Unternehmen Frey, dem Magneten der Innenstadt, Thema. „Die Situation gefällt uns nicht, ist aber eine, die wir an allen Standorten aktuell erleben“, sagt Geschäftsführer Helmut Hagner – und: „Wir nehmen diese Situation sehr ernst. Leerstände sind ein schreckliches Bild, das eine Einkaufsstadt seinen Kunden bietet.“ Frey könne das nicht ändern – nur die eigenen Hausaufgaben machen und sich nur auf die eigenen Stärke und Innovationskraft verlassen. „Was nicht heißen soll, dass wir uns nicht am Stadtmarketing beteiligen“, ergänzt Hagner.

Und noch ein „Sorgenkind“ der Stadtplaner: der Spitalplatz. Dort sind drei große Häuser leer. Hier werde derzeit einiges geplant, sagt Franz Pamler – und hofft auf eine baldige Umsetzung. . Foto: Klöckner
Und noch ein „Sorgenkind“ der Stadtplaner: der Spitalplatz. Dort sind drei große Häuser leer. Hier werde derzeit einiges geplant, sagt Franz Pamler – und hofft auf eine baldige Umsetzung. . Foto: Klöckner

„Wenn wir unser ModeErlebnisKaufhaus in Cham als Beispiel nennen, kann man erkennen, was notwendig ist, um Innenstädte zu beleben.“ Er nennt etwa klare Öffnungszeiten, „auch an Samstagen bis mindestens 18 Uhr.“ Oder Investitionen in Verkaufsräume und Personal. Mehrere Millionen Euro habe Frey zuletzt hier investiert, um Erlebnisqualität in der Innenstadt zu schaffen. Zentraler Punkt seien die Mitarbeiter: „Sie leben den Spirit von Frey und schaffen Einkaufserlebnisse in Form von exzellenter Beratung, von Mensch zu Mensch.“

Die Schmidstraße hat zwei Leerstände – davon ist einer in gelb gewaltig: Das ehemalige Grüneissl-Gebäude ist ein großer Bau, der immer wieder überplant wurde, aber größtenteils leer steht. Foto: Klöckner
Die Schmidstraße hat zwei Leerstände – davon ist einer in gelb gewaltig: Das ehemalige Grüneissl-Gebäude ist ein großer Bau, der immer wieder überplant wurde, aber größtenteils leer steht. Foto: Klöckner

Die Stadt müsse erkennen, wie wichtig Handel in der Innenstadt sei. Am Chamer Marktplatz solle das Herz einer jeden Stadt schlagen. Nötig sei ein starkes Stadtmarketing, qualitativ hochwertige Aktionen in der Innenstadt mit Vielfalt und Kreativität und „Mut, auch mal was neues zu wagen.“ Die Stadt könne hier zusammen mit den Unternehmern vieles schaffen. „Hier wünsche ich mir eine Roadmap, wo die Stadt in fünf oder zehn Jahren stehen will und was wir heute, morgen und übermorgen dafür tun müssen“, so Helmut Hagner.

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