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Tradition

Die Chamer Narren haben wenig zu lachen

Der Faschingsgesellschaft fehlen die Aktiven. Die Garde besteht aus sechs Tänzern, ein Prinzenpaar gab es zuletzt 2017.
Von Magdalena Hechtel

Zu fünft bestritt die Prinzengarde der Chamer Faschingsgesellschaft die Schlüsselübergabe im vergangenen Jahr. Foto: Claudia Peinelt
Zu fünft bestritt die Prinzengarde der Chamer Faschingsgesellschaft die Schlüsselübergabe im vergangenen Jahr. Foto: Claudia Peinelt

Cham.Heute ist der unsinnige Donnerstag. Er zählt zu den Höhepunkten einer jeden Faschingssession. Bunt und schrill verkleidete Frauen schneiden Schlipsträgern die Krawatten ab, die Stimmung ist ausgelassen. In Cham sind die Faschingsmuffel in der deutlichen Überzahl.

In einer Umfrage unseres Medienhauses gaben 88 Prozent der Teilnehmer an, „definitiv nicht“ in Faschingslaune zu sein.

„Furchtbar“ – so kommentiert die Vorsitzende der Chamer Faschingsgesellschaft (CFG), Heidi Engl, dieses Ergebnis. Doch die Faschingsbegeisterte lacht hell und laut. „Wir sind ja nicht so, wie die Bevölkerung meint, dass wir sind“, sagt sie.

Bei Auftritten herrscht Alkoholverbot

„Verkleiden, weggehen, saufen“, darauf will sich Engl nicht reduzieren lassen. Im Gegenteil, bei Auftritten der Garde herrscht sogar striktes Alkoholverbot, nicht nur für die Tänzerinnen und Tänzer, sondern auch für den Vorstand. „Wir geben kein gutes Bild ab, wenn das Präsidium im Hintergrund betrunken ist“, sagt sie.

Für Engl, die als Schülerin Jazz tanzte und ausgebildete Gardetrainerin ist, liegt das Hauptaugenmerk auf dem Tanzsport. Derzeit ist das die eine, sechs Personen zählende Garde, die dem Verein noch geblieben ist. Mit ihrem Sohn und ihrer Tochter stellt Heidi Engl ein Drittel der Mitglieder. In den Anfangsjahren der CFG tanzten 40 bis 50 Jungen und Mädchen in vier Garden. Für den drastischen Rückgang macht Engl unter anderem Vereine verantwortlich, die ebenso Tanztraining und Akrobatik anbieten. „Der ASV hat einfach eine riesige Lobby“, sagt Engl. Hinzu kommen Veränderungen im Lebensumfeld, die Schule raubt Zeit, Freundschaftscliquen verändern sich.

„Beim Formationstanz kommt es auf jede Person an“

Heidi Engl

Außerdem fordert der Gardebereich ein hohes Maß an Disziplin. „Bei einem Formationstanz kommt es auf jede Person an“, erklärt Heidi Engl. „Da kann man nicht sagen, dieses Mal passt es mir nicht.“ Die Frauen und Männer tanzen fast das ganze Jahr durch. Das ist auch nötig. „Gardetänze sind sehr anstrengend“, sagt Engl. Während eines dreiminütigen Liedes springen die Tänzer kontinuierlich und müssen gleichzeitig die sogenannten „Hebebeine“ ausführen. Hinzu kommen Pyramidenfiguren, bei denen Tänzer andere Mitglieder hochheben und tragen müssen. Pro Saison studiert die Garde der CFG je einen Garde- und einen Showtanz inklusive Zugabe ein. Unterstützung kommt von Franz Skupin, Tanztrainer aus Regensburg. Skupins Gehalt, wie auch die Kosten für Kostüme, Schuhe und sogar Strumpfhosen der Garde, zahlt der Verein. 11,11 Euro kostet die Mitgliedschaft jährlich.

Die Hauptpersonen im Chamer Fasching:

Inthronisation erfolgt am 11.11.

Am 11.11. eines jeden Jahres beginnen die Chamer ihre Session mit der Bekanntgabe und der Inthronisation des Prinzenpaares. Zwischen November und Februar treten die Tanzgruppen in Altenheimen auf und beteiligen sich an Veranstaltungen anderer Vereine. Am unsinnigen Donnerstag übernehmen die Narren mit der Schlüsselübergabe die symbolische Kontrolle über die Stadt, bevor am Faschingsdienstag gegen Mitternacht der Faschingsprinz begraben wird. Diese früher gut besuchte Veranstaltung ist mittlerweile fast zu einem vereinsinternen Termin geworden, die CFG ist in einen kleineren Raum ausgewichen.

Saison

Cham ist für fünfte Jahreszeit bereit

Der Fasching ist heuer länger als sonst. Spielwaren Rofu verrät, was bei den kleinen und großen Maschkerern angesagt ist.

Das vom Kölner Karneval inspirierte „Dreigestirn“ geht aus Mangel an Prinzen- und Prinzessinnen in diesem Jahr schon in die zweite Amtszeit. Warum das so ist? „Die Opferpfalz an sich ist schon keine Faschingshochburg“, versucht sich Heidi Engl an einer Erklärung. „Außerdem können viele nichts mit Fasching anfangen, obwohl es bei uns ganz anders abläuft.“ Für die Zukunft wünscht sich die Vorsitzende, dass sich ihr Verein neu aufstellen kann. Am liebsten mit drei Garden und deutlich mehr Präsidiumsmitgliedern. „Wenn es zu wenige Schultern gibt, dann ist es immer anstrengend“, sagt Engl. Das gilt für den Vorstand und die Garde gleichermaßen.

Die Schlüsselübergabe beginnt heute Abend um 18 Uhr im Langhaussaal des Rathauses, in Abwesenheit von Prinz „Franz der Zulassende“. Der Eintritt ist frei.

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