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Die Edel-Tanne: Eine edle Diva

Höchstens in Höhenlagen ist die Edel-Tanne hierzulande denkbar. Ein faszinierender Baum ist sie dennoch.
Von Petra Schoplocher

Charakteristikum: Die samtweichen, wunderbar blau schimmernden Nadeln der pazifischen Edeltanne. Etwa ein Viertel liegt am Zweig an, der Rest steht spitzwinkelig ab.  Fotos: Schoplocher
Charakteristikum: Die samtweichen, wunderbar blau schimmernden Nadeln der pazifischen Edeltanne. Etwa ein Viertel liegt am Zweig an, der Rest steht spitzwinkelig ab. Fotos: Schoplocher

Cham.Uih, ist das kompliziert (und irgendwie erinnert es mich an die letzten Klausuren meiner Schulzeit): Auf die Nadeln kommt es an. Alles klar soweit. Aber dann: Der basale Teil (aha!) der viereckigen, 25 bis 35 Millimeter langen (samtweichen (!)) Nadeln liegt mit etwa einem Viertel der Länge am Zweig an, der Rest steht spitzwinkelig ab. Soweit das Erkennungsmerkmal der (pazifischen) Edel-Tanne.

Das Nächste, was Dr. Arthur Bauer erklärt, ist schon einfacher: Abies procera hat die größten Zapfen aller Tannenarten. Außerdem ist sie diejenige, die das höchste Alter erreicht, bis zu 700 Jahren! Auch die Statur kann sich sehen lassen: Der höchste gemessene Baum ist knapp 85 Meter hoch, der Brusthöhendurchmesser kann schon mal 2,50 Meter überschreiten. Und noch ein Adelstitel: Sie hat das (qualitativ) wertvollste Holz aller Tannen in Nordamerika. Verwendet wird das weiche, weiße Material vor allem als Bau- und Konstruktionsholz.

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Ungeahnte Vorteile

Sie stammt von der Westküste der USA, weist in den dortigen höheren Lagen aber das kleinste Verbreitungsgebiet aller Tannenarten in Nordamerika auf. Gerne ist sie in Gesellschaft der Westlichen Hemlocktanne und der Douglasie. In ihrer Heimat kommt sie bis in Höhenlagen von 2000 Metern vor, weiß der Experte. Apropos USA: 1942 gewann die Edel-Tanne als Ersatz für den zur Neige gehenden Vorrat an Sitka-Fichte große wirtschaftliche und kriegstechnische Bedeutung.

Sie und die Hemlock-Tanne waren die einzigen Baumarten, die eine Neukonstruktion im Flugzeugdesign nicht erforderten. Die Edeltanne verträgt weniger Schatten als andere Tannen, gilt aber als frosthart und verträgt auch Temperaturen von minus 20 Grad. Nur in der Jugend leidet der in den ersten Jahren langsam wachsende Baum nicht selten unter Frosttrocknis. Die geringe Schattentoleranz hat jedoch auch einen Vorteil: Die Stämme reinigen sich sehr gut, da beschattete Äste schnell absterben.

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Rat einholen wird empfohlen

Zwar ist die Edeltanne ein Baum montaner Lagen mit maritimem Klima und kühlen Sommern – in ihrer Heimat fallen 2000 bis 2500 Millimeter Niederschlag im Jahr und diese überwiegend im Winter. Ausschließlich festgelegt ist sie darauf aber nicht.

Sie bevorzugt saure, frische und durchlüftete Böden, am liebsten sind ihr tiefgründige, sandig humose. Staunässe meidet sie. Dr. Bauer könnte sie sich in den höheren, kühleren Lagen des Bayerischen Waldes vorstellen, warnt aber vor Eigenexperimenten, ohne vorher (forstlichen) Rat einzuholen. In Europa soll sie etwa 1930 eingeführt worden sein, am ehesten ist sie in Deutschland in Parkanlagen oder – wie auch in Dänemark – auf Christbaum- oder Schmuckreisigplantagen zu finden.

Im Zuge des Waldsterbens in den 1980er Jahren gab es aber auch in Deutschland Aufforstungen mit der Edeltanne, durchaus vielversprechend, weiß der Forstdirektor. In ihrer Heimat weist sie nur eine geringe Gefährdung auf, in Europa sind junge Bäume beliebtes Fressen des Rüsselkäfers. Wie andere Tannen auch leidet auch sie unter der Tannentrieblaus und dem Tannenkrebs. Der Verbiss ist nur unwesentlich geringer ist als bei der heimischem Tanne. Außerdem wird sie sehr stark verfegt.

Junge Bäume haben eine glatte, graue bis rötliche Farbe. In den ersten Jahren wachsen sie sehr langsam, im mittleren Alter holen sie auf. An besten Standorten erreicht sie mit 100 Jahren etwa 40 Meter Höhe, was mit den besten Wuchsleistungen der Fichte oder denen der Douglasie vergleichbar ist. Gottlob noch etwas, das ich verstehe.

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