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Konzert

Die Extreme des Cello-Spiels

Matthias Lorenz spielte in Walderbach Stücke von Bach, Birkenkötter, Thomalla und Maierhof und will das Publikum an zeitgenössische Musik gewöhnen.
Von Karin Hirschberger

Walderbach.Der Cellist Matthias Lorenz begann sein Konzert „Bach.heute I“ im Festsaal in Walderbach am Samstag mit der Prelude der Suite Nr. 1 G-Dur BWV 1007 von Johann Sebastian Bach. Der Künstler begrüßte die Zuhörer und sagte, er wolle Bach mit zeitgenössischer Musik verbinden. Die Prelude sei das Sprungbrett in den Abend gewesen. Jede Bach-Suite habe ein eigenes kompositorisches Thema. Bei der 1. Suite falle besonders der Orgelpunkt auf, das G im Bass mit unterschiedlichen Akkorden gespielt. In der zeitgenössischen Musik gäbe es den Orgelpunkt sehr selten. Aber Anknüpfungspunkte seien der gleichbleibende Ton und die Änderung der Harmonien.

Das Solo, das ins Leere läuft

Im Stück „Solo“ von Jörg Birkenkötter steht besonders die rechte Hand im Vordergrund, sie streicht zuerst schnell und dann immer langsamer bis gar nicht mehr gestrichen wird. Lorenz verglich dies mit der Serpentin bei Bach, bei der es auch nicht mehr weiter geht. Beide Male kommt es zu einer Umfärbung der Klänge. So erobert Birkenkötter die Extreme des Cello-Spiels. Es gibt fast keine Melodie und das war bei „Solo“ auch deutlich zu hören. Vom sehr langsamen Streichen mit dem Bogen geht es in sehr schnelle Bewegungen über. Teilweise werden die Seiten auch gezupft oder es folgt ein Moment der Stille.

Es folgte das Stück „Cello Counterpart“ von Hans Thomalla. Bei Bach sei es besonders, dass das Objektive dem Subjektivem gegenübergestellt wird. Er nutzt das Vorgegebene, die Kompositionstechnik und die Begrenzung durch das Instrument. So erreicht die Melodie gegen Ende des Stücks einen toten Punkt. Diesen toten Punkt gibt es auch bei Thomalla, im Gegensatz zu Bach setzt dieser aber auf das Individuelle. Die Begrenzungen durch das Instrument und die Musik fallen weg. So wurden zum Beispiel zwei Saiten des Instruments blockiert und es entstanden Töne, die man nicht von einem Cello erwartet.

Nicht erschrecken lassen

Nach der Pause spielte Lorenz das Stück „Splitting 14“ des Klangforschers Michael Maierhof. Er bemüht bei diesem Stück vor allem die Untertöne, so kann der Cellist tiefer spielen. Maierhof sucht Klänge, die Untertöne ins Kippen geraten lassen oder unregelmäßig sind. Er komponiert Felder. Es sei Vieles dabei, was erstaunlich sei, sagte Matthias Lorenz und riet den Zuhörern darüber wegzukommen. Es klinge zu Beginn etwas fremd und verstörend, aber man soll sich nicht ins Bockshorn jagen lassen, es sei ein großartiges Stück.

Den Abschluss des Abends bildeten die sechs Sätze aus Bachs Suite Nr. 1 G-Dur BWV Nr. 1007. Bach erhalte immer die Erwartungen aufrecht, dass etwas mit den Tönen passieren könnte. Er wüsste gern, so der Cellist, wie Johann Sebastian Bach selbst sein Stück beschrieben hätte.

Abschließend machte Matthias Lorenz dem Publikum noch das Angebot mit ihm alle noch offenen Fragen zu klären. So endete der Abend wie er begonnen hatte, mit der Musik von Bach.

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