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Region Cham
Donnerstag, 20. September 2018 25° 1

Religion

Die Geschichte des Chamer Judenfriedhofs

Der Frauenbund Windischbergerdorf bei einer Führung mit dem Stadtarchivar. Warum es hier keine Blumen gibt…

Stadtarchivar Timo Bullemer führte eine Gruppe des Frauenbundes über den Judenfriedhof in Windischbergerdorf. Foto: Elisabeth Stebe
Stadtarchivar Timo Bullemer führte eine Gruppe des Frauenbundes über den Judenfriedhof in Windischbergerdorf. Foto: Elisabeth Stebe

Cham.Nach der Monatsmesse am vergangenen Mittwoch trafen sich zahlreiche Mitglieder des Windischergerdorfer Frauenbundes am Judenfriedhof zu einer Führung. Stadtarchivar Timo Bullemer erwartete die Damen bereits. Der Friedhof gehört zu den wenigen Spuren, die heute noch an die ehemalige israelitische Kultusgemeinde Cham erinnern, so Bullemer.

In der jüdischen Religion nimmt ein Friedhof einen sehr hohen Stellenwert ein. Man spricht vom „Haus der Ewigkeit“, „Haus des Lebens“ oder vom „Guten Ort“. Männliche Juden betreten den Friedhof deshalb nur mit Kopfbedeckung. Im Jahr 1889 wurde diese Ruhestätte außerhalb der Stadt fertiggestellt, und bereits ein Jahr später erfolgte die erste Beisetzung. Bis heute sind etwa 100 Grabstellen angelegt worden, auch mehrere Kindergräber. Drei Gedenktafeln erinnern an jüdische Gefallene im Ersten Weltkrieg. Alle Grabsteine sind nach Osten mit Blick auf Jerusalem ausgerichtet. Jedem Verstorbenen gehört der Boden, in dem er begraben liegt, auf ewig. Es gibt keine Auflassung oder Neubelegung. Der Fortbestand der Grabstelle ist für die unangetastete Ruhe und damit die Ehre des Toten notwendig.

Grabbepflanzungen und Blumen gibt es normalerweise auf einem jüdischen Friedhof nicht. Die kleinen Steinchen auf den Gräbern sind Zeichen dafür, dass Angehörige die Gräber besuchen und der Toten gedenken. Timo Bullemer berichtete auch über die weit zurückreichende Geschichte jüdischen Lebens in Stadt und Landkreis Cham.

Interessant waren für so manche Besucherin die Namen auf den Grabsteinen, die sie noch aus eigener Erinnerung kannte. Mit einem kleinen Geschenk bedankte sich die Vorsitzende Anneliese Raab beim Stadtarchivar für die äußerst interessante Führung.

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