mz_logo

Region Cham
Dienstag, 22. Mai 2018 24° 3

Natur

Die Kältetricks bei Rentier und Co.

Besuch im Lohberger Tierpark – wer den Winter nicht verschläft, legt sich ein dickes Fell zu oder deckt sich mit Schnee zu.

  • Die jungen Luchse im Lohberger Bayerwald-Tierpark sind prächtig gediehen. Sie genießen den Schnee und die Minustemperaturen. Fotos: M. Frisch
  • Winterspaziergang: Durch ihren geräumigen Auslauf im Streichelzoo sind die Kaninchen im Tierpark auch im Schnee anzutreffen.

Lohberg.Neuschnee, Windböen, Matsch auf den Straßen und nächtliche Minusgrade – viele schreckt die kalte Jahreszeit ab. Sich freiwillig im Freien aufzuhalten ist undenkbar. Kaum muss zur Schaufel gegriffen werden, sind einige das tägliche Schneeschippen schon wieder leid. Am liebsten wäre es ihnen, wenn dem Winter bald die Luft ausginge. Falls der eine oder andere Zeitgenosse absolut keinen Gefallen an Schnee und Frost finden kann, so tröste es ihn, dass die Tiere im Lohberger Bayerwald-Tierpark das Absinken des Thermometers geradezu genießen. Ohne Zweifel hellt sich auch bei den Besuchern das Gemüt auf, wenn sie bei einem Streifzug das Wohlgefühl der Vierbeiner auf sich wirken lassen.

Feinschmecker im dicken Zottelfell: Für die Lohberger Wisente sind die Zuckerschnitzel eine richtige Delikatesse.

„Für die freilebenden Tiere ist der Winter eine harte Zeit“, bestätigt die zoologische Leiterin, Claudia Schuh. Vor allem ist wenig Nahrung zu finden. Dennoch weiß die Natur auch damit umzugehen. Wenn die Tage im Herbst kürzer werden, die Temperaturen sinken – und die Zugvögel schon längst die Region verlassen haben – müssen sich die zu Hause gebliebenen Tiere auf die dunkle und kalte Jahreszeit einstellen.

Lesen Sie hier: Nachwuchs im Bayerwald-Tierpark: Die Luchsin „Narnia“ zeigt ihre Drillinge zum ersten Mal in der Öffentlichkeit.

Den Winter einfach verschlafen

Wohlfühl-Temperaturen: Dem Fischotter taugt das Wetter bestens – er schlägt auch ein eisiges Bad nicht aus.

Tiere treffen hierzu Vorkehrungen für den Winter, und wenn es nur das dicke Winterfell ist, das sie vor der Kälte schützt. Einige können die Kälteperiode nur überstehen, indem sie in eine Winterruhe oder einen Winterschlaf verfallen. Zwischendurch wachen die Winterschläfer immer mal wieder kurz auf, um ihre Position zu ändern und Darm und Blase zu entleeren. Sie fressen jedoch nichts, sondern ernähren sich in dieser Zeit ausschließlich von ihrem über Spätsommer und Herbst angefressenen Fettpolster.

Fast wie zu Hause am Polarkreis: Ein Schneebett ist für die Rentiere quasi wie ein dicker wärmender Wintermantel.

Um Energie zu sparen, verlangsamen sich Atmung, Herzschlag und Stoffwechsel – auch die Körpertemperatur sinkt ab. Neben den Tieren, die ruhen und schlafen, gibt es auch andere, die in eine Starre fallen – ein Zustand, der dem Tod näher als dem Leben scheint. Dazu gehören Insekten, Amphibien, Reptilien sowie einige Fische. Sie selbst können ihren Körper nicht erwärmen – nur mit dem Ansteigen der Außentemperatur „erwachen sie wieder zum Leben“. Dauert die Phase der Starre jedoch zu lange an oder ist es zu kalt, sterben sie schließlich und erwachen nicht mehr durch die wärmenden Sonnenstrahlen des Frühlings.

Lesen Sie hier: Die jungen Wölfe sind der Hingucker – Drei männliche und zwei weibliche Tierkinder wurden im Tierpark Lohberg geboren. Ihre Mutter ist Alphawölfin Osira.

Der Schnee kann auch wärmen

Schaulaufen bei Minusgraden: Der Pastellfuchs hat ein wunderschön seidigglänzendes Winterfell und blaue Augen.

Einige Arten legen sich im größten Schneegestöber auf den Boden und warten, bis sie von einer Schneedecke umhüllt sind. „Das ist quasi ein wärmender Wintermantel, denn nur ein Zehntel des Schnees besteht aus klirrend-kalten Schneekristallen“, bestätigt die zoologische Leiterin. Der Rest ist Luft und die schützt Hase, Reh und Co. gegen den kalten Wind wie eine warme Decke. Die Wisente wälzen sich genussvoll im Schnee und wirbeln mitunter sogar weiße Wolken auf. Wenn der Biber ins eiskalte Wasser eintaucht, läuft so manchem Beobachter eine Gänsehaut über den Rücken. Für den Dammbaumeister sind Minusgrade keine Bedrohung. Wen wundert es, bei bis zu 37000 Haaren pro Quadratzentimeter Fell?.

Luftpolster zwischen den Haaren

Leckereien im Tiefschnee: Im Gegensatz zur freien Wildbahn leidet im Tierpark keiner Not, auch nicht die Waschbären.

Natürlich lässt die Tiere selbst ein langer Winter nur deshalb kalt, weil sie keine Not leiden. „Im Gegensatz zu den Artgenossen in freier Wildbahn, die um ihr Überleben kämpfen, ist der Tisch der Zootiere reichlich gedeckt“, sagt Claudia Schuh. Bei Rentieren sind zwischen den Haaren kleine Luftpolster eingeschlossen, die wie eine Isolierung wirken. So können sie sogar Temperaturen bis -40 Grad Celsius trotzen. Dasselbe gilt für die Elche, für die das Absinken des Thermometers gleichfalls wohltuend ist. Um sich davon zu überzeugen, muss man sich allerdings schon auf den Weg in den Bayerwald-Tierpark machen ... (kfl)

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht