mz_logo

Region Cham
Mittwoch, 25. April 2018 20° 2

Menschen

Die Leidenschaft des Kaplans

Kaplan Pater Johannes Bosco ist ein Krippenliebhaber. Das ganze Jahr hindurch hat er ein Auge auf schöne Tannenbäume.
Von Claudia Peinelt

Pater Johannes freut sich: Seine Krippe in Cham ist aufgestellt und sieht prächtig aus. Foto: Peinelt

Cham. Cham. „Des is a schoina Baam. Brauchts ihr den no“? Das war fast die erste Frage, die der Kaplan stellte, als er vor dem großen Tannenbaum stand, der vor der Terrasse der Reporterin steht. „Äh, ja, den hätten wir eigentlich schon noch gern stehengelassen“, antwortet diese.

Da war es gerade mal Anfang September und Pater Johannes hatte schon Gedanken für Advent und Weihnachten. Der Prämonstratenser hat eine große Leidenschaft: Krippen sammeln. Die Advents- und Weihnachtszeit haben es ihm schon immer angetan. Und Christbaum, Krippe und Lichter im Advent – das ist seins. In seinem Kloster in Speinshart ist er derjenige, wenn es darum geht, die Krippe aufzubauen und alles zu dekorieren. Und auch in Cham hat Johannes schon vor einiger Zeit das Adventsfieber gepackt. In einem Baumarkt konnte er nicht widerstehen und hat gleich mehrere Lichterpyramiden mitgenommen.

Ein Fenster als Krippe

Sein großes Fenster im Büro, das hat er für seine Krippe ausgewählt. „Die Figuren für diese Krippe sind ein Geschenk“. Pater
Johannes Traum waren geschnitzte und bekleidete Figuren. Zu seiner Primiz im Juni diesen Jahres hatte er viele Gutscheine für neue Krippenfiguren bekommen. Fragte ihn jemand, was er sich zu seiner Primiz wünschte, habe er sehr oft gesagt: „Schenkt’s mir Gutscheine vom Schinner“. Die Schnitzerei Schinner aus Ebnath hat es dem jungen Priester angetan. „Im August habe ich mir vom Schinner Figuren zeigen lassen und gleich welche in Auftrag gegeben. So wurde der Grundstock gelegt“. Mitte November konnte Pater Johannes die Figuren abholen. „An Elefanten und a Kamel hab i mir a mitbestellt“, erzählt er und strahlt dabei übers ganze Gesicht. Schon daheim in Weiden hat er als Kind die Krippe gestaltet: Mit Playmobilfiguren, zum Leidwesen von Mama Theresia und Papa Josef. Der Onkel Sepp, das ist der Bruder von seiner Mama, hat schon immer geschnitzt. Und das hat den kleinen Florian, wie Pater Johannes mit Taufnamen heißt, immer schon sehr gefallen. Florian war es dann auch, der zu der eher bescheidenen Krippe daheim einen Brunnen gekauft hat. Dann hat er ein Krippenhaus in Tschechien gekauft und wollte einen Elefanten für die Krippe.

„Das gab einen Aufschrei daheim. Der passt doch nicht in die Krippe, was dir immer einfallen würde“, erzählt er und grinst dabei. Und dann hat den Elefanten der Onkel Sepp geschnitzt. Als Zivi hat er sich schließlich am Weidener Christkindlmarkt von seinem Weihnachtsgeld die ersten eigenen Krippenfiguren gekauft. Und im Dezember 2008 hat er dann, bei seinem ersten Besuch im Kloster, zusammen mit seinen zukünftigen Mitbrüdern, die Krippe mit aufbauen dürfen und dabei gleich einem Schaf das Bein abgebrochen.

Zur Person

  • Florian Ernstberger

    wurde 2016 zum Diakon in St. Jakob geweiht und erhielt am 5. Juni 2017 die Priesterweihe.

  • Seinen Ordensnamen

    Pater Johannes Bosco suchte er sich selber aus. Er ist Prämonstratenser.

  • Geboren

    wurde er am 21. Mai 1985. Der Weidener hat eine Ausbildung zum Ergotherapeuten.

Während der Kaplan so erzählt, steht er am großen Fenster in seinem Büro. Die Mesnerin hat ihm ein blaues Tuch eingesäumt und das dient ihm als Hintergrund. Und dann hat er einfach losgelegt. Das große Haus hingestellt, kleine Lichterleitungen verlegt und geschickt unter Rinden versteckt. Am Boden im Büro liegt ein Berg an verschiedenen Reisigsorten. Es riecht wie Weihnachten und die Augen des Kaplans glänzen auch so, als wäre gerade Bescherung. Kleine Zweige reiht er so aneinander, dass es aussieht, als stehen dort tatsächlich Bäume. Eine Unzahl an Schafen stellt er hin. Als die Reporterin dem Hirten einen Platz zuweist, kommt sofort die Stimme aus dem Hintergrund. „Na, dou kannst den niad histölln“. Ok, dann halt nicht. Hinstellen, betrachten, umstellen und noch mal anschauen – Pater Johannes gibt sich nicht so schnell zufrieden.

Das Wunder der Heiligen Nacht

Aber nach gut zwei Stunden, ist das Wunderwerk vollbracht. Und sie sieht wirklich gut aus, die Krippe – mit Kamel und Elefant. Johannes schaltet das Zimmerlicht aus und nun wirkt das Licht der Krippe erst recht.

Pater Johannes verteilt das Reisig in der Krippe. Foto: Peinelt

Das Wunder der Heiligen Nacht wird mit selbst geschnitzten Figuren ins richtige Licht gerückt. Krippen sind nicht nur einfach Hobby. „Mit meiner Leidenschaft setzte ich mich mit meinem Glauben auseinander. Für mich ist das Krippengestalten auch eine Form der Verkündigung. Man wird von der Liebe Gottes berührt und gibt so Zeugnis von der frohen Botschaft.“ Mit der Krippe im Büro ist ein Anfang gemacht, nächstes Jahr sollen weitere Figuren folgen: Ministranten und Prämonstratenser sollen zur Krippe gehen.

Pater Johannes steht vor seiner Krippe und schmunzelt: „Beim Betrachten der Krippe vergesse ich alles um mich herum“, sagt er und sieht sich sein Werk noch mal an.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht