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Die Liebe zur Heimat treibt ihn an

Arrachs neuer Bürgermeister im Interview: Gerhard Mühlbauer ist „hoch motiviert“ und „ein Stück weit stolz“.
Von Regina Pfeffer

Gerhard Mühlbauer, der bislang bei der Zollner AG arbeitete, freut sich auf die Herausforderungen seines neuen Amtes. Im Interview gewährt er einen Einblick in die Gefühlslage.  Foto: Regina Pfeffer
Gerhard Mühlbauer, der bislang bei der Zollner AG arbeitete, freut sich auf die Herausforderungen seines neuen Amtes. Im Interview gewährt er einen Einblick in die Gefühlslage. Foto: Regina Pfeffer

Arrach.Seit dem 1. Mai ist Gerhard Mühlbauer neuer Bürgermeister von Arrach. Im Interview spricht er über seine Motivation und seine Ziele.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von dem Wahlsieg erfahren haben?

Zuerst habe ich es nicht geglaubt und dann war es ein unbeschreibliches Gefühl. Mit dem hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Es war am Wahltag kurz vor 20 Uhr, als ich mit meiner Familie und Listenanhängern im Gasthof Schmidberger in Arrach beieinandersaß (damals durfte man ja noch) und auf das Ergebnis wartete. Die Info erfolgte per SMS, da der Server des Landratsamtes zeitweilig überlastet war.

Was war in Ihren Augen ausschlaggebend dafür, dass Sie sich so deutlich gegen den Amtsinhaber durchgesetzt haben?

Schwer zu sagen. Zum einen glaube ich, sagen zu können, einen guten und fairen Wahlkampf geführt zu haben, in den ich mich hineingehängt habe mit Hausbesuchen usw. Ein unbekannter Mensch war ich ja auch nicht. Aber was letztendlich das Ausschlaggebende war, das hat der Wähler entschieden, das kann ich selbst nicht beurteilen.

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Hat der Abschied von der Zollner AG geschmerzt?

Ja! Das berührt mich auch jetzt noch. Der Abschied von Kollegen und langjährigen Kunden schmerzt schon ein bisschen. Zwölf Jahre lassen sich nicht verleugnen. Es war eine schöne Zeit. Aber es überwiegt die Freude. Ich bin jetzt 41 Jahre alt und sehe es als Chance, meinem Leben eine neue berufliche Wendung zu geben.

Die Abschiedsparty mit den Kollegen fiel wohl flach?

Ja, leider. Corona-bedingt war nur mehr eine halbe Besetzung im Büro anwesend. Wenn es wieder möglich ist, wird die Party nachgeholt.

Neuer Bürgermeister von Arrach – wie fühlt sich das an?

Das fühlt sich natürlich schon gut an, macht mich auch ein Stück weit stolz, weil es einfach meine Heimat ist. Es ist eine Mischung von Vorfreude und Anspannung, aber ich traue mir das zu.

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Ist es ein Nachteil, als Neueinsteiger in die Politik zu gehen, ohne vorher im Gemeinderat gewesen zu sein?

Als riesigen Nachteil sehe ich das nicht an. Letztendlich wird von den Mitbürgern genau verfolgt, was in der Gemeinde abläuft. Dennoch besteht ein Unterschied zwischen Wollen und Können. Es gilt, über Parteigrenzen hinweg Kompromisse zu finden und verlässliche Vereinbarungen zu treffen. Die speziellen Details und die rechtlichen Grundlagen, die in der Vergangenheit zu manchen Entscheidungen geführt haben, werden mir jetzt richtig klar. Ansonsten habe ich das schon verfolgt, was alles abgelaufen ist. In der Verwaltung sitzen fähige Leute und wenn man gute Mitarbeiter hat, muss man auch nicht alles selber wissen, nur den Überblick behalten. Ich denke, dass man das alles lernen kann.

Wie haben Sie sich auf Ihren Amtsantritt vorbereitet?

Die kommunalen Seminare, etwa beim Bayerischen Gemeindetag oder BVS, sind wegen der Corona-Krise flachgefallen. Auch so manche persönlichen Kontakte und Gespräche waren nicht möglich. Eine Woche vor Amtsantritt habe ich mit Geschäftsleiterin Tanja Altmann alles durchgesprochen, was in der nächsten Zeit anliegt. Kommenden Dienstag ist ja auch die konstituierende Sitzung. Mein Email-Account ist eingerichtet und ich habe meinen Antrittsbesuch beim Bauhof gemacht. Eine Einstandsfeier beim Verwaltungsteam fand noch nicht statt, da mich der Arbeitsalltag ab dem ersten Tag eingeholt hat. Natürlich holen wir das noch nach. Der erste Tag war kurzweilig, spannend und freudig aufregend. Meine Verwaltungsmitarbeiter sind alles sympathische, gute und hilfsbereite Leute.

Wie sehr trübt die Corona-Krise Ihren Start?

Sehr, weil gerade das fehlt, was das A und O ist: Miteinander reden, Überall-hin-können, persönliche Flexibilität.

Was sind die ersten Maßnahmen, die Sie angreifen wollen?

Ich hatte geplant, die Dinge anzugehen, die ich mir im Wahlkampf vorgenommen hatte. In erster Linie geht es jetzt aber um die Bewältigung der Corona-Krise. Wie kommen alle wieder schrittweise zu einem „normalen“ Leben? Wie kommen Handel, Gewerbe, Gastronomie und Tourismus wieder in Schwung? Arbeitsplätze, Existenzen ganzer Familien und Unternehmen stehen auf dem Spiel. Das nimmt mich schon sehr mit. Da wird auch einiges von mir erwartet. Ein weiteres Anliegen ist die Dorferneuerung Ottenzell und Haibühl, die erste Begehung mit dem zuständigen Architekten.

Paukenschlag

  • Wechsel:

    Auf dem Chefsessel des Arracher Rathauses hat sich bei der Kommunalwahl im März ein Wechsel vollzogen.

  • Wahlerfolg:

    Nach seinem überraschenden Wahlerfolg hat Gerhard Mühlbauer (57,2 Prozent der Stimmen) seinen Vorgänger Sepp Schmid (42,8 Prozent) abgelöst und lenkt nun für die nächsten sechs Jahre die Geschicke der Gemeinde Arrach.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Wenn sich die Corona-Lage beruhigt hat und wieder alles normal läuft. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den neuen Gemeinderäten, Verwaltung, Bauhof und Bürgern. Ich bin hoch motiviert und gehe hoffnungsvoll auch schwierige Fälle an. Schließlich möchte ich das Vertrauen, das mir die Wähler ausgesprochen haben, nicht enttäuschen. Es gibt für niemanden geschlossene Türen. Wenn jemand mit einem Anliegen kommt, werden wir das prüfen und helfen, soweit es uns möglich ist. Miteinander werden wir das schaffen, davon bin ich überzeugt.

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Was bereitet Ihnen Sorgen?

Ich denke, dass es nichts gibt, was man nicht regeln kann. Gemeinsam sind wir stark. Man wünscht sich natürlich andere Gegebenheiten für den Einstieg als einen Ausstieg aus der Krise. Finanziell tut uns Corona sehr weh. Viele Firmen und kommunale Betriebe haben Kurzarbeit, wodurch die Einkommens- und Gewerbesteuer niedriger ausfällt. Angesichts der Gewerbesteuereinbußen hat selbst unsere erfahrene Geschäftsleiterin und Kämmerin Tanja Altmann Bauchweh. Unsere Kommune hat ja genau die Erwerbszweige, die von Corona-Maßnahmen betroffen sind: Gastgewerbe, Verkauf, Tourismus, usw. Dass jemand aufhören musste, ist Gott sei Dank nicht der Fall, aber man muss erst sehen, ob sich alle betroffenen Betriebe wieder erholen können.

Was schätzen Sie an Ihrem Amtsvorgänger Sepp Schmid?

Er hat eine gute Arbeit gemacht und in seiner Amtszeit etwas bewegt.

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