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Die Macherin ist jetzt Managerin

Susanne Nock darf sich seit kurzem Zertifizierte Generationenmanagerin nennen – davon profitieren auch die Waldmünchner.
Von Petra Schoplocher

Doppelte Ehre: Susanne Nock erhielt nicht nur ihr Zertifikat, sie durfte zudem die Abschlussrede für die Kursteilnehmer halten, für die sie viel Lob bekam. Foto: Katholische Stiftungshochschule München
Doppelte Ehre: Susanne Nock erhielt nicht nur ihr Zertifikat, sie durfte zudem die Abschlussrede für die Kursteilnehmer halten, für die sie viel Lob bekam. Foto: Katholische Stiftungshochschule München

Waldmünchen.Generationenmanagerin... Das klingt spannend. Und wie gemacht für Susanne Nock, die seit über zehn Jahren ehrenamtlich als Projektmanagerin das Waldmünchner Mehrgenerationenhaus „schmeißt“. Auch die 44-Jährige selbst hat sich das gedacht, und als die die Ausschreibung zu einer entsprechenden Fortbildung gelesen hat, sofort gedacht: „Da muss ich mich anmelden.“

Das hat sie getan und wurde prompt als einzige Nicht-Hauptamtliche ausgewählt – was sie bayernweit einzigartig macht, denn der zertifizierte Abschluss an der Katholischen Stiftungshochschule München wurde zum Jahresende erstmals vergeben. An 17 Frauen und Männer.

Der Weg zum Generationenmanager

  • Niveau:

    Zum ersten Mal wurde unter dem Dach der Katholischen Stiftungshochschule München eine berufsbegleitende Fortbildung zur Zertifizierten Generationenmanagerin angeboten. Der Abschluss hat das Niveau eines Bachelors.

  • Umfang:

    An zwölf Präsenztagen wurden 100 Einheiten unterrichtet. Gefordert waren zudem 110 Stunden Eigenstudium, unter anderem in Form einer Projektarbeit.

  • Module:

    Inhalt der Fortbildung waren Module mit den Themen generationenübergreifende Arbeit, Sozialraumorientierung, Management von Netzwerken, kreative Aktionen und Kampagnen sowie Evaluation und Nachhaltigkeit.

  • Projekt:

    Susanne Nocks Projektarbeit trug den Titel „Stadt(s)pass“. Generationen entdecken unsere Stadt“. Diese hat die 44-Jährige nicht nur konzipiert, sondern in Waldmünchen auch schon umgesetzt, was ihr ein besonderes Lob einbrachte.

„Es war wirklich super“, schwärmt die frischgebackene zertifizierte Generationenmanagerin von den Unterrichtstagen. Weil die Teilnehmer „wirklich ein bunter Haufen“ waren, hörte das Lernen praktisch nie auf. Der Austausch zwischen Landratsamtsmitarbeitern, die Sozialpläne erstellen, Fachleuten aus großen Kommunen oder auch Care- und Case-Managern in Altenhilfeeinrichtungen war stets aufs Neue interessant.

In Gesprächen mit hauptamtlichen Leitern von Mehrgenerationenhäusern wurde ihr bewusst, dass „unser Waldmünchner System offenbar einmalig ist“. In anderen Einrichtungen wird der Bundeszuschuss für MGHs entweder für die Gebäude oder das Personal hergenommen, den anderen Part finanziert die Kommune. „Wir wuppen mit dem Geld beides“, verdeutlicht sie.

Die frischgebackene Generationenmanagerin Susanne Nock mit (von links) Professor Dr. Martina Wolfinger, Professor Dr. Daniel Flemming und Dr. Andreas Frank Foto: KSH München
Die frischgebackene Generationenmanagerin Susanne Nock mit (von links) Professor Dr. Martina Wolfinger, Professor Dr. Daniel Flemming und Dr. Andreas Frank Foto: KSH München

Wenngleich die persönliche Belastung neben Beruf und Ehrenamt durch Präsenzzeiten in Benediktbeuern, Eigenstudium und Projektarbeit groß war, ist Susanne Nock froh und stolz, es geschafft zu haben. „Jetzt hab′ ich endlich einen Titel für das, was ich mach′.“ Und sie hat eine Menge neuer Ideen und Wissen mitgebracht, von dem auch die Waldmünchner profitieren werden.

Abschlussrede gehalten

Dass sie das Zertifikat in der Tasche hat (aufgehängt wird es nicht, sondern abgeheftet), hätte alleine schon gereicht, um als ihr persönlicher Höhepunkt im vergangenen Jahr durchzugehen. Aber es kam noch besser: Bei der feierlichen Überreichung der Urkunden durfte Nock die Abschlussrede halten. „Das hat sich so ergeben“, stapelt sie tief.

Als sie für diese dann auch noch eine Menge Lob bekam, unter anderem von einem der Professoren, der ihr im Anschluss widerspiegelte, „jetzt zu verstehen, wie sie das mit vier Jobs macht“, war „ein klein wenig Schweben“ angesagt. Was sie besonders gefreut hat: Martina Mathes, Mitglied der MGH-Steuerungsgruppe, hatte sich die Zeit genommen und war mit Nock nach Benediktbeuern gekommen. „Das bedeutet mir viel, sie begleitet mich, seit ich zwölf bin“, sagt die 44-Jährige gerührt.

Seit der Eröffnung vor über zehn Jahren kümmert sich Susanne Nock als Projektmanagerin um das Waldmünchner MGH. Ab 2012 hat sie zudem die VHS als Vorsitzende geleitet. Foto: Schoplocher
Seit der Eröffnung vor über zehn Jahren kümmert sich Susanne Nock als Projektmanagerin um das Waldmünchner MGH. Ab 2012 hat sie zudem die VHS als Vorsitzende geleitet. Foto: Schoplocher

Mit den Leuten reden

Beim Seminar war das Thema sehr breit angelegt, berichtet sie mit Blick auf die Module. Am meisten nahegegangen ist ihr der Bereich Community Organizing, was man am ehesten mit Nachbarschaftsarbeit übersetzen kann. Dabei geht es zunächst darum, genau zu analysieren, „wer was braucht und wen man besser gehen lässt“.

Und zwar von unten nach oben, „es ist unglaublich wichtig, mit den Leuten zu reden“, erklärt sie. Das sei auch die Keimzelle des Waldmünchner MGHs, das davon lebe, dass Menschen mit Ideen und Angeboten an die Macher herantreten, die dann zusammenführen.

Die Kursteilnehmer bekamen aber auch eine Menge Rüstzeug zur Frage mit an die Hand, was es beim Thema Gruppendynamik zu beachten gibt, wie Netzwerke verzahnt werden oder wie Evaluierungsergebnisse in ihre Arbeit einfließen können. Immer wieder wurden Herangehensweisen für die Zielgruppen Kinder, Eltern oder Senioren aufgezeigt und auch rechtliche Fragen („Es gibt da so viel an Haftungsgeschichten“) wurden behandelt. Nock ist voll des Lobes für die zwölf Dozenten, die sich alle persönlich eingesetzt hätten. „Alles war bestens aufbereitet und wir haben nie gedacht: Das wissen wir doch schon.“

Als eine der wenigen blieb es bei Susanne Nocks Projektarbeit nicht bei der Theorie: Sie hatte den „Stadt(s)pass“, einen gemeinsamen Spaziergang von Jugendlichen und Senioren, schon länger im Kopf. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass mit den Alten Wissen verloren geht. Über Bachverläufe, Wirtshäuser, Straßennamen, aber auch, „wo früher Seifenkistenrennen gefahren wurden“.

Auch, wenn die Projektarbeit geschrieben und die Lorbeeren (Noten gab es keine) eingefahren sind, soll der Stadtspaß nicht aufhören. Die 44-Jährige hat schon Ideen für neue themenbezogene Spaziergänge. Wie auch andere. „Das MGH ist wirklich eine Bombenaufgabe“, formuliert sie etwas flapsig. Drei neue Projekte, neue Mitarbeiter... „Das ist ein richtig großer Laden geworden.“ Einer, der jetzt eine zertifizierte Generationenmanagerin hat.

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