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Die Moderatorin für den inneren Frieden

Die Sozialpädagogin Edith Kottirsch aus Wetterfeld fängt ganz unten an, um Mensch und Seele mit sich in Einklang zu bringen,
von Christoph Klöckner

Sozialpädagogin und Friedensmoderatorin: Edith Kottirsch hilft Menschen, aus den Tälern des Lebens wieder herauszukommen und sich selbst zu helfen.
Sozialpädagogin und Friedensmoderatorin: Edith Kottirsch hilft Menschen, aus den Tälern des Lebens wieder herauszukommen und sich selbst zu helfen.

Roding.Wäre ihre Berufung ein Ausbildungsberuf, könnten sich hier vor dem orangefarbenen Haus am Traubenbergweg viele der „Großen“ der Welt, von Trump bis Putin, anstellen, um endlich den Weg zum Frieden zu erlernen.

Das wären die richtigen Nachhilfeschüler bei „Friedensmoderatorin“ Edith Kottirsch in Wetterfeld. Mit der Bezeichnung für ihr Tun beschreibt sie ihre Form des Krisen- und Konfliktmanagements, die sie Menschen vermittelt, um besser leben zu können - mit sich selbst und mit anderen. Einleuchtend erscheint ihre Erklärung für den intensiven Blick nach innen, warum vieles und scheinbar immer mehr heute im Unfrieden abläuft: Nur, wer im Inneren mit sich selbst im Reinen ist, wirkt mit diesem Gefühl auch nach außen.

Streit oft vorprogrammiert

„Was muss Trump an Unzufriedenheit in sich tragen, nach dem wie er agiert?“, fragt sie sich. Da gäbe es innerlich viel zu richten, wie bei vielen. Denn, wer mies drauf ist, verbreitet das nach außen und trifft automatisch auf andere, die genauso fühlen und innerlich unzufrieden sind - da ist Streit vorprogrammiert. Die Gesellschaft sei heute gespalten. Der Druck nehme zu, familiäre Bindungen brächen weg, Arbeit wachse vielen über den Kopf und die Medien suggerierten vielen, nicht allein zu sein, was jedoch eine Illusion sei.

Wobei mit der Unzufriedenheit nicht Aggression an sich gemeint sei, klärt Edith Kottirsch auf. Denn Aggression sei etwas, das bewege, Dinge voranbringe und nicht von Haus aus schlecht sei. Doch allzu oft werde Aggression mit Gewalt gleichgesetzt. „Der Unfrieden im Kleinen kumuliert sich nach oben“, sagt sie und beginnt deshalb an der Basis des einzelnen Menschen.

Aus Liebe nach Wetterfeld

Edith Kottirsch ist vom Beruf her Sozialpädagogin und arbeitet derzeit im Jugendzentrum in Cham, wechselt aber bald als Sozialarbeiterin an eine Grundschule. Vom Gefühl geleitet, hat die gebürtige Erdingerin schon viele Ziele in Deutschland angesteuert. Der Liebe wegen ist sie nun in Wetterfeld angekommen, lebte zuletzt in Freising.

Die Friedensmoderatorin

  • Praxis:

    Die Diplom-Sozialpädagogin Edith Kottirsch hat fast alles selbst erlebt, was sie mit Klienten als Friedensmoderatorin in ihrer Praxis in Roding-Wetterfeld bearbeitet. Sie sei keine Heilerin oder so etwas - und auch keine Mediatorin oder Streitschlichterin, womit sie schon einmal verwechselt werde.

  • Leben:

    Geboren wurde sie 1958 im Sternzeichen des Löwens, ist verheiratet

  • und Mutter zweier Kindern, sowie Großmutter einer Enkeltochter. Derzeit arbeitet sie hauptberuflich im Jugendzentrum Cham, nebenberuflich als Friedensmoderatorin oder auch Trainerin für Selbstbehauptung und Selbstverteidigung.

  • Ausbildung:

    Sie hat neben ihrem Diplom als Sozialpädagogin die Ausbildung als Transformationstherapeutin, als Trainerin für gewaltfreie Kommunikation und ist zudem Fachberaterin gegen sexuelle Gewalt und ausgebildete Trainerin für Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für Mädchen und Frauen.

„Das Motorrad war dabei das Medium“, sagt sie. Sie habe sich damals vorgenommen, Dinge zu tun, die ihr bisher Angst bereiteten, wie Heißluftballon oder auch Motorrad fahren. Mit ihrem damaligen Freund sei sie mitgefahren, bis zu einem Kreisel habe sie gedacht, sie sei tot. „Danach, beim Zurückfahren, kam das unbeschreibliche Glücksgefühl!“ Das habe sie nicht mehr missen wollen, als die Beziehung zu Bruch ging, suchte in Internetforen nach Mitfahrgelegenheiten und fand so ihren Platz auf der Triumph-Sitzbank ihres Wetterfelders.

Coaching und Selbstverteidigung

Seit April 2019 wohnt sie hier und hat nebenberuflich eine Praxis für Dinge wie Friedensmoderation, systemische Aufstellungen, Transformations-therapeutisches Coaching oder auch Selbstverteidigungskurse für Kinder eröffnet.

Ihr Ansatz für ihre Arbeit ist, dass das Allermeiste im Menschen aus der Kindheit vorgeprägt ist. Und, dass Körper und Geist nichts davon vergessen, was sie einmal erlebt haben. So seien viele körperliche Probleme Erinnerungen aus der Vergangenheit - an etwas, das schief gelaufen sei in der Prägung und nun hochkomme. „Das Gute ist, dass man das umprogrammieren kann“, so Edith Kottirsch.

Zustand höchster Entspannung

Über einen Zustand höchster Entspannung sei es möglich, frühere Erlebnisse ohne Emotionen wieder zu erleben, beschreibt sie. Dabei gehe vielen ein Licht auf, woher manches herrühre. Und das versuche sie, mit dem Klienten zu ändern: „Wir gehen hin und ändern das!“ Etwa das Erlebnis einer Frau, als Kind zur Strafe immer im Keller eingesperrt gewesen zu sein, was bei ihr zu Angst vor Dunkelheit und zu Klaustrophobie geführt habe.

Nebenberuflich hat sie eine Praxis in Wetterfeld aufgemacht, wo sie seit April 2019 der Liebe wegen lebt.
Nebenberuflich hat sie eine Praxis in Wetterfeld aufgemacht, wo sie seit April 2019 der Liebe wegen lebt.

Viele kämen zu ihr mit dem Satz: „Ich weiß nicht mehr, wer ich bin!“ Auch das verweise auf die frühe Prägung. „90 Prozent unseres Tuns sind unbewusst, nur zehn Prozent bewusst“, sagt sie. Man müsse schauen, wo die Wurzel von Problemen lägen. Das gehe nur, wenn jeder Eigenverantwortung übernehme und nicht die Schuld bei anderen suche: „Jeder ist Autor seines Lebens!“

Gute Bürger für den Staat

Wenn Helikoptereltern heute für ihre Kinder alles erledigen würden, sei das das Schlimmste für das Leben der Kinder. Solche Kinder seien später für den Staat optimale Mitbürger, da sie leicht lenkbar seien, doch ihr Glück würden diese Menschen nicht finden.

Die Heranwachsenden müssten ihre eigenen positiven wie negativen Erfahrungen machen und sei es nur, dass sie in die Pfütze springen, statt sie auf Mutters Hinweis zu umgehen. „Das Leben ist ein Abenteuer!“, sagt sie, und auch eine Berg- und Talfahrt - nicht immer sei alles Sonnenschein.

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