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Unterstützung

Die nächste heiß ersehnte Helferin

Landrat Franz Löffler begrüßte die Sozialpädagogin Lisa Pongratz an den Mittelschulen in Lam und Neukirchen b. Hl. Blut.
Von Roman Hiendlmaier

Die Türen stehen offen: In den Mittelschulen Lam und Neukirchen b.Hl. Blut hat sich Sozialpädagogin Lisa Pongratz eingerichtet. Foto: rh
Die Türen stehen offen: In den Mittelschulen Lam und Neukirchen b.Hl. Blut hat sich Sozialpädagogin Lisa Pongratz eingerichtet. Foto: rh

Neukirchen b. Hl. Blut.Wenn es eines Beweises für den Stellenwert von Lisa Pongratz an den Schulen Lam und Neukirchen b.Hl. Blut bedurft hätte – ein Blick auf das Begrüßungskomitee am Mittwoch hätte genügt: Landrat Franz Löffler, sein Stellvertreter Markus Müller, plus je zwei Amtsleiter und Schulleiter hießen die neue Jugendsozialarbeiterin an den beiden Mittelschulen willkommen.

Dabei hat die 25-Jährige bereits im September begonnen, ihre Beratungs-zimmer in den Schulen von Rektor Josef Baumann (Lam) und Rektor Christian Hofmaier einzurichten. Keinen Tag zu spät, wie der Neukirchener Schulleiter befand, der sich „wahnsinnig freute“, dass nun eine solche Fachkraft seinem Lehrerkollegium zur Seite steht. Nicht minder erleichtert gab sich sein Lamer Kollege Baumann, dass „der dreijährige Kampf um so eine Expertin“ mit der gebürtigen Eschlkamerin erfolgreich zu Ende ging.

Große Bandbreite

Diese hat sich nach ihren Worten in den ersten Wochen zwischen Neukirchen und dem elf Kilometer entfernten Lam bereits eingelebt und Kontakte zu den Schülern geknüpft. Zu den Aufgaben von Lisa Pongratz gehört es nach den Worten von Jugendamtsleiter Markus Biebl, bei Konflikten mit Eltern, Lehrern und Schülern, aber auch bei Gewalt, Mobbing, Sucht oder Erziehungsfragen zu helfen.

Die Landräte Löffler (M.) und Müller (r.), die Amtschefs Biebl (2.v.r.) und Utz (3.v.r.) sowie die Schulleiter Hofmaier und Baumann (v.l.) hießen Lisa Pongratz bei ihrer neuen Aufgabe willkommen. Foto: rh
Die Landräte Löffler (M.) und Müller (r.), die Amtschefs Biebl (2.v.r.) und Utz (3.v.r.) sowie die Schulleiter Hofmaier und Baumann (v.l.) hießen Lisa Pongratz bei ihrer neuen Aufgabe willkommen. Foto: rh

Wichtig dabei wird auch ihr guter Draht auch zu anderen sozialen Diensten wie Jugendamt, Gesundheitsamt oder der Erziehungsberatungsstelle sein. Ziel der Jugendsozialarbeit ist es, Familien, Kindern und Jugendlichen zu helfen, bevor sich Schwierigkeiten in der Entwicklung und Erziehung der Kinder verfestigen und damit aufwändigere Formen von Jugendhilfe notwendig werden.

Die ausgebildete Erzieherin und Sozialpädagogin steht mit ihrem Zwei--Tage-drei-Tage-Wechsel zwischen Neukirchen und Lam damit in einer Reihe von Fachleuten, die sich um Probleme kümmert, die die Jugend heute beeinflusst: Fehlende Bindungen, Regeln und Disziplin, Alleinerzieher und Doppelverdiener, Mobbing oder Suchtgefahren von Alkohol bis moderne Medien lauten einige Stichworte, um die sich Lisa Pongratz und ihre Kolleginnen kümmern. Was jedoch nicht bedeutet, dass in Sachen Kindererziehung alles immer schlechter wird: Nicht wenige Probleme kommen nur ans Licht, weil Sozialarbeiter genauer hinschauen.

Nachteile ausgleichen helfen

  • Anspruch:

    Auf sozialpädagogische Hilfe haben laut Sozialgesetzbuch sozial benachteiligte Jugendliche einen Anspruch.

  • Voraussetzung:

    Jungen Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen auf Unterstützung angewiesen sind, werden im Zuge der kommunalen Jugendhilfe sozialpädagogische Hilfen angeboten.

  • Gerechtigkeit:

    Bildungsgerechtigkeit ist das Stichwort dafür, dass die soziale Herkunft nicht über die Zukunft junger Menschen entscheiden darf.

  • Schulen:

    Angeboten wird Jugendsozialarbeit an 14 Schulen: Mittelschulen Bad Kötzting, Cham, Furth, Roding, Waldmünchen Lam und Neukirchen b. Hl. Blut, Berufsschule Cham, Förderschulen Bad Kötzting und Cham, Grundschulen Roding, Cham, Furth im Wald und Waldmünchen.

Eine untergeordnete Rolle – das betonten alle Gesprächsteilnehmer – spiele in dem Zusammenhang das Thema Migranten. Diese Schülergruppe habe zwar auch ihre individuellen Probleme und Nachteile – an der insgesamt steigenden Betreuungs-Tendenz von Kindern und Jugendlichen ändern sie aber nichts. Aktuell ist der Prozentsatz an Schülern mit Migrationshintergrund noch ein Parameter für den Einsatz von Jugendsozialarbeit an Schulen. Künftig soll die Schülerzahl das entscheidende Kriterium sein.

Vor 20 Jahren hat der Landkreis Cham erkannt, dass die Probleme der Kinder und Jugendlichen sozialpädagogisch ausgebildete Spezialisten erfordern, wenn Schulen ihren Bildungs- und auch Erziehungsauftrag erfolgreich umsetzen wollen. Debatten um die grundsätzliche Notwendigkeit und auch um die Finanzierung solcher Fachkräfte sorgten dafür, dass in den zwei Jahrzehnten nach dem Start der ersten Sozialpädagogin an der Johann-Brunner-Volksschule in Cham erst an 14 Schulen im Landkreis eine Sozialarbeiterin tätig ist. An rund einem Dutzend weiterer Schulen im Landkreis soll das Angebot sukzessive eingeführt werden. „Der Landkreis Cham nimmt in der Region eine führende Rolle ein“, sagte der Leiter des staatlichen Schulamts, Karl Utz. Die Stelle der gebürtigen Eschlkamerin und nun Wahl-Neukirchnerin Lisa Pongratz finanzieren Freistaat, Landkreis und Kommune.

Bedarf akzeptieren lernen

Der Landrat stellt sich nach seinen Worten zwar nach wie vor die grundsätzliche Frage, warum es in einer ländlichen Region wie dem Landkreis Cham überhaupt derartiger „Filialen des Jugendamts“ in Schulen bedürfe – noch dazu in Grundschulen. Er habe sich aber in vielen Gesprächen mit Lehrern, Eltern und auch Schülern davon überzeugen lassen, so Löffler weiter, dass ein solches Bindeglied zwischen Schulen und Familien auch in der Peripherie erforderlich sei. Mittlerweile stehe Bedarf an Sozial-Spezialisten auch in der Grundschule nicht mehr zur Debatte, so Löffler. Schon auf die jüngsten Schüler zuzugehen und sie mit ihren Problemen nicht allein zu lassen, erspare später oft aufwendige „Reparaturarbeiten“.

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