MyMz
Anzeige

Gastronomie

Die Personalnot spitzt sich zu

Immer mehr Gastronomien in der Stadt legen Ruhetage ein – weil es an Personal fehlt. Nach 21 Jahren nun auch das Goggolori.
Von Stefan Weber

21 Jahre fast ohne Ruhetag hat das Goggolori geschafft, doch nun fehlt es an Personal: Montag ist generell geschlossen, an den weiteren Tagen dann zwischen 14 und 17.30 Uhr. Foto: S. Weber
21 Jahre fast ohne Ruhetag hat das Goggolori geschafft, doch nun fehlt es an Personal: Montag ist generell geschlossen, an den weiteren Tagen dann zwischen 14 und 17.30 Uhr. Foto: S. Weber

Bad Kötzting.Franz Bauer ist ja eigentlich Bauunternehmer im Ruhestand – 20 Jahre war er auch Wirt. Weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist das Goggolori, das mittlerweile von Sohn Wolfgang Bauer geführt wird. An diesem Montagmorgen gibt das beliebte Lokal allerdings ein ganz ungewohntes Bild ab: Gerade einmal ein Handwerker ist da, allerdings hinter der Theke, für Reparaturen. Kein Gast, nur Franz Bauer, ein wenig Licht. Es ist Ruhetag. Ungewöhnlich für das Lokal, denn den gab es bis vor einem Monat nicht. Die Entscheidung, das Lokal einen ganzen Tag die Woche zu schließen, sei nicht leichtgefallen, erzählt Bauer. „21 Jahre lang haben wir unser Motto durchgezogen: ,Goggolori hat immer offen‘“, sagt er. Doch nun gehe es nicht mehr – zu wenig Personal.

Ein Problem, mit dem das Goggolori nicht alleine dasteht. Um der allgemeinen Tendenz entgegenzuwirken, hatte etwa der renommierte Bayerwaldhof in Liebenstein im vergangenen Jahr ein aufwändiges Werbevideo produzieren lassen, in dem um neue Mitarbeiter geworben wurde, auch wenn es hier noch nicht an Personal fehle, wie Hoteldirektor Alfons Weiß erklärt. Vom Koch über Servicekräfte bis hin zum Reinigungspersonal – überall spitzt sich die Lage der Gastronomen zu.

Erst vor wenigen Jahren ist das Lokal umgezogen:

Gastronomie

Der Kobold zieht von 1 nach 2

Als das Goggolori vor 16 Jahren in Bad Kötzting öffnete, war es gar nicht wirklich geplant. Heute ist es eine Institution.

Es dauert nicht lange, und der erste Gast klopft an den dunklen Scheiben des Goggolori. Bauer steht auf: „Ruhetag“. Weil es nur um einen Gutschein geht, kann der Chef schnell selber helfen. In den vergangenen Wochen seien kurz hintereinander zwei Stammbedienungen ausgefallen, sagt Bauer – aus familiären und aus Verletzungsgründen. Natürlich sei versucht worden, Ersatz zu finden: Anzeigen in der Zeitung, im Internet ... Die „Resonanz war null“, sagt er.

Viele haben diesen Schritt unternommen

Mehr Ruhetage, den Schritt sind auch schon viele andere Lokale in der Stadt gegangen – vom Speiselokal über den Biergarten und zum Café. Bleibt die Frage, woran es liegt, dass kein Personal mehr zu finden ist. Für Xaver Dietrich, Außenstellenleiter der staatlichen Hotelberufsschule in Viechtach, liegt es vor allem an der Wertschätzung des Berufsbildes, wie er in einem früheren Gespräch mit unserem Medienhaus Anfang des Jahres gesagt hatte. Die Schülerzahlen waren damals im Vergleich zu vor zehn Jahren um 70Prozent gefallen. Weitere Gründe seien die wenig attraktiven Arbeitszeiten am Wochenende und die „schwarzen Schafe“ in der Gastronomie, die über viele Jahre zu schlecht bezahlt hätten. Gründe, die Franz Bauer zumindest für das Goggolori nicht gelten lassen will.

Gastronomie in der Region

  • Betriebe:

    Über 30 gastronomische Betriebe gibt es im Stadtgebiet – vom eigenständigen Lokal über das Café, Restaurants in Einrichtungen wie etwa dem AQACUR, Pensionen, Hotels, Bars und Discotheken – und alle brauchen natürlich nicht nur Gäste, sondern auch das Service-Personal und Köche, damit die Gäste auch bewirtet werden können, und das wird zunehmend zum Problem.

  • Entwicklung:

    Dass es immer schwieriger wird, Personal in der Gastronomie zu finden, ist keine ganz neue Entwicklung. Bereits seit zehn Jahren sieht sich die staatlichen Hotelberufsschule mit stark sinkenden Zahlen konfrontiert – ähnlich es auch bei anderen Berufen, wie etwa im Bäckerei- und Metzgerei-Handwerk der Fall ist. Hier haben Betriebe wegen Personalmangel schon geschlossen. (wf)

Wer glaube, Servicekräfte für den Mindestlohn zu bekommen, der habe schon seit Jahren keine Chance mehr. Viele Mitarbeiter seien auch schon seit etlichen Jahren mit dabei – es fänden sich aber einfach keine neuen mehr, die wegfallende Kräfte ausgleichen könnten. „Wenn ich in Regensburg bin, dann bedienen da zu 50Prozent Studenten“, sagt er. Doch die gebe es in Bad Kötzting nun einmal nicht, und mit dem achtstufigen Gymnasium fielen auch hier noch Arbeitskräfte weg – hier sei zwar der Wechsel hoch gewesen, aber immerhin hätten sie der Stammbelegschaft Verschnaufpausen verschafft. Zudem herrsche im Moment Vollbeschäftigung, auch im Nachbarland Tschechien, aus dem seit Beginn der 1990er-Jahre viele Arbeitskräfte in die Gastronomie gekommen seien.

Abkehr vom Erfolgskonzept

Während des Gesprächs kommt ein weiterer Gast, der an die Tür klopft. Wieder erklärt Bauer, dass Ruhetag sei. Die Gäste haben sich noch nicht daran gewöhnt. „Bis vor drei Jahren hatten wir tatsächlich 360 Tage im Jahr geöffnet“, sagt Bauer – fünf Tage seien für Renovierungs- und andere Arbeiten gebraucht worden. „Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn sich der Gast zehn verschiedene Öffnungszeiten notieren muss und schließlich vor verschlossenen Türen steht“, ist Franz Bauer überzeugt.

Personalmangel ist schon länger Thema:

Wirtschaft

Der Gastronomie fehlt das Personal

Sinkende Ausbildungszahlen machen auch Kötztinger Betrieben zu schaffen und zwingen einige, ihre Öffnungszeiten zu verändern.

Doch genau das passiert in diesen Tagen. Neben dem Ruhetag ist nun außerdem auch immer nachmittags zwischen 14 und 17.30 Uhr geschlossen. Auch hier geht es nicht darum, Geld zu sparen. Bis die eine Schicht abgerechnet habe, sei es locker 15 Uhr, die zweite komme dann kurz vor 17.30 Uhr. Was an Strom, Heizung und Personalkosten in der Zwischenzeit gespart werde, sei nicht wirklich erwähnenswert.

Noch ein dritter Gast klopft an die Tür und weist darauf hin, dass die neuen (und ungewohnten) Zeiten noch nicht im Internet zu finden seien. Das müsse noch erledigt werden, sagt Bauer. Wenn sich Personal finden sollte, würde der Betrieb wieder wie gewohnt aufgenommen, sagt er. Im Moment gehen die Planungen aber in eine ganz andere Richtung: „Vielleicht stellen wir zum Frühstück bald auf Buffet um“, überlegt Bauer. Das könne vielleicht eine Arbeitskraft einsparen, die ohnehin nicht vorhanden sei, und andere entlasten. Es sind keine leichten Zeiten für Gastronomen, in keinem der Betriebe der Stadt. Dennoch betont Franz Bauer: „Das sind jetzt nur vorübergehende Lösungen.“ Irgendwann werde sich die Lage wieder ändern. „Wir hatten das früher auch ab und zu, und es hat sich immer wieder entspannt“, sagt er. Wenngleich die Personalnot nie so groß gewesen sei wie heutzutage.

Weitere Meldungen aus der Region finden Sie hier.

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten aus der Region bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht