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Branche

Die Pflege auf dem Prüfstand

Rodinger Pflegedienste wissen: Es wird händeringend nach Personal gesucht. Dabei sei der Beruf attraktiver, als man denkt.
Von Thomas Mühlbauer

Der Personalmangel in der Altenpflege ist nicht von der Hand zu weisen. Foto: Patrick Pleul/dpa
Der Personalmangel in der Altenpflege ist nicht von der Hand zu weisen. Foto: Patrick Pleul/dpa

Roding.Dass „unsere Gesellschaft“ immer älter wird, ist hinlänglich bekannt, genauso ist es ein offenes Geheimnis, dass die Pflegedienste händeringend nach Personal suchen. Zwei, die sich dieser Thematik jeden Tag stellen müssen, sind Karl Gschwendner aus Roding und Christian Röger aus Falkenstein. Im Gespräch mit unserem Medienhaus geben die Chefs der Pflegedienste Einblick in ihre Branche.

Karl Gschwendner schaut im Reich seiner Tochter Carolin Drexler vorbei. Sie ist Küchenchefin im elterlichen Betrieb in Roding. Foto: rtn
Karl Gschwendner schaut im Reich seiner Tochter Carolin Drexler vorbei. Sie ist Küchenchefin im elterlichen Betrieb in Roding. Foto: rtn

Dass sich der Ist-Zustand so darstellt, da haben nach Ansicht von Karl Gschwendner auch die Medien eine gewisse Teilschuld. Oftmals würden alle Heime über einen Kamm geschert. Es werde damit der Eindruck vermittelt, dass man in den Pflegeberufen schlecht bezahlt wird. So sei das keinesfalls, sagt Gschwendner. „Das können wir im ländlichen Raum gar nicht machen, bei uns im Haus gibt es einen Tarifvertrag, der stetig überarbeitet wird.“ Christian Röger aus Falkenstein sieht es ähnlich, denn, wolle man die Patienten möglichst gut versorgen, braucht es eine gewisse Anzahl eines geschulten Personals, das auch angemessen entlohnt werden muss.

Männer in der Pflege gefragt

Genauso, sagen Gschwendner und Röger, sei es für die Unternehmen unerlässlich, ihre Mitarbeiter stetig auf Fort- und Weiterbildungen zu schicken. So nehme man viel Geld in die Hand. Auch halte man stetig Ausschau nach neuen Kräften. Röger bringt es allerdings auf den Punkt: „Die Leute fallen auch nicht vom Baum.“ Derzeit seien beim Pflegedienst Geschwendner rund 400 Mitarbeiter beschäftigt, somit zähle das Unternehmen zu einem der größten Arbeitgeber in dieser Branche im Landkreis. In Falkenstein werden laut Röger aktuell 85 Mitarbeiter beschäftigt. Immer wieder komme es vor, dass weibliche Mitarbeiter von einem Tag auf den anderen Tag wegfallen. Sofern eine Schwangerschaft bekanntwird, trete sofort das Berufsverbot in Kraft. So versuche man u. a. bei Gschwendner, immer mehr Männer für diese Branche zu begeistern. Mit gutem Erfolg: aktuell seien im Unternehmen 25 Männer beschäftigt. Gute Nachricht für den Pflegedienst von Karl Gschwendner, Roding, und der von Christian Röger, Falkenstein,: die Nachfolge aus den Reihen der eigenen Familie sei gesichert. „Dass ist ganz wichtig, denn wir sind seit jeher ein familiengeführtes Unternehmen und möchten das auch bleiben“, so Gschwendner. Die älteste Tochter Stefanie Reitinger hat derzeit die letzten Prüfungen zur Heimleiterin, trage aber schon zur großen Entlastung ihrer Eltern bei. Carolin Drexler, zweite Tochter Karl und Irene Gschwendners, hat „ihr Reich“ als gelernte Köchin im Keller. Sie ist Küchenchefin. Michael und Sophie Gschwendner studieren beide, sind aber mit im Unternehmen aktiv.

Auch in Falkenstein ist die Nachfolge gesichert: Christian Röger und Karin Röger (r.) mit Theresa Röger und Franziska Röger (2. v. r.). Foto: Röger
Auch in Falkenstein ist die Nachfolge gesichert: Christian Röger und Karin Röger (r.) mit Theresa Röger und Franziska Röger (2. v. r.). Foto: Röger

In Falkenstein ist die Situation erfreulicherweise ähnlich. Hier stehen Franziska und Theresa Röger, die sich beide zur Pflege- und Heimdienstleitung qualifiziert haben, ebenfalls „Gewehr bei Fuß“ und arbeiten bereits im elterlichen Betrieb mit. Röger: „Sie sind derzeit noch in der Pflege eingesetzt, denn uns ist wichtig, dass sie die Basis auch kennen lernen.“ Später sollen sie in die Fußstapfen ihrer Eltern treten. Ähnlich sieht es Karl Gschwendner, dem die Freude anzumerken ist, wenn er über die Nachfolge spricht: „Mich macht das total stolz, dass die Kinder im Betrieb mitarbeiten. Denn es vergeht kein Monat, in dem ich nicht Anfragen bekomme, wo sich externe Firmen oder Personen als Teilhaber gerne in die Firma einkaufen möchten.“

„Bürokratie nimmt überhand“

Bleibt noch die Frage zu klären, wo aus Sicht der Unternehmer die große Politik unterstützend mit unter die Arme greifen könnte. Röger: „Ich erwarte mir eigentlich, dass man nicht immer nur schlau redet, sondern auch mal Taten folgen lässt. Die Bürokratie nimmt überhand bei uns.“ Röger bringt ein Beispiel, eine Krankenschwester, die zum Patienten fährt, wolle helfen, aber nicht unzählige Seiten Dokumentation und Schreibarbeiten erledigen. Und Gschwendner sagt: Gerade im Bereich der Heimpreise versuchten die Krankenkassen, die Preise zu drücken, damit einhergehend sei auch, dass die Löhne nicht entsprechend steigen können und die nötigen Investitionen über Kredite finanziert werden müssen. Hinzu komme, dass man durch den Gesetzgeber nun auch über 50 Prozent an Einzelzimmern in den Heimen nachweisen muss.

In den Medien

  • Sendung:

    Was eigentlich sind die Auswirkungen der Fernsehsendung des Team Wallraff auf die Arbeit in den Pflegediensten? – Karl Gschwendner betont hier ganz klar, dass er sich die Sendung gerne ansieht, „doch gerade in unserem Bereich wäre so ein Handeln, wie es oft gezeigt wird, schwer vorstellbar“. Dennoch fragten gerade nach den Ausstrahlungen immer wieder Leute vermehrt nach den Zuständen im Heim nach.

  • Christian Röger

    sieht die Sendung als kontraproduktiv an, denn hier würden alle Pflegeheime und -kräfte über einen Kamm geschert. Dies verstärke das Misstrauen, dass es in der Bevölkerung gibt oft noch mehr. (rtn)

Beide haben eine klare Botschaft an die Bevölkerung: Das Ansehen der Pflegekräfte müsse wieder steigen. Zum Beruf gehörten nicht nur die Pflege und Betreuung älterer Personen, sondern auch die soziale Komponente, sprich, für die älteren Leute da zu sein.

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