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Vortrag

Die Pflege braucht neue Konzepte

Bettina Wurzel und Udja Holschuh sehen in Cham „einen guten Ansatz“: Senioren sollen lange ein selbstständiges Leben führen.
Von Andreas May

  • Bettina Wurzel veranschaulichte anhand von Zahlen und Fakten aus den Vorjahren die Entwicklung in Sachen Pflege. Foto: May
  • Udja Holschuh zeigte den interessierten Zuhörern unter anderem, worauf es bei der Finanzierung ankommt. Foto: May
  • Impulsgeber: Martin Stoiber entwickelte das Konzept für den Vortragsabend, links MdL Dr. Gerhard Hopp. Foto: May
  • Bei ihrem Vortrag bezog Holschuh die Gäste aktiv mit ein. Foto: May

Cham.In Zusammenarbeit zwischen MdL Dr. Gerhard Hopp (CSU) und der Hanns-Seidel-Stiftung fand am Mittwochabend ein gut besuchter Vortrag zum Thema „Zukunft der Pflege im ländlichen Raum“ statt. Hopp stellte fest, dass Pflege viele Menschen, auch in Cham und der Region, bewege. Der eigentlich zuständige Bund verlagere die Pflegepolitik immer mehr auf die Länder, so dass etwa neue Fördermöglichkeiten entstünden.

Den Impuls für die Veranstaltung im Hotel Randsbergerhof hatte Hopps Parteikollege Martin Stoiber gegeben. Dieser ging kurz auf das Chamer Pflegeheim St. Michael ein, das auch künftig durch eine Stiftung weiterbetrieben werden soll. Dass die Menschen älter werden und die Pflegebedürftigkeit steigt, zeige der demografische Wandel.

Angehörige stark belastet

Die erste Referentin des Abends war Pflegeexpertin Bettina Wurzel. Die Bayreutherin beschrieb zunächst die Herausforderungen der Pflege für die Kommune. Sie lobte das große Interesse für die Thematik in Cham: „Dies wird die Senioren weiterbringen“, meinte sie. Die Expertin beschrieb die immer längere Zeitspanne zwischen Rente und Tod. Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit der Pflegebedürftigkeit. Dabei laste viel Verantwortung auf den Angehörigen. „Diese erfahren oft wenig Unterstützung und haben die meiste Arbeit“, sagte die Referentin.

Wurzel ging weiter auf die verschiedenen möglichen Pflegemodelle ein, von der vollstationären Langzeitpflege bis hin zur ambulanten Kurzzeitpflege. Gerade auf dem Land seien einige Besonderheiten zu beachten. Schlechte ÖPNV-Anbindung als Beispiel für eingeschränkte Infrastruktur, zu wenig Barrierefreiheit oder fehlendes soziales Umfeld stellten häufige Schwierigkeiten abseits der Großstädte dar. Insbesondere die Infrastruktur müsse sich ändern, bemerkte die Abteilungsleiterin für Soziales aus dem Oberfränkischen.

Im Kreis Cham sei das Konzept der koordinierenden Stellen samt Regio- nalmanagement auf Grundlage der Bürgerbefragung von 2012 ein guter Ansatz: „Das Ineinandergreifen aller Angebote ist ideal und gleichzeitig unabdingbar“, so Wurzel weiter. Ferner sei Barrierefreiheit in der Mitte der Gesellschaft mittlerweile selbstverständlich. Ebenfalls aus Oberfranken und mit viel Berufserfahrung ausgestattet führte Dipl.-Psychologin Udja Holschuh den Vortrag fort. Sie konzentrierte sich auf Planung und Konzept für die Erstellung von Pflegeeinrichtungen und ging auch auf Finanzierungs- und Förderungsmöglichkeiten ein. Zunächst mahnte sie die Kommunen jedoch zu ihrer Verantwortung: „Kommunen unterliegen der Dauerfürsorgepflicht und haben etwa den Pflegebedarf festzustellen.“ Eine angepasste Ausrichtung am Bedarf vor Ort sei für das Gelingen unverzichtbar.

Holschuh bezog von Beginn an die Zuhörer in den Vortrag ein, so dass eigene Ideen gefordert waren. Der Landkreis Cham habe das Ziel definiert, dass Senioren möglichst lange ein selbstständiges Leben führen können und anschließend die bestmögliche Betreuung erhalten: „Sie haben hohe Ansprüche geboten“, betonte Holschuh.

Bei der Erstellung einer Wohneinheit wurde die Bambergerin konkret. Ob Lage, Umgebung oder etwaige Grünflächen: Zahlreiche Kriterien seien zu beachten.

Örtliche Planer einbinden

Als Tipp gab sie mit auf den Weg, mit erfahrenen Architekten zusammenzuarbeiten. Bei der Finanzierung unterliege man beispielsweise dem Pflichtversicherungsgesetz oder im Freistaat dem Bayerischen Pflege- und Wohnqualitätsgesetz.

Holschuh zeigte, dass Planung und Finanzierung eines Pflegekonzepts alles andere als einfach sind. Sie empfahl die frühzeitige Einbindung von örtlichen Sozialplanern, der Pflegekassen oder des Bezirks.

Noch während der Vorträge zeigte sich, dass Pflege bewegt und polarisiert. So waren Redebeiträge aus den Zuhörerreihen keine Seltenheit. Ausdrücklich erwünscht waren die Beiträge bei der anschließenden Diskussion.

Der Austausch gab den Besuchern des Abends ergänzend zu den Vorträgen viele neue Anregungen, die einen Teil dazu beitragen können, den komplexen Anforderungen im Pflegebereich der Zukunft gerecht werden zu können.

Zahlen und Fakten

  • Vor Ort: Im Flächenlandkreis Cham gibt es z. B. neben stationären Pflegeheimen wie St. Michael in Cham Betreutes Wohnen mit 54 Plätzen in Bad Kötzting. Der steigende Bedarf erzeugt Stimmen nach flächendeckenden zusätzlichen Angeboten, gerade hinsichtlich nichtstationärer Pflegekonzepte. (cia)

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