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Region Cham
Dienstag, 25. September 2018 13° 1

Unwetter

Die Preisfragen nach dem Hagelsturm

Was ist versichert? Was müssen Geschädigte jetzt tun? Und: Wann rücken Feuerwehr und Rettungsdienst nicht mehr aus?
Von Johannes Schiedermeier

Es gibt Situationen, in denen es keinen Sinn macht, dass Rettungskräfte ausrücken, wenn sie dadurch selbst zu Opfern werden könnten. In Furth wurden die Fahrzeuge der Feuerwehrleute beschädigt wie auch die Fassade des neuen FFW-Zentrums.Foto: ctm
Es gibt Situationen, in denen es keinen Sinn macht, dass Rettungskräfte ausrücken, wenn sie dadurch selbst zu Opfern werden könnten. In Furth wurden die Fahrzeuge der Feuerwehrleute beschädigt wie auch die Fassade des neuen FFW-Zentrums.Foto: ctm

Landkreis.Am 7. Juli 2014 hat ein Hagelsturm ganze Gemeindeteile zwischen Kothmaißling und Weiding verwüstet. Nun hat es Furth im Wald und Waldmünchen schwer erwischt. Zertrümmerte Dächer und Fenster, zerstörte Hausfassaden. Autos mit Totalschaden, mit kaputten Scheiben, Löchern und Dellen im Blech. Eine Kombination aus Hagelkörnern bis zur Größe eines Hühner-Eis und Orkanböen mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Kilometern pro Stunde hinterließ eine Schneise der Zerstörung.

Wer zahlt das? – Das ist eine der Preisfragen nach dem Hagelsturm. Wir haben den Chamer Versicherungsmakler Karl Wutz gefragt. Ihm erging es am Dienstag wie vielen seiner Kollegen aus der Versicherungsbranche: Im ganzen Landkreis liefen die Telefone heiß, vor den Türen der örtlichen Versicherungsvertreter bildeten sich Schlangen. Jeder wollte wissen: Bin ich jetzt versichert, oder nicht?

Auch bei Karl Wutz gab es einige tragische Fälle. Leute, die nach vier Mails noch überlegen wollten, ob sie eine Versicherung abschließen sollten, oder doch nicht? Zu einem Abschluss kam es aber nie.

Die Mindestabsicherung

Bei beschädigten Autos bezahlen Voll- und Teilkasko, nicht die Haftpflicht. Foto: ctm
Bei beschädigten Autos bezahlen Voll- und Teilkasko, nicht die Haftpflicht. Foto: ctm

Zunächst zum einfacheren Thema: Das Auto steht mit Totalschaden vor der Türe. Wer zahlt? Die normale Haftpflicht nicht. Die Teilkasko übernimmt solche Schäden. Wutz baut eine Eselsbrücke: „Die Teilkasko ist die Ich-kann-nix-dafür-Versicherung. Die zahlt für Hagel, Sturm und das Reh ...“ Natürlich zahlt auch die Vollkasko. „Das ist die „Ich-bin-selber-schuld-Versicherung. Die zahlt auch, wenn man einen Schaden ganz alleine gekonnt hat.“ Also: Wohl dem, der eine Kaskoversicherung hat.

Lesen Sie hier: Hagelsturm verwüstet Furth im Wald

Wie ist das aber, wenn das Haus verwüstet wird? Hier muss man schon genauer hinschauen. Wutz rät jedem Häuslebauer zu einer Mindestabsicherung: Feuer, Leitungswasser, Hagel, Sturm. Wer das hat, ist schon auf einer ziemlich sicheren Seite. Zusätzlich möglich in der Wohngebäudeversicherung: Elementarschäden (Überschwemmung, Schneedruck, Erdbeben, Vulkanausbrüche, Lawinen, Erdsenkungen). Und dann gibt es noch die sogenannte „All-Risks-Versicherung“. Das ist ein Rundum-sorglos-Paket – zum entsprechenden Preis – das alle Risiken versichert, bis auf das, was im Vertrag ausdrücklich ausgeschlossen wird. Extra möglich ist auch eine Elementarschadens-Versicherung. Darin enthalten sind Erdbeben, Vulkanausbrüche, Lawinen, Überschwemmungen und Rückstau, Schneedruck, Erdrutsch und Erdsenkung.

Wer eine entsprechende Versicherung hat, wird mit ziemlicher Sicherheit Geld bekommen. Aber einfach ist auch das nicht. Deswegen haben wir in unserer Info die Verhaltensregeln im Schadensfall hinzugefügt. Wer sich daran nicht hält, kann trotz Versicherung zumindest auf Teilen seines Schadens sitzenbleiben.

Wann bleiben die Retter daheim?

Regeln bei Versicherungsschäden

  • Der Schadensfall:

    Im Schadensfall rät Versicherungsmakler Karl Wutz dringend, die folgenden Verhaltensregeln stets zu beachten. Diese Punkte unterstützen eine zügige und reibungslose Schadenregulierung. Eine Nichtbeachtung kann den Verlust des Versicherungsschutzes nach sich ziehen.

  • Bei Gebäudeschäden:

    Decken Sie zerstörte Fenster zur Schadenminderung ab und entfernen Sie Inventar aus den betroffenen Räumen.

  • Bei Kfz-Schäden:

    Decken Sie zerstörte Fenster zur Schadenminderung ab oder bringen Sie das Kfz in eine Garage, sofern es fahrbereit ist.

  • Die Folgen:

    Treffen Sie geeignete Maßnahmen um die Schadenhöhe zu mindern und Folgeschäden auszuschließen.

  • Die Fragen:

    Füllen Sie die Fragebögen des Versicherers gewissenhaft und vollständig aus. Sofern Sie Fragen nicht beantworten können, vermerken Sie dies bitte.

  • Die Dokumentation:

    Fotografieren Sie die beschädigten Sachen. Bewahren Sie die beschädigten Sachen auf, bis der Versicherer den Schaden abschließend reguliert hat.

  • Die Reparaturen:

    Vergeben Sie keine Reparaturaufträge oder ähnliches ohne vorher die Freigabe durch den Versicherer erhalten zu haben. Dies gilt nicht für notwendige Maßnahmen zur Schadenminderung.

  • Die Schadenshöhe:

    Erstellen Sie ein Verzeichnis, in dem alle zerstörten Sachen aufgeführt sind. Legen Sie für die einzelnen Gegenstände Kopien der entsprechenden Kaufquittungen bei bzw. holen Sie Kostenvoranschläge ein oder schätzen Sie die ungefähre Schadenhöhe zunächst selbst. (si)

Spätestens beim Unwetter am Montag, stellte sich auch die Frage: Kann es sein, dass keine Hilfe kommt? Dass Rettungsdienst und Feuerwehr nicht ausrücken. „Das kann schon einmal passieren. Zumindest zeitweise. Das ist ein schwieriger Abwägungsprozess und kommt auf die Umstände an“, sagt Kreisbrandrat Mike Stahl. „In Furth im Wald wurden mehrere Fahrzeuge von einrückenden Feuerwehrlern total zerstört. Auch das des Kommandanten Christian Scheuer“, berichtet der Kreisbrandrat. Manche Einsatzkräfte hätten erst gar nicht kommen können, weil bei ihnen daheim selbst die Hölle los gewesen sei, oder ihre Fahrzeuge bereits beschädigt waren. „Am Ende stellt sich immer die Frage, ob die Einsatzkräfte selbst gefährdet sind. Jeder muss dafür sorgen, dass er sich nicht unnötig selbst gefährdet. Außerdem stellt sich bei einem derartigen Unwetter die Sinnfrage, was man überhaupt ausrichten kann, solange es Hühnereier hagelt.“

Lesen Sie hier: Ein ganzes Dorf räumt auf

Rettungsdienstleiter Mich Daiminger sagt ganz klar: „Ein paar Dellen im Auto halten uns nicht auf, wenn jemand Hilfe braucht.“ Allerdings gilt auch beim Rettungsdienst die Abwägungsfrage: „Wenn der Hagel durch die Scheiben schlägt, macht es keinen Sinn, wenn die Retter selber zum Opfer werden. Dann kann man erst raus, wenn es besser wird.“ Hagelschaden gab es beim BRK nur an einem Bus vor dem Further Seniorenheim.

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