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Die Richter von Waldmünchen

Vor über zehn Jahren stellte das Amtsgericht seinen Betrieb ein. Heute wird es als Erholungs- und Tagesstätte der „Integra“genutzt.

Das Gebäude im Krambergerweg 1 war seit 1862 Gerichtsgebäude für Waldmünchen. Heute ist es Erholungs,-Fortbildungs-und Tagungsstätte der „Integra- Soziale- Dienste- GmbH“.  Foto: Jürgen Brandt
Das Gebäude im Krambergerweg 1 war seit 1862 Gerichtsgebäude für Waldmünchen. Heute ist es Erholungs,-Fortbildungs-und Tagungsstätte der „Integra- Soziale- Dienste- GmbH“. Foto: Jürgen Brandt

Waldmünchen.Die Gerichtsbarkeit in Waldmünchen hatte eine 750-jährige Tradition und endete vor über zehn Jahren am 30. November 2009.

Erstmals wurde Richter Chuno urkundlich erwähnt. Waldmünchen als Stadt mit eigenem Gericht war zu der Zeit im Besitz der niederbayerischen Herzöge. Das Richteramt übte der jeweilige Pfleger aus. Das Gericht befand sich deshalb im ehemaligen Pflegamt des Schlosses. Im Jahre 1803 wurde in Waldmünchen anstelle des Pflegamtes ein Landgericht errichtet, dem auch die niedere Gerichtsbarkeit der Stadt übertragen wurde. Das Landgericht war bis 1862 im ehemaligen Kordonhaus im Schloss untergebracht.

Das spätere Amtsgerichtsgebäude in der Ecke Krautgasse und Krambergerweg erwarb der Bayerische Staat am 10 März 1862 zum Preis von damals 10 000 Gulden. Das Gebäude war im Jahre 1844 als Brauhaus der Brauereifamilie Beer erbaut worden, wurde aber nie als Brauerei genutzt. Im Obergeschoss des Amtsgerichtsgebäudes befand sich bis 1958 die Wohnung des dienstaufsichtsführenden Richters sowie bis 1986 eine Mietwohnung der langjährigen Reinemachefrau und ihrer Familie.

Da das Gebäude 1945 vorübergehend von der amerikanischen Besatzungsmacht beschlagnahmt worden war, zog das Gericht in dieser Zeit bis Ende Mai 1946 ins alten Pflegerschloss, das damals auch Sitz des Landratsamtes Waldmünchen war. Von 1958 bis 1972 hatte auch das örtliche Notariat seine Diensträume im Gerichtsgebäude, dazu gehörte bis Ende 1960 auch der Gerichtsvollzieher.

Zweigstelle nach Justizreform

Mit der bayerischen Justizreform und dem Gerichtsorganisationsgesetz vom 25. April 1973 verlor das Amtsgericht Waldmünchen seine Selbstständigkeit und wurde eine von vier Zweigstellen des Amtsgerichts Cham. Im Zuge der weiteren Zentralisierungen wurde zunächst das gerichtliche Mahnverfahren ans Amtsgericht Coburg als zentrales Mahngericht verlegt. Ab Oktober 2000 waren Mahnbescheide nur noch beim Mahngericht in Coburg zu beantragen. Im November 2001 erfolgte der Umzug des Grundbuchamtes Waldmünchen an das Hauptgericht in Cham, und im Juni 2003 schließlich die Verlagerung der Strafabteilung nach Cham. Die bisherigen Aufgaben der Rechtsabteilungen durften allerdings weiterhin noch in Waldmünchen bearbeitet werden.

Nach dem Beschluss der Mehrheitsfraktion im Bayerischen Landtag vom 17. November 2004, die amtsgerichtlichen Zweigstellen flexibel innerhalb von fünf Jahren in die jeweiligen Hauptstellen einzugliedern, erfolgte am 28 Juni 2006 die Ausschreibung zum Verkauf des denkmalgeschützten Gebäudes der Zweigstelle Waldmünchen. Am Montag, dem 30. November 2009, verschloss Amtsrichter Gerhard Christl nach dem letzten Zivilprozess die Tür zum Amtsgerichtssaal für immer. Damit ging die langjährige Epoche der Justiz in Waldmünchen zu Ende. Heute zeugen nur noch das damalige Wappen des Amtsgerichts an der Hauswand und ein Schild an der Eingangstür von der ehemaligen Funktion des Gerichtsgebäudes.

Letzter Prozess im Jahr 2009

Am 1. Dezember 2009 ging das Haus offiziell an seinen neuen Eigentümer, die gemeinnützige Einrichtung „Integra Soziale Dienste“ mit Sitz in Gaimersheim bei Ingolstadt, über.

Die „Integra“ ist eine Einrichtung unter privater Trägerschaft, die Menschen mit Suchterkrankungen wie Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch betreut. Sie nutzt das Gebäude seither als Erholungs-, Fortbildungs-, -und Tagungsstätte. In Zeiten der Nichtbelegung ist eine Nutzung der Ferienwohnungen oder Zimmer durch andere Einrichtungen oder Urlauber möglich.

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