mz_logo

Region Cham
Freitag, 21. September 2018 26° 2

Finanzen

Die Stadt Bad Kötzting und ihre Spenden

Mal sind es 22.000, mal 70.000 Euro. Doch wer spendet an die Stadt – und wofür? Hier lesen Sie die Antworten darauf.
Von Stefan Weber

Jedes Jahr erhält die Stadt Spenden für alle möglichen wohltätigen Zwecke – sehr oft gibt es das Geld aber gar nicht in bar und wird direkt mit dem Haushalt verrechnet. Fotos: S. Weber
Jedes Jahr erhält die Stadt Spenden für alle möglichen wohltätigen Zwecke – sehr oft gibt es das Geld aber gar nicht in bar und wird direkt mit dem Haushalt verrechnet. Fotos: S. Weber

Bad Kötzting.Eine kleine Spende gibt wohl fast jeder irgendwann einmal im Jahr. Mal sind es Vereine, dann eine Hilfsorganisation, oder vielleicht Einrichtungen wie Schulen. Hilft dem, der das Geld bekommt, und macht sich beim Geber gut in der Steuererklärung. Auch der Stadt kommen jedes Jahr größere und kleinere Geldsummen zu, die sie für wohltätige Zwecke verwenden muss. Vergangenes Jahr waren es genau 22095,51 Euro.

Die Summe muss der Bürgermeister jedes Jahr dem Stadtrat bekanntgeben, damit die Spenden überhaupt angenommen werden dürfen. „Das war früher nicht so streng“, erklärt Bürgermeister Markus Hofmann. Doch nicht zuletzt aufsehenerregende Spenden-Affären wie die um Regensburgs Bürgermeister Joachim Wohlbergs hätten dazu geführt, dass heutzutage mehr Transparenz als früher verlangt werde.

Wie wird das Geld übergeben?

„Jede Spende muss einem Posten im Haushalt zugeordnet werden.“ Florian Heigl, Kämmerer der Stadt Foto: kht
„Jede Spende muss einem Posten im Haushalt zugeordnet werden.“ Florian Heigl, Kämmerer der Stadt Foto: kht

Wie das Geld an die Stadt übergeben wird, das weiß Kämmerer Florian Heigl. Überraschend: sehr oft gar nicht. Natürlich könne das Geld bar in der Stadtkasse einbezahlt werden, und auch Schecks seien ab und zu darunter. Aber viele Posten liefen einfach „durch den Haushalt“. Das passiere etwa, wenn die Stadt für Dienstleistungen bei Großveranstaltungen wie dem Pfingstritt eigentlich bezahlen müsste, die Entlohnung allerdings nicht verlangt, sondern einfach gespendet werde.

Rekord: Die Kindergärten der Stadt durften sich 2015 besonders freuen: Damals gingen 50500 Euro an Spenden bei der Stadt ein – vergangenes Jahr waren es 750 Euro. Fotos: S. Weber
Rekord: Die Kindergärten der Stadt durften sich 2015 besonders freuen: Damals gingen 50500 Euro an Spenden bei der Stadt ein – vergangenes Jahr waren es 750 Euro. Fotos: S. Weber

Generell, erklärt Heigl weiter, würden die Spenden immer einem Posten im Haushalt zugeordnet. Das Spektrum reicht dabei von „Kinderspielplätze allgemein“ über „Weihnachtsmarkt“, „Kirchen – Kapellenrenovierung“, „Douzelage“, „Senioren“ und „Lebensstilprogramm“ bis „Kurpark und Kneipp-Festival“. Ein Posten, der in den vergangenen Jahren erst an Bedeutung gewonnen hat, ist „Asylarbeit“. Knapp 2000 Euro gab es im vergangenen Jahr dafür an Zuwendungen an die Stadt, 600 Euro im Jahr zuvor und 1500 im Jahr 2015.

Wenn es keinen Verein gibt

Regelmäßigkeit: Viel Geld kommt dem weiten Feld der Heimatpflege zugute: Im vergangenen Jahr über 4000 Euro, in den beiden Jahren zuvor 1500 und 2300 Euro.  Fotos: Claus Wietek
Regelmäßigkeit: Viel Geld kommt dem weiten Feld der Heimatpflege zugute: Im vergangenen Jahr über 4000 Euro, in den beiden Jahren zuvor 1500 und 2300 Euro. Fotos: Claus Wietek

Damit liegt das Spendenaufkommen hier wesentlich höher als etwa bei „Schulen“, für die 2017 gerade einmal 100 Euro locker gemacht wurden. Bürgermeister Hofmann kennt auch den Grund dafür. „Die Schulen brauchen natürlich auch Geld, aber die bekommen das über Fördervereine rein – für die Asylarbeit gibt es aber keinen Verein, der Spenden annehmen könnte.“ Darum lande das Geld bei der Stadt, die – in dieser Hinsicht vergleichbar mit einem Verein – „generell gemeinnützig ist“, wie Hofmann erklärt. So kommt das Geld schließlich doch noch wohltätigen Zwecken zugute. Im Falle Asyl bedeutet das zum Beispiel, dass die Helfer in der Unterkunft von der Stadt zum Essen eingeladen werden oder Hygieneartikel für Flüchtlinge gekauft werden.

Konzerte: 9288Euro wurden 2017 durch die private Übernahme von Künstler-Gagen bei Konzerten gespendet – vor allem durch die Orgelkonzerte in der Pfarrkirche.
Konzerte: 9288Euro wurden 2017 durch die private Übernahme von Künstler-Gagen bei Konzerten gespendet – vor allem durch die Orgelkonzerte in der Pfarrkirche.

Ab und zu ruft die Stadt auch von sich aus zu Spenden auf, wie das etwa beim Bau des Beachvolleyball-Feldes der Fall war. In zwei Jahren waren das immerhin mehr als 1500 Euro, die zusammenkamen. Auffällig ist wiederum eine Spende, die 2015 getätigt wurde: Damals wurden über 50000 Euro für Kindergärten gespendet. Stellt sich die Frage, wer so viel Geld gespendet hat und warum? Der Grund der Spende werde generell nicht hinterfragt, erklären Kämmerer und Bürgermeister – und der Name bleibt ebenso prinzipiell geheim. Bestechlich sei die Stadt nicht, betonen beide. Dafür trägt auch der Rechnungsprüfungs-Ausschuss am Landratsamt Sorge. In Cham werden alle Spendeneingänge jedes Jahr überprüft. Sollte eine Spende – was bislang nicht der Fall gewesen sei, wie Hofmann erklärt – mit einer Forderung verbunden sein, dann dürfte sie nicht angenommen werden.

Auch müsste die Stadt die Spenden gar nicht öffentlich bekanntgeben, wie in der Februar-Sitzung des Stadtrates geschehen. Die Erklärung in der nichtöffentlichen Sitzung hätte zur Annahme gereicht. Doch es gehe um Transparenz.

Mit den Spenden planen kann die Stadt natürlich nicht. Die Gesamthöhe schwankte in den vergangenen drei Jahren zwischen 19 000 und rund 70000 Euro. Für die Haushaltsplanung sei die Summe außerdem zu gering, erklärt Kämmerer Heigl. Zum Vergleich: Der Verwaltungshaushalt der Stadt hatte vergangenes Jahr eine Höhe von knapp 16 Millionen Euro an Einnahmen und Ausgaben.

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Cham finden Sie hier.

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht