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Freizeit

Die Tage der Hexen sind da

Die 16. Engelshütter Rauhnacht zog mit seinem schaurigen Treiben wieder Scharen von Besuchern in ihren Bann.
Von Maria Frisch

Fast keine Berührungsängste mit dem Grauen hatten die Besucher der Rauhnacht.  Fotos: kli
Fast keine Berührungsängste mit dem Grauen hatten die Besucher der Rauhnacht. Fotos: kli

Lam.Die Böllerschützen gaben wie eh und je das Startsignal zur Rauhnacht in Engelshütt und Schlag auf Schlag folgte ohrenbetäubender Lärm der Wolfsausläuter aus Oberried, die zweimal ihr „Schellen-Konzert“ in der Arena aufführten und dabei ordentlich ins Schwitzen kamen. Namens der Freiwilligen Feuerwehr Engelshütt und der Tourist-Info Lam als gemeinsame Veranstalter hieß der versierte Moderator Stephan Jarosch den großen Besucher-Pulk, der die Arena schnell eingekreist hatte, willkommen. Zur Freude der Ausrichter waren auch 1. Bürgermeister Paul Roßberger, sein Amtskollege aus Bad Kötzting, Markus Hofmann, sowie Mitglieder des Marktrates gekommen.

Kleine Hexe kam zu spät

Die kleine Hexe Marie traf etwas verspätet ein, weil sie keine „Landeerlaubnis“ erhalten hatte, wie sie schlagfertig begründete. Heuer nahm sie die Maske ab und das Publikum sah, dass eine bezaubernde junge Dame hinter der Fratze steckte. Oberpfalz und Niederbayern sind eine Region, die immer schon bekannt dafür war, dass hier finstere Gesellen und Gestalten in den Rauhnächten Schabernack betreiben.

Lokalmatadorinnen waren die neu formierten Rauhnachthexen.
Lokalmatadorinnen waren die neu formierten Rauhnachthexen.

„Die schaurigen Geschichten werden von Generation zu Generation weitergegeben und man schenkt ihnen auch heute noch Beachtung“, stieg Jarosch in das Thema ein. Etliche Gruppen im Bayerischen Wald haben sich dem Auftrag verschrieben, diese Mystik und das Brauchtum aufrecht zu erhalten. „Wir haben die Crème de la Crème dieser Gruppen bei uns zu Gast“, informierte der Moderator.

Neu gegründet haben sich 2018 die ortsansässigen Rauhnachthexen, die den Lichter-, Feuer- und Besentanz drauf hatten. Die Engelshütter Deifen zeigten etwa, dass Drud drücken. Als sich eine junge Frau müde ins Bett begab, kam das Teufelsweib angeschlichen, hockte sich auf den Körper und erschwerte das Atmen dergestalt, dass sich die Schlafende von sämtlichen Teufeln umringt wähnte. Als der Spuk vorbei war und die zutiefst Erschrockene wieder Luft bekam, zeichnete sie geschwind den Drudenfuß ans Bett, damit der Horror sie nicht noch einmal übermannte.

Das war die Engelshütter Rauhnacht

Gäuboden-Gschwerl war dabei

Beim Gäuboden-Gschwerl wollte die Anführer-Hexe Wotan vernichten.  Fotos: kli
Beim Gäuboden-Gschwerl wollte die Anführer-Hexe Wotan vernichten. Fotos: kli

Inzwischen wurde fleißig für das erst 2017 gegründete Gäuboden-Gschwerl aus Mallerdorf-Pfaffenberg aufgebaut, die fast einen Einakter aufführten. Nachdem die Großmutter zwei Kindern über die wohl gesonnene Waldhexe sowie über böse Artgenossen, die unglückselige Pläne schmieden, erzählt hatte, kamen sie auf dem Heimweg an den Unglücksort. Dort zündete der Bub aus Neugierde die verhängnisvolle Kerze an, die schreckliche Auswirkungen hatte.

Die schellenden Glocken der Wolfausläuter  Fotos: kli
Die schellenden Glocken der Wolfausläuter Fotos: kli

Die zuvor in die Verdammnis geschickten Hexen erwachten und wollten nun ihrerseits Wotan und seine verfluchte Tochter vernichten. Für den Zaubertrunk brauchten sie vor allem das Herz von Mutter Natur, das ihnen die Waldhexe bringen sollte. Diese machte bei dem teuflischen Spiel nur scheinbar mit und übergab einen täuschend-ähnlichen Ersatz. Folglich hatte das Gebräu keine Wirkung. Die Hexenbrut bemerkte den Betrug, den die Waldhexe aber keineswegs bereute: „Die Natur ist zu kostbar. Ohne sie wäre die ganze Welt vernichtet worden“. Sie werde ohnehin bereits mit Füßen getreten. „Schaut auf unsere Natur, denn Macht und Geld verdirbt sie nur“, gab sie einen klugen Rat.

Ameno Signum zeigte die Dimension des Feuers als Nervenkitzel.
Ameno Signum zeigte die Dimension des Feuers als Nervenkitzel.

Zur Rauhnacht gehört das Feuer wie das i-Tüpfelchen auf das i. Seit zehn Jahren sind die Feuerkünstler von Ameno Signum im wahrsten Sinne des Wortes ein Dauerbrenner. „Sie gehen geradezu spielerisch damit um und machen sich die Flammen untertan“, attestierte Stephan Jarosch. Die Vorwoid-Teiffen aus Passau lehrten eine Horde Wilderer, dass selbst sie nicht in den Rauhnächten im Wald geduldet seien. Als sie sich dem Verbot widersetzten, wurden sie zur Strafe in jene Tiere verwandelt, die sie erlegt hatten. Schwarzachtal-Pass kam heuer voll motiviert nach Lam, weil sie im Vorjahr wegen eines technischen Defekts einiges schuldig geblieben waren.

Die Rauhnächte

  • Nächte

    Die Rauhnächte oder Raunächte, auch Glöckelnächte, Innernächte oder Unternächte sind einige Nächte um den Jahreswechsel, denen im europäischen Brauchtum eine besondere Bedeutung zugemessen wird. Meist handelt es sich um die zwölf Weihnachtstage vom Weihnachtstag bis 6. Januar.

  • Zeit

    Gelegentlich geht es um andere Zeiträume. Nach dem Volksglauben zogen sich die Mächte der Mittwinterzeit in der Nacht zum 6. Januar zurück, „die Wilde Jagd“ begab sich am Ende der Rauhnächte zur Ruhe. Die zwölf Rauhnächte waren laut Glaube bestimmend für das Wetter der zwölf Monate des neuen Jahres.

Die drei Anführer übten Kritik, dass viele Zeitgenossen den Hals nicht mehr vollkriegen, sie auf Gedeih und Verderben die Umwelt kaputt machen und nichts zu schätzen wissen. „Des is de neueste Krankheit. Schaus doch oh de junga Leut“, prangerten sie an. Die Jugend verliere komplett den Bezug zur realen Welt. Die Älteren akzeptieren diese Entwicklung. „Koana hat mehr Zeit für des Wichtige im Leben. Koan Respekt hams mehr“, monierten die Gehörnten.

„Von den Alten haben sie es doch gelernt“, rückte einer die schlechte Vorbildfunktion zurecht. Wohin das Ganze führen kann, zeigten zwei Jugendliche, die Zigaretten, Alkohol usw. konsumierten.

Der „Kick“ war dann ein Video, bei dessen Anwendung die Unterwelt zum Vorschein kam. Die Erfahrung daraus war, dass die beiden hinterher einen Brummschädel hatten und gelobten, von solchen Späßen die Finger zu lassen.

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