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Region Cham
Mittwoch, 26. September 2018 16° 1

Projekt

Die Verwandlung zum Schmuckstück beginnt

Beim symbolischen Auftakt für die Sanierung des Gasthauses Kamm in Waldmünchen, war die Freude groß.
Von Petra Schoplocher

Architekt Ulrich Greiner vor dem Gasthaus Kamm, das vor einer Woche eingerüstet wurde. „Dieses Gebäude kennt jeder“, hat er als Fazit aus vielen Gesprächen in der gesamten Region mitgenommen. Foto: Schoplocher
Architekt Ulrich Greiner vor dem Gasthaus Kamm, das vor einer Woche eingerüstet wurde. „Dieses Gebäude kennt jeder“, hat er als Fazit aus vielen Gesprächen in der gesamten Region mitgenommen. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.„Dieses Gebäude kennt jeder“, sagt der Architekt. Es sein unmöglich, es nicht wahrzunehmen, der Bürgermeister. Nur, dass das, was sich beim Blick auf das Gasthaus Kamm alias „Dirmaler Wirt“ in den vergangenen rund 20 Jahren bot, nicht gerade einladend war. Am Freitag nun begann die Metamorphose, die aus dem baufälligen, historischen Gebäude ein Schmuckstück machen soll.

Zum symbolischen Baubeginn waren zahlreiche (Ehren)Gäste gekommen. Foto: Ruhland
Zum symbolischen Baubeginn waren zahlreiche (Ehren)Gäste gekommen. Foto: Ruhland

Dieses stellte jedenfalls Bürgermeister Markus Ackermann in Aussicht, der von einem „langersehnten und bedeutsamen Moment“ für die Stadt sprach. Schließlich werde ein „belastender Leerstand“ beseitigt. Beim Betreten des Gebäudes sei spürbar, welche Geschichte und Erlebnisse es zu erzählen habe, es veranschauliche Waldmünchener Stadtgeschichte.

Die Platzprobleme der Jugendbildungsstätte (Jubi) ab dem Jahr 2014 begründeten eine Machbarkeitsstudie auf Basis derer Bedürfnisse und verknüpften beide Themen. „Ohne ein sinnvolles Nutzungskonzept kann man ein solches, denkmalgeschütztes Gebäude nicht sanieren“, stellte Markus Ackermann heraus. Er sprach in Anbetracht der vielen Partner und Geldgeber von Landkreis über Städtebau- oder Leaderförderung von „einem echten Gemeinschaftswerk“.

„Dieses Projekt ist in vielerlei Hinsicht wegweisend für unsere Stadt.“

Markus Ackermann, Bürgermeister

Rund 3,7 Millionen kostet den Zweckverband Jugendhaus als Bauherrn die Sanierung, an deren Ende eine Doppelnutzung stehen soll. Zum einen erhält die Jugendbildungsstättedrei Seminarräume, zwei Zimmer für externe Referenten, eine Ausstellungsfläche sowie Abstellmöglichkeiten, zum anderen wird ein großer Raum als „Bürgertreff am Böhmertor“ entstehen, den dann auch die Öffentlichkeit nutzen kann.

Endlich barrierefrei

Ein großes Plus, unterstreich der stellvertretende Leiter der Jugendbildungsstätte, Johannes Himmlhuber, sei die Barrierefreiheit, die im bestehenden Haus nur zum Teil gegeben sei. „Das ist sicher ein herausragendes Merkmal“, unterstreicht er. Platzbedarf sei vor allem bei den „Berufsorientierungs“-Angeboten, „da platzen wir oft aus allen Nähten“, weiß Jubi-Chef Alois Nock. Echte Erleichterung verspricht er sich auch für die Belegungen mit zwei Erwachsenengruppen. Der Schlosskeller, bisher einzige abendliche Aufenthaltsmöglichkeit, biete maximal 80 Personen Platz. In Zukunft könnte dann eine zweite Gruppe zum „Dirmaler Wirt“ gehen.

Was den Bürgertreff angeht, weist er auf Sensibilitäten hin, die aber allesamt im Miteinander und mit Kommunikation gelöst werden könnten. Das Mehrgenerationenhaus etwa bietet auch einen Offenen Treff, kann aber an anderer Stelle Nachfragen kaum mehr bedienen. Die Sorgen der Gastronomen werde man sicher dadurch entkräften, dass „wir keinen Wirt einzustellen gedenken“.

 Durch die Lage am früheren Böhmertor ist das Gasthaus (links) ein Blickfang. Foto: ps
Durch die Lage am früheren Böhmertor ist das Gasthaus (links) ein Blickfang. Foto: ps

Die Menschen berühre es, was aus dem Gasthaus Kamm werde, berichtete Landrat Franz Löffler von seinen Erfahrungen. Aus deren Gesichtern könne man die Freude ablesen, dass nun eine Lösung gefunden worden sei. Die Jugendbildungsstätte arbeite seit über 25 Jahren sehr erfolgreich und sei ein verlässlicher Partner, deren Weiterentwicklung – Löffler nannte exemplarisch die Umweltstation – man positiv begleiten müsse. Die außerschulische Bildung habe große Bedeutung, unterstrich er. „Dort bekommt der junge Mensch das, was er braucht, um ein guter Mensch zu werden.“

„Sehr schön“, findet es Ludwig Schiedermeier, dass etwas Neues entsteht. Ihm hatte das Gebäude zuletzt gehört. An Stelle der früheren Landwirtschaft hat er acht Wohnungen errichtet, die Sanierung des Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert habe sich seine Familie dann aber nicht mehr zugetraut, erzählt er.

Öffentlichkeit einbinden

Architekt Ulrich Greiner schilderte grob den Bauablauf. Derzeit würden die Zimmerer das Dach abdecken und ein Notdach errichten. Im Inneren würden viele Baumeisterarbeiten warten, Ende des Jahres, so der Plan, solle das neue Dach fertig sein, so dass im Winter Innenarbeiten vonstattengehen sollen. „Wir machen kein Netz drüber und sagen irgendwann, dass wir fertig sein“, wies Greiner auf eine Direktive hin. Von Zeit zu Zeit würde sich der Bauvorhang für die Öffentlichkeit öffnen. Die Bürger sollen erleben, wie so eine Sanierung abläuft und „dass es kein Hexenwerk ist“. Alles werde auf den Stand heutiger Technik gebracht, stellte er in Aussicht.

Das Innenleben des Gebäudes – Markus Ackermann zeigt ein Modell –  aus dem 18. Jahrhundert birgt Geheimnisse. Foto: ps
Das Innenleben des Gebäudes – Markus Ackermann zeigt ein Modell – aus dem 18. Jahrhundert birgt Geheimnisse. Foto: ps

Dennoch verhehlte der Architekt nicht die Besonderheit des Baus. So wisse man von der ein oder anderen Zwischendecke nicht, warum sie da sei. „Es wird also spannend“, meinte er und ergänzte zugleich, dass „wir aber guter Dinge sind“.

Von der Nutzung sei er voll überzeugt. Wenn ein solches Gebäude saniert würde, solle es auch mit Leben erfüllt werden. „Und mit der Jubi wird sich was rühren, da bin ich mir sicher!“

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