MyMz
Anzeige

Verein

Die VHS Waldmünchen-Rötz löst sich auf

Die Mitglieder stimmten für das Ende der VHS Waldmünchen-Rötz. In Rötz muss der Stadtrat noch entscheiden, wie es weitergeht.
Von Petra Schoplocher

Der Moment der Entscheidung: Seit 18.46 Uhr am Donnerstag Abend ist die Volkshochschule Geschichte. Der Verein wird zum 31. März 2020 aufgelöst. Fotos: Schoplocher
Der Moment der Entscheidung: Seit 18.46 Uhr am Donnerstag Abend ist die Volkshochschule Geschichte. Der Verein wird zum 31. März 2020 aufgelöst. Fotos: Schoplocher

Waldmünchen.In weniger als zehn Minuten war alles vorbei: 43 Mitglieder des Vereins „Volkshochschule Waldmünchen-Rötz“ haben in einer eigens dafür einberufenen Versammlung für die Auflösung gestimmt. Ein bewegender Moment nicht nur für Vorsitzende Susanne Nock. Sie war sichtlich gerührt, dass 43 der insgesamt 49 Mitglieder anwesend waren oder eine Vollmacht ausgestellt hatten und so „diesen letzten Schritt mitgehen“.

Nock erläuterte noch einmal kurz, warum die Auflösung nötig sei: Als kleinste Volkshochschule Bayerns sei es unmöglich, die Vorgaben des eigenen Landesverbandes in einem entscheidenden Punkt zu erfüllen. Verlangt würden mindestens 30.000 Teilnehmer-Doppelstunden. Selbst in Zeiten, in denen teils vier Deutschkurse für Geflüchtete zusätzlich im Programm aufgenommen wurden, brachte es Waldmünchen-Rötz auf gerade einmal die Hälfte.

Die Folge: Die Erwachsenenbildung muss auf andere Füße gestellt werden. In Waldmünchen wird das unter dem Dach des Mehrgenerationenhauses sein, die Stadt Rötz tendiert nach Aussage von Vize-Bürgermeister Wolfgang Spießl und Vize-Vorsitzender Elisabeth Seebauer, für die nach 23 Jahren Schluss ist, zu einem Anschluss an die VHS Cham. Da der entsprechende Stadtratsbeschluss noch aussteht, wollten beide nicht zu weit vorgreifen. Die Gespräche seien vielversprechend verlaufen, ließ Spießl durchblicken, man habe eigene Vorstellungen einbracht. „Es wird sicher eine Lösung geben“, meinte er und dankte für das ehrenamtliche Engagement, ohne das „das Alles nie so gut gelaufen wäre.“

Stadtrat

Waldmünchner Sonderweg für die Vhs

Die Erwachsenenbildung wird unter dem Dach des Mehrgenerationenhauses weitergeführt. Der Senioren-Wohnpark nimmt Formen an.

Liquidatorinnen bestellt

Aufgelöst wird der Verein zum 31. März 2020. Das zunächst avisierte sportliche Ziel Jahresende sei vor allem wegen der noch zu erstellenden Verwendungsnachweise und Statistiken nicht zu halten gewesen, informierte sie. Gemäß Vereinssatzung wurde der Vorstand als Liquidator bestellt, der die restlichen Geschäfte abwickelt.

Kommentar

Selbstständig: Ein Traum?

Spricht etwas dagegen, selbstständig bleiben, wenn alles bestens läuft? Eigentlich nicht, und das gilt auch für die Volkshochschule Waldmünchen-Rötz. Die...

„Uns bleibt nichts anderes übrig“, bewertete Bürgermeister Markus Ackermann die Situation gleich und sprach von einem „traurigen Anlass“. Sieben Jahrzehnte – das damalige Volksbildungswerk Waldmünchen wurde 1949, das in Rötz 1950 gegründet – würden ohne Not zu Ende gehen. Ackermann richtete aber sogleich den Blick nach vorne: „Unser maßgeschneidertes, bürgernahes und qualitätvolles Angebot wird erhalten bleiben“, zeigte er sich überzeugt. Die Erfolgsgeschichte gehe also weiter. „Wir haben das Know-how und das Personal“, begründete er den Schritt, eigenständig zu bleiben. Die VHS Cham, mit der es Gespräche gab, trage dies mit.

Rückblick mit Herz

  • Referentin:

    Elisabeth Ruhlands Mann war ab 1972 Geschäftsführer, sie selbst übernahm diese Aufgabe 1993.

  • Erinnerungen:

    Reisen bis nach New York wurden ebenso organisiert wie Theateraufführungen. In den 1980er Jahren bot die VHS rund 200 Veranstaltungen pro Jahr an und verfügte über ein Budget von 200.000 Mark.

„Der finanzielle Spielraum wird allerdings noch enger werden“, verdeutlichte Susanne Nock. Sie glaubt, dass die Teilnehmer von dem Wechsel nichts bemerken werden und der Übergang reibungslos vonstattengehen wird. Irgendwie sehe sie die Auflösung unter dem Motto: Wenn es am Schönsten ist, soll man aufhören.

Eine „Grabrede“

Wie schön, aber auch arbeitsaufwendig und facettenreich die Jahre der Volkshochschule waren, stellte Elisabeth Ruhland in einem angenehm persönlich gefärbten Rückblick fest. „Ich darf also die Grabrede halten“, begann sie humorvoll. Viel ehrenamtlicher Einsatz, Heimatliebe und Kreativität hätte sich durch die „Erfolgsgeschichte“ gezogen.

Bildung

Waldmünchens VHS denkt an ihre Auflösung

Die VHS Waldmünchen-Rötz kann die Vorgaben des Landesverbandes nicht erfüllen. Muss sie jetzt der Landkreis-VHS beitreten?

Die frühere Geschäftsführerin und Zweite Vorsitzende erinnerte an Zeiten, in denen es von Herzogau bis Zillendorf Außenstellen gab und riesige Journalbögen. 1995 fusionierten Waldmünchen und Rötz, informierte sie und bei Nennung der Protagonisten wie Dr. Georg Walberer, Heinrich Siebenhörl und Rudolf Fellerer war an der ein oder anderen Stelle im Raum Getuschel zu vernehmen – hatte doch so ziemlich jeder der Anwesenden, wie Susanne Nock feststellte, eine enge persönliche Beziehung zur VHS. Für Elisabeth Ruhland war es sogar noch mehr, als Zugezogene „ein Ankommen in der neuen Heimat“. Und für Susanne Nock selber? „Eine coole Sache“.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht