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Region Cham
Samstag, 21. April 2018 25° 3

Gastronomie

Die Weiberwirtschaft im erlesenen Kreis

Susanne Stangl führt in Kalsing das „klassische Dorfwirtshaus“. Nun kommt dieses im Slow-Food-Genussführer zu Ehren.
Von Thomas Mühlbauer

In der Weiberwirtschaft rührt sich was. Susanne Stangl liebt ihre Arbeit, und das merkt auch der Gast. Fotos: rtn

Roding.Das Gasthaus d’ Weiberwirtschaft in Kalsing gehört nun auch zum erlesenen Kreis im „Slow Food Genussführer Deutschland“. Ralf Hartleb, Leiter der Testgruppe Regensburg Oberpfalz, sowie Martin und Ingrid Weiß aus Pettenreuth haben Susanne Stangl die Urkunde ausgehändigt. Und die junge Chefin strahlt: „Ich freue mich riesig darüber.“

Ralf Hartleb sagt, dass die Gasthausempfehlungen in dem Buch, das Mitte 2018 neu aufgelegt wird, von mehr als 500 engagierten Slow-Food-Mitgliedern zusammengetragen worden ist, die in ihren Testgruppen nach festgelegten Maßstäben die Lokale geprüft haben. Slow Food, der Begriff, stammt aus Italien, steht für eine weltweite Bewegung, die sich für eine „lebendige und nachhaltige Kultur des Essens und Trinkens“ einsetzt. Man will biologische und geschmackliche Vielfalt bewahren. Man engagiert sich für verantwortliche Landwirtschaft und Fischerei, artgerechte Tierhaltung und traditionelles Lebensmittelhandwerk.

„Wechselnde Karte“

Gratulation: Ralf Hartleb (l.) und Martin Weiß haben Susanne Stangl die Urkunde ausgehändigt. Foto: rtn

In die Testgruppe Oberpfalz sind 25 Tester eingebunden, die seit zwei Jahren ehrenamtlich diverse Restaurants testen. Der Clou: Die Tests erfolgen versteckt, so dass der Restaurantbesitzer, zunächst nicht mitbekommt, dass er getestet wird. Jedes Restaurant wird zwei Mal getestet, ehe sich die Tester zu erkennen geben. Hartleb sagt: „Wir schauen natürlich, welche Gerichte auf der Speisekarte stehen. Sind diese aus der Region? – „Uns ist es schon wichtig, dass hier in der Oberpfalz auch die heimische Küche angeboten wird.“ Zudem ist ein Kriterium, dass jene Wirtshäuser, die in den Genussführer aufgenommen werden, auch „eine wechselnde Karte“ anbieten.

„Hochverdient geschafft“

Susanne Stangl sagt: Sie hat nicht bekommen, dass ihr Gasthaus getestet worden ist. Umso größer ist die Freude. Mit der Aufnahme in den Genussführer erhofft sich die junge Chefin neue Gäste: „Wir sind natürlich abseits vom Schuss, eine Bundesstraße oder Autobahn führt hier bei uns nicht vorbei. Wer zu uns kommt, der kommt meistens bewusst her“ – und: „Wir sind ein klassisches Dorfwirtshaus.“

„Ich verfolge schon von Beginn an die Philosophie, auf einheimische Produkte zu setzen.“

Susanne Stangl, Chefin im Gasthaus d’ Weiberwirtschaft

Ralf Hartleb zum Kriterium „wechselnde Karte“: Die Tester wissen, dass dies nicht gerade immer einfach ist. Manche Produkte gibt es einfach nur saisonal. Doch ist es einfach wichtig, dass die Küche einen regionalen Charakter hat. Zudem schauen die Tester darauf, woher die Rohprodukte (Gemüse, Fleisch usw.) stammen. Zudem sollte die Handschrift des Wirtes in der Karte erkennbar sein. Geachtet wird auf Ambiente und Service. Grundgedanke: Fühlt man sich hier auch als Einheimischer wohl? – Wenn ja, wird man wohl öfter kommen. Und, kann man das Haus als Gast, der nur sporadisch kommt, weiterempfehlen? – Mit Blick auf all diese Kriterien: „Die Weiberwirtschaft hat uns voll auf überzeugt, und hat so die Aufnahme hochverdient geschafft.“ Susanne Stangl fühlt sich in ihrer bisherigen Arbeit bestätigt: „Ich verfolge schon von Beginn an die Philosophie, auf einheimische Produkte zu setzen. Zudem koche ich auch sehr gerne mit meiner Oma Fanny und meiner Mama Monika, die natürlich die alten Rezepte am besten kennen und mich immer wieder dazu ermutigen, sie auch auszuprobieren.“ Als junge Köchin neigt man nämlich einfach dazu, auf die gängigen Gerichte zurückzugreifen, die natürlich auch auf jeder Speisekarte zu finden sein müssen. Dass auch die außergewöhnlichen Gerichte, die es vielleicht nicht überall gibt, Platz finden“, da helfen ihr Oma und Mama ungemein. In der ganzen Oberpfalz sind derzeit acht Gasthäuser in diesem Genussführer. Im Landkreis Cham gibt es neben der Weiberwirtschaft mit dem Ödenturm nur noch ein Restaurant, das darin zu finden ist.

Die drei Gänge im Test

  • Speisentest:

    Die Tester haben sich bei ihren Besuchen in Kalsing drei Gänge – Vor-, Haupt- und Nachspeise – vorgenommen.

  • Vorspeisen:

    Hier hatten die Tester eine geschmackvolle Rinderkraftbrühe mit Grießhalbmonden getestet, zudem fein abgestimmte saure Linsen mit Wurzelgemüse und Spätzle, zudem „Bio-Ziegenkäse“ vom Knallerbsenhof mit Pfirsich-Chutney, Salat und hausgemachtem Roggenbrot.

  • Hauptspeisen:

    Auch die Hauptspeisen im Gasthaus d’ Weiberwirtschaft mundeten den Testern: Die Forelle „Müllerin Art“ war tadellos. Die geschmorten Kalbsbackerl waren saftig. Und dazu die gebratene Kalbsleder? – Diese war perfekt gegart.

  • Nachspeisen:

    Favorit bei den Nachspeisen war hier ohne Zweifel der karamellisierte Kaiserschmarrn, frisch aus der Pfanne, mit Apfelmus und Vanilleeis. (rtn)

Vergleichbar mit Michelin Stern

Mit Sicht auf den Slow Food Genussführer fügt Ralf Hartleb hinzu: „Das ist ungefähr vergleichbar mit einem Michelin Stern“. Viele Leser des Genussführers steuern oftmals gezielt die Wirtshäuser und Restaurants in diesen Gegenden an. „Viele haben das auf ihren Reisen mit dabei und fahren dann gerne oft einen kleinen Umweg.“ Wie eigentlich sind die Tester auf die Weiberwirtschaft aufmerksam geworden? „Einer aus unserer Gruppe“, lässt dazu Hartleb wissen, „war einmal mit der Arbeit hier zum Essen – und wir haben anschließend darüber gesprochen, so sind wir darauf gekommen und haben gesagt, dass wir hier gerne mal testen.“ Die Tester hatten die Speisekarte der Weiberwirtschaft zweimal „von oben bis unten“ durchgetestet und waren schlussendlich „überzeugt“.

Susanne Stangl ist guter Dinge: „Ich finde, dass ist für uns eine sehr große Ehre hier aufgenommen worden zu sein. In einem Atemzug mit dem Ödenturm genannt zu werden, ist schon etwas besonders.“ Ihren Worten nach ist die regionale Karte aber auch mit einem Risiko behaftet, „es kann auch mal vorkommen, dass es bestimmte Produkte einfach nicht gibt, weil der Jäger zum Beispiel mal kein Reh geschossen hat“. Die Chefin bleibt aber ihrem eingeschlagenen Weg treu: „Ich gehe hier keine Kompromisse ein und werde auch weiterhin auf regionale Produkte setzen“, an Weihnachten unter anderem mit Freilandenten.

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