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Unterhaltung

Die zwei Ichs des Helmut A. Binser

Martin Schönberger freut sich besonders auf das Kulturfestival in Rötz – nicht ohne Grund. In Zukunft will er bei aller Selbstironie ein bisschen ernster werden.
Von Jürgen Ziereis

Martin Schönberger alias Helmut A. Binser: demnächst in Rötz

Runding. Es passiert schon mal, dass Martin Schönberger beim Tanken mit falschem Namen unterschreibt. Wobei der so falsch gar nicht ist. Denn wenn der Rundinger von einem Auftritt kommt, war er zwei Stunden lang nicht der Martin, sondern der Helmut – Helmut A. Binser. Dann bedarf es nur noch ein paar Autogrammwünschen, und schon ist das Gehirn auf Binser programmiert.

Sein zweites Ich hat ihn bisweilen voll im Griff, erzählt Martin Schönberger schmunzelnd. Kein Wunder bei dem Tempo, mit dem der 33-Jährige Musikkabarettist mit seiner Bühnenfigur durchgestartet ist in Dimensionen, die er selbst nie erahnen konnte, als er vor vier Jahren beim Ostbayerischen Kabarettpreis daheim in der Liederbühne Robinson erste Kontakte knüpfte mit den Brettern, die inzwischen die Welt bedeuten für ihn.

„Das war mehr eine Gaudi. Krass, was daraus entstanden ist“, freut sich das nächste Juwel aus der Talentschmiede von Liederbühnen-Chef Walter Thanner, dem Martin Schönberger viele Jahre treue Dienste als Kassier leistete. Inzwischen ist „der Binser“ selbst unterwegs in Bayern, Baden-Württemberg und im „befreundeten Ausland“ Österreich, mit seinem alten Benz, Gitarre, Harmonika und mal krachertem, mal hintersinnigem Liedgut. „Der Junge mit der Harmonika“ heißt Binsers Debüt-Programm, dem er ein neues Gewand verpasst hat. 180 Termine stehen heuer auf dem Tourplan, 22 allein im Oktober. Nur an Weihnachten ist Pause.

Spontanität in der Heimat

Einen Termin hat er sich dick angestrichen: Am Samstag, 26. Oktober, spielt er beim Rötzer Kulturfestival. „Auf dieses Konzert freue ich mich ganz besonders, ich spiele ja nicht so oft daheim. Da kann ich ein paar lokale Sachen einbauen.“ Schönberger zieht nicht mit einem von A bis Z durchchoreographierten Werk durch die Lande, er lässt Raum für Spontanität. Vor allem in der Heimat.

„Wenn ich im Allgäu spiele und singe ‚Bou, Schouh oder Hout‘, wird das freudig aufgenommen. Aber daheim ist das normal, da müssen andere Sachen lustig sein.“ So wie „der Binser“ grinst, ist er sich sicher, dass ihm da auch was einfallen wird. Vielleicht lässt sich Schönberger ja vom altehrwürdigen Gemäuer des Rötzer Fürstenkasten inspirieren, das Geschichte atmet als historisches Duett mit der Schwarzenburg auf dem nahen Schwarzwihrberg. „Der Saal ist schon was Außergewöhnliches, die Atmosphäre ist super.“

Ob Zuschauer, Kassier oder Künstler: Der gelernte Kaufmann kennt viele Facetten der Szene. Die des Künstlers taugt ihm: „Ich genieße das unheimlich, das ist einer der schönsten Berufe. Wenn ich das Publikum zum Lachen bringen kann, ist das für mich noch wichtiger als der Applaus. Dann fährst du mit einem Super-Gefühl heim. Ich habe meinen vorherigen Beruf auch gerne ausgeübt, aber im Büro kriegst du halt selten Applaus.“

Als „der Binser“ das sagt, ist gerade der Reporter sein Publikum, denn auch der kriegt sich vor Lachen kaum mehr ein. Doch der 33-jährige Schönberger vergisst die Stahlbäder nicht, durch die jeder Künstler muss: als unbekannter Musiker vor handverlesenem Publikum in einem Club in der Landeshauptstadt etwa oder wenn die Gäste eine andere Art von Humor mögen als der da oben auf der Bühne.

Inzwischen beherrscht Helmut A. Binser das Spiel mit dem Publikum und auch das mit der bisweilen kritischen Journaille, seit ihm einer von der schreibenden Zunft mal schwarz auf weiß servierte, dass seinem Programm der rote Faden fehle – seitdem hat „der Binser“ immer einen im Hosensack. Für alle Fälle.

Lampenfieber gehört dazu

Ohne Lampenfieber aber geht’s trotz Routine aus gut 300 Auftritten nicht, sagt Schönberger, aber das sei gut so. „Das hat sich verändert. Heute passiert es schon mal, dass ich vor einem Auftritt noch schnell aufs Handy schaue, wie es bei Bayern steht. Das hätte ich anfangs nie gemacht. Aber eine gewisse Anspannung ist da, die brauchst du auch, damit du zu hundert Prozent da bist.“ Etablierte Künstler wie Hannes Ringelstetter, der Schönberger in seine TV-Sendung einlud, oder Martina Schwarzmann, die ihm als ihre „Vorband“ vierstellige Besucherzahlen ermöglichte, haben ihren Teil dazu beigetragen, aus einem Talent einen erfolgreichen Künstler zu machen.

„Die letzten zwei Jahre, das war ein großer Sprung“, sagt Schönberger. Sogar so etwas wie einen Ritterschlag hat er unlängst erhalten: „Der Fredl Fesl war auf einem Konzert von mir. Als ich das mitgekriegt habe und er dann auch noch in der ersten Reihe saß, war ich richtig aufgeregt. Jeder, der etwas in dieser Richtung macht, hat sich irgendwie von ihm inspirieren lassen. Zu später Stunde hat er seine Lieder von früher vorgesungen, da habe ich Gänsehaut bekommen.“ Und eine bleibende Erinnerung: eine Signatur der Liedermacher-Ikone auf der Gitarre.

Neben vielen kleinen Erlebnissen gewährt Martin Schönberger auch einen Blick in seine Zukunft: Das neue Programm ist in Arbeit: „Ein Stück heile Welt“, Premiere im März. Worum geht’s? „Figuren, die im ersten Programm auftauchen, kommen wieder. Und es geht auch darum, dass ich älter werde und solche Anwandlungen habe wie Tomaten anbauen. Oder um Erlebnisse von früher, die ich heute in einem anderen Licht sehe.“

Und wofür steht das variable A. im Künstlernamen? „Momentan steht’s für Amadeus“, lacht Helmut A. Binser. „Ich habe mir fürs neue Programm eine Mozart-Perücke gekauft und hoffe, dass mich das voranbringt.“

Bei aller Selbstironie und all seinen „lustigen Sachen“: Schönberger sind auch ernste Themen wichtig, die er auf der Bühne vermitteln möchte. Stichwort Wertekultur. „Ich möchte ein klares Zeichen setzen gegen Rassismus, gegen Mobbing oder dass Homosexuelle diskriminiert werden. Ich weiß, dass es auch anders geht, auch bei uns im Landkreis, wenn zwei Männer heiraten oder wenn Ausländer integriert werden. Es ist immer eine Bereicherung, jemanden aus einem anderen Kulturkreis kennenzulernen, und ich hatte dabei nie das Gefühl, dass davon eine Gefahr ausgeht. Ich möchte für Toleranz werben, mehr kann ich wohl nicht verändern, aber das kann schon ganz viel sein.“

Auftritt von Helmut A. Binser

Vier Jahre sind vergangen seit dem ersten Auftritt von Martin Schönberger alias Helmut A. Binser. Seitdem ist viel passiert im künstlerischen Leben des Musikkabarettisten aus Runding, der inzwischen über 300 Mal auf der Bühne stand.

In der Liederbühne Robinson ging der Stern des langjährigen Kassiers auf, als er beim Ostbayerischen Kabarettpreis 2009 in den Ring stieg. Zwei Jahre später zählte Binser schon 30 Auftritte, allein in diesem Jahr sind es etwa 180 – im Schnitt also jeden zweiten Tag.

In der Heimat zu sehen ist Helmut A. Binser wieder am 26. Oktober, beim Kulturfestival im Rötzer Fürstenkasten. Dort stellt der Rundinger sein überarbeitetes Debüt-Programm „Der Junge mit der Harmonika“ vor.

Nummerierte Platzkarten zum Vorverkaufspreis von 15 Euro gibt es beim Tourismusbüro Rötz, Tel. (0 99 76) 94 11 60, E-Mail: tourist@roetz.de. (cjz)

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