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Kriminalität

Diebesbande schlug 108-mal zu

Lang hat eine Einbruchserie im Grenzraum die Polizei beschäftigt. Nun haben die Further Ermittler 14 Verdächtige im Fokus.
Von Evi Paleczek

Die „Ermittlungsgruppe Höll“ hat umfangreiche Arbeit geleistet, nun gehen die Unterlagen an die Staatsanwaltschaft. Foto: Paleczek
Die „Ermittlungsgruppe Höll“ hat umfangreiche Arbeit geleistet, nun gehen die Unterlagen an die Staatsanwaltschaft. Foto: Paleczek

Furth im Wald.Einen „großen Ermittlungserfolg“ haben Beamte von Kriminalpolizei und Polizeiinspektion Furth im Wald bei einem Pressegespräch in den Räumen der Kripo in Furth am Mittwochvormittag vermelden können. Die sogenannte „Ermittlungsgruppe Höll“ hat seit mehr als einem Jahr in Sachen Diebstahlserie im Grenzraum ermittelt. Nun sind die Ermittlungen größtenteils abgeschlossen und werden in Kürze der Staatsanwaltschaft übergeben. Insgesamt 14 Tatverdächtigen aus Tschechien werden 108 Fälle in der Oberpfalz, Niederbayern und Franken zur Last gelegt, davon 35 im Grenzraum der PI Furth im Wald.

Freuen sich über den Ermittlungserfolg: Ludwig Kreitl, stellvertretender Leiter der PI Furth, Hermann Pongratz, Leiter des Kommissariates 10 der Kripo in Furth, Thomas Hecht, stellvertretender Leiter der Kripo Regensburg, Lydia Lobmeier vom Kommissariat 10 und Michael Müller von der PI Furth (v. li.). Foto: Paleczek
Freuen sich über den Ermittlungserfolg: Ludwig Kreitl, stellvertretender Leiter der PI Furth, Hermann Pongratz, Leiter des Kommissariates 10 der Kripo in Furth, Thomas Hecht, stellvertretender Leiter der Kripo Regensburg, Lydia Lobmeier vom Kommissariat 10 und Michael Müller von der PI Furth (v. li.). Foto: Paleczek

Zwischen März 2017 und Februar haben die Täter Autos, Fahrräder, E-Bikes, Motorräder, Quads, Radsätze, Werkzeuge, Laptops, Treibstoff, Metalle, Schmuck und Geld aus Häusern, Garagen, Lagerhallen, Scheunen und Schuppen gestohlen. Der Gesamtwert des Diebesguts beträgt etwa 215 000 Euro. Die bislang vier weiblichen und zehn männlichen Tatverdächtigen tschechischer, slowakischer und ukrainischer Staatsangehörigkeit im Alter zwischen 22 und 40 Jahren sind dem Betäubungsmittelmilieu in Pilsen zuzurechnen und haben das Diebesgut wohl veräußert, um sich Drogen beschaffen zu können.

Diebstähle häuften sich

Im Herbst 2017 häuften sich im Grenzraum des Landkreises Einbrüche und Diebstähle, blickte Thomas Hecht, stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei Regensburg und damals Leiter der Polizeiinspektion Furth im Wald, auf die Anfänge zurück. Anfang Februar wurde ein 34-jähriger Slowake aus Pilsen festgenommen, der sich im Lauf der Ermittlungen als Schlüsselfigur herausstellen sollte. Unmittelbar nach seiner Festnahme gingen die Straftaten spürbar zurück. Bald erkannte die Polizei eine bandenmäßige Struktur hinter den Vorfällen, weshalb die Kriminalpolizei Regensburg die zentrale Sachbearbeitung übernahm und die sogenannte „Ermittlungsgruppe Höll“ einrichtete.

Zur Vorgehensweise der Ermittler

  • Diebstähle:

    Im Herbst 2017 häuften sich im Grenzraum des Landkreises Einbrüche und Diebstähle.

  • Festnahme:

    Anfang Februar wurde ein 34-jähriger Slowake aus Pilsen festgenommen, der als Schlüsselfigur gilt.

  • Gruppe:

    Bald war eine bandenmäßige Struktur erkennbar, weshalb die Kriminalpolizei Regensburg die Sachbearbeitung übernahm.

  • Ermittlungen:

    Es wurde die sogenannte „Ermittlungsgruppe Höll“ eingerichtet, der auch Michael Müller von der Polizeiinspektion Furth im Wald angehörte.

  • Zusammenarbeit:

    Die grenzüberschreitenden Ermittlungen erforderten eine enge Zusammenarbeit mit der tschechischen Kriminalpolizei, so dass die Ansiedlung der EG Höll beim Kommissariat 10 in Furth im Wald logisch schien.

Neben Auswertungen und Recherchen in vorhandenen Akten wurden dann zunächst viele Zeugen und Geschädigte neu oder nochmals vernommen, berichtete Hermann Pongratz, Leiter des Kommissariates 10 der Kripo in Furth im Wald. Auch mussten die wegen anderer Taten in Justizvollzugsanstalten in Deutschland und Tschechien einsitzenden Tatverdächtigen zum Teil mehrmals aufgesucht und vernommen werden. Tatortspuren und Beweismittel waren zu untersuchen und zuzuordnen. Diese zeitintensiven Ermittlungen hätten die Beamten dann zu weiteren Tatverdächtigen geführt.

Kriminalität

„Schubkarrendiebe“ sollen vor Gericht

Ein Rumäne soll mit zwei Helfern rund 40 Einbrüche im Raum Furth im Wald begangen haben. Das Ziel war immer Werkzeug.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Haupttatverdächtige, der an den meisten Diebstählen selbst beteiligt gewesen sein dürfte, vermutlich mehrfach in der Woche zur Begehung von Straftaten nach Deutschland einreiste. Diese Diebestouren fanden mutmaßlich in wechselnder Besetzung statt. In einigen Fällen wurden Transporter benutzt, um entsprechende Mengen an Diebesgut transportieren zu können, Quads und Motorräder wurden zum Teil aber auch einfach selbst über die Grenze gefahren. Minderwertigeres Diebesgut wurde zum Teil wieder ausgeladen, wenn die Täter höherwertigeres auftaten.

Leute können Beratung nutzen

Ziel der Diebe waren vor allem nicht versperrte Eingangstüren, offenstehende Fenster und frei zugängliche Gelände, genauso wie schlecht gesicherte Gebäude wie Garagen, Scheunen, Schuppen und Lagerhallen. Deshalb entstand insgesamt nur geringer Sachschaden in Höhe von etwa 9000 Euro.

Das Diebesgut wurde nach vorliegenden Erkenntnissen im Bekanntenkreis der Täter sowie in Geschäften und auf Basaren in Tschechien veräußert. Ein 35-jähriger Ukrainer soll für einen Großteil der Beute als Hehler fungiert haben. Aufgrund mangelnder Kooperationsbereitschaft der meisten Tatverdächtigen konnte nur wenig Diebesgut sichergestellt werden.

Es gibt viele weitere ungeklärte Diebstähle, die der Tätergruppe vielleicht zugeordnet werden könnten, und auch die Dunkelziffer ist hoch. Viele Leute meldeten solche Diebstähle gar nicht, weil sie sich keine Hoffnung machen, ihre Sachen wiederzubekommen. Einen konkreten Tatverdacht in Bezug auf die Bande gibt es in 108 Fällen.

Je mehr Diebstähle über die Presse bekannt wurden, desto mehr Leute sind aber wohl zur Polizei gekommen, freut sich Ludwig Kreitl, stellvertretender Further Polizeichef. Er verweist auf das kostenlose Angebot der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle, an die sich Anwohner wenden könnten, um Tipps für die Sicherung ihrer Anwesen zu bekommen.

Die 14 Tatverdächtigen sind mit wenigen Ausnahmen in Tschechien polizeibekannt; drei der zehn Männer befinden sich bereits aufgrund von anderen Taten in Haft.

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