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Erbe

Diese Spende lässt ihn jubilieren

Sein schönstes Geschenk hat Neukirchens Museumsleiter Günther Bauernfeind schon erhalten: eine 500 Jahre alte Barbara-Figur.
Von Roman Hiendlmaier

Barbara bleibt: Museumsleiter Günther Bauernfeind hat die Figur nun für immer im Blick – aus der Dauerleihgabe wurde ein Besitzverhältnis. Fotos: rh
Barbara bleibt: Museumsleiter Günther Bauernfeind hat die Figur nun für immer im Blick – aus der Dauerleihgabe wurde ein Besitzverhältnis. Fotos: rh

Neukirchen b.Hl. Blut.Es gibt Geschichten, die so schön sind, dass sie einem Weihnachtsmärchen ähneln, obwohl sie tatsächlich passiert sind. Dazu gehört die Episode, wie und warum das Wallfahrtsmuseum Neukirchen b. Hl. Blut eine Holz-Skulptur der heiligen Barbara geschenkt bekommen hat.

Die Geschichte beginnt in der Schulzeit von Museumsleiter Günther Bauernfeind, genauer, in der Oberstufe des Viechtacher Gymnasiums. Der Teenager Bauernfeind kam gut klar mit seinem Lateinlehrer Albrecht Wilhelm – „trotz meiner Noten in diesem Fach“, wie der Vizechef der Landkreis-Museen lächelnd hinzufügt.

Kontakt zahlte sich aus

Auch nach der Schulzeit blieben beide lose in Kontakt – verbunden durch die gemeinsame Liebe zur Heimatgeschichte. Vorläufiger Höhepunkt dieser Freundschaft war 2002 eine Dauerleihgabe von Albrecht Wilhelm, eine Figur der heiligen Barbara.

Krippen aus aller Welt werden ab Mittwoch in einer neuen Ausstellung im Wallfahrtsmuseum gezeigt. Die Schmuckstücke stammen aus den Kunstsammlungen des Bistums Regensburg und von privaten Sammlern wie Bischof Voderholzer. Fotos: rh
Krippen aus aller Welt werden ab Mittwoch in einer neuen Ausstellung im Wallfahrtsmuseum gezeigt. Die Schmuckstücke stammen aus den Kunstsammlungen des Bistums Regensburg und von privaten Sammlern wie Bischof Voderholzer. Fotos: rh

„Allein schon das damals auf rund 500 Jahre geschätzte Alter macht die Figur schon wertvoll“, sagt Günther Bauernfeind über die geschnitzte Holzfigur, die in der Sammlung auch gleich einen besonderen Platz bekommen hat.

Als sein ehemaliger Lehrer im vergangenen Jahr starb, ahnte Günther Bauernfeind zunächst nichts Gutes. Und tatsächlich meldeten Erben ihren Anspruch auf die Heiligenfigur. Weil das nach Ansicht des Museumschefs auch das gute Recht dieser Leute war, sträubte er sich auch nicht, als die Erben ankündigten, die Figur abzuholen, um sie untersuchen und schätzen zu lassen.

Anfang Oktober war es soweit, und die schöne Heilige reiste nach München, um sich untersuchen zu lassen.

„Allein schon das damals auf rund 500 Jahre geschätzte Alter macht die Figur schon wertvoll.“

Günther Bauernfeind

„Das Ergebnis war eindeutig“, sagt Bauernfeind. „Ihre Anfertigung wurde auf Ende des 15. Jahrhunderts taxiert. Sie ist also tatsächlich über 500 Jahre alt.“ Wie die Fachleute weiter notierten, neigt die mit 78 Zentimetern recht stattliche Schutzpatronin der Bergleute ihr bekröntes Haupt leicht nach rechts, die linke Hand rafft den blauen Umhang über dem roten Kleid.

Klein wie ein Fingernagel ist diese Filigranarbeit – die aber nicht die kleinste ausgestellte Krippe ist. Die größte ist die mehr als drei Meter breite „Arnschwanger Krippe“ aus der Nähe von Cham, die Alois Ochsenmeier gestaltet hat. Fotos: rh
Klein wie ein Fingernagel ist diese Filigranarbeit – die aber nicht die kleinste ausgestellte Krippe ist. Die größte ist die mehr als drei Meter breite „Arnschwanger Krippe“ aus der Nähe von Cham, die Alois Ochsenmeier gestaltet hat. Fotos: rh

So alte Darstellungen von Heiligen gebe es zwar einige, sagt Bauernfeind, aber auch nicht allzu viele. Womit man neben dem kulturhistorischen beim finanziellen Wert der Figur angelangt sei. Der sei in solchen Fällen schwer zu schätzen – fest stehe, dass Liebhaber dafür sicher einen Preis im vierstelligen Bereich zahlen würden. Der Neukirchener Museumschef hatte jedoch frühzeitig den Erben deutlich gemacht, dass er die Figur zwar schätze und und als Ausstellungsstück für das Museum wertvoll halte, ein Ankauf aber nicht in Frage komme.

Daher hatte sich Günther Bauernfeind vom Erbe seines Lateinlehrers innerlich schon ein wenig verabschiedet – um sich gewaltig zu täuschen. „Ich bekam einen Anruf, dass die Erben sich besprochen haben und übereinkamen, dass die heilige Barbara wieder zurück an ihren Platz im Neukirchener Museum soll – und zwar für immer.“

Er könne die Figur abholen, hieß es, mit nur einer Auflage: Die Schenkenden sollten nicht genannt werden, der ehemalige Besitzer Albrecht Wilhelm dafür unbedingt. So konnte Günther Bauernfeind „seine“ Barbara Anfang November wieder in die Arme schließen und auf den Sockel in einer Großvitrine stellen.

Ein besonderer Gedenktag

Der Gedenktag für die heilige Barbara ist der 4. Dezember. Sie lebte Ende des dritten Jahrhunderts. Legenden berichten von Barbaras Schönheit, weshalb sie von ihrem reichen heidnischen Vater in einem Turm eingesperrt worden sei. Barbara aber erschien Johannes der Täufer, von dem sie die Taufe erhielt.

Playmobil-Figuren, Krippen aus Baumrinde oder Papier, gläserne Skulpturen aus der Porzellanmanufaktur Rosenthal, oder aus den USA: Die kulturelle und länderspezifische Vielfalt der bis 27. Januar gezeigten Werke ist enorm. Fotos: rh
Playmobil-Figuren, Krippen aus Baumrinde oder Papier, gläserne Skulpturen aus der Porzellanmanufaktur Rosenthal, oder aus den USA: Die kulturelle und länderspezifische Vielfalt der bis 27. Januar gezeigten Werke ist enorm. Fotos: rh

Sie wurde vom Vater an den römischen Statthalter ausgeliefert, der sie aber auch nicht zur Entsagung des Glaubens bewegen konnte. Nach den Legenden erlitt Barbara ein grausames Martyrium. Der eigene Vater enthauptete sie, woraufhin er vom Blitz erschlagen wurde.

Wie im Wallfahrtsmuseum dargestellt, zählt Barbara zu den „14 Nothelfern“ und den „drei Heiligen Madl’n“.

An ihrem Gedenktag an diesem Dienstag werden daher alljährlich „Barbarazweige“ von Obstbäumen abgeschnitten und ins Wasser gestellt, damit sie an Weihnachten blühen. Für Günther Bauernfeind ist der 4. Dezember seit heuer auch so etwas wie Weihnachten.

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