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Natur

Dieser Baum ist hart im Nehmen

Die Moorbirke stellt wenig Ansprüche. Und unter ihrem Schirm lässt sich’s gut wachsen – spannend für den Bayerwald.
Von Petra Schoplocher

Unschlagbar, wenn es um die Wiederbewaldung von Brand- oder Käferflächen geht: Die Moorbirke. Foto: Martin Hupf
Unschlagbar, wenn es um die Wiederbewaldung von Brand- oder Käferflächen geht: Die Moorbirke. Foto: Martin Hupf

Cham.Eiszeitrelikt, Sonderling, forstliches Unkraut – Das sind aber keine netten Bezeichnungen, die Jürgen Köbler für die neueste Baumart da mitgebracht hat. Fast kann sie einem leidtun, die Moorbirke...

„Nicht nötig“, sagt der Förster und schiebt den Grund gleich nach: Die Moorbirke spielt als Pionierbaumart eine wichtige Rolle. Auf Störungsflächen, nach Brand, Windwurf oder Schädlingsbefall, kann sie als Vorwald dienen, unter dessen Schirm dann die später nachkommenden Baumarten gut wachsen können. Im Gegensatz zu vielen anderen kann sie nämlich mit dem prallen Licht leben – und den Nachfolgearten den wichtigen Schatten bieten. „Hilfreich, wenn nicht gar unentbehrlich“, rückt Jürgen Köbler die Moorbirke und ihre Bedeutung für die Wiederbewaldung zurecht „und deshalb bitte nicht bekämpfen!“.

Moorbirke ist in Tundra und Taiga verbreitet

Bei der schnellen Verbreitung hilft ihr ihre sehr große Früchtezahl. Die geflügelten Nüsschen werden vom Wind weit verfrachtet. An ihren Untergrund stellt sie derart geringe Ansprüche, dass sie sogar auf für Wald grenzwertigen Böden wachsen kann. Bedeutet: Sie kommt mit einer äußerst geringen Nährstoffversorgung zurecht.

Unser Experte

  • Zur Person:

    Jürgen Köbler (55) stammt aus dem Odenwald und engagierte sich schon als Schüler im Naturschutzbund. Nach dem Forstwirtschaftsstudium ist er seit 1990 „diesseits des Cerchovs“ in verschiedenen Funktionen für die Bayerische Forstverwaltung tätig, aktuell als Revierleiter Furth im Wald.

  • Verbundenheit:

    „Mich hat es immer fasziniert, in möglichst naturnaher Landschaft unterwegs zu sein und dort die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Pflanzen, Tieren und Menschen zu beobachten und verstehen zu lernen.“

Sie kann auch Idylle: Die Moorbirke Foto: Martin Hupf
Sie kann auch Idylle: Die Moorbirke Foto: Martin Hupf

Doch die Moorbirke heißt auch Moorbirke, weil sie in kühlen bis kalten, feuchten oder nassen Standorten zurechtkommt und saure Substrate verträgt. Charakterpflanze ist sie natürlich für Birkenmoore, aber auch Eichen-Birken-Wälder. Da sie karge und nasse Böden bevorzugt, kann sie sich „dort (noch) halten, wo das Leben hart ist für die Pflanze“. Sie gilt als sehr frosthart, was nicht von ungefähr kommt, schließlich ist sie in Tundra und Taiga verbreitet und in Sibirien sogar bestandbildend, erklärt Jürgen Köbler. Was uns dazu bringt, dass es in Russland früher den Brauch gab, rote Bänder in die Birken als Schutz vor bösen Blicken zu hängen. Über Mythologie und „die Birke als Gesundheitsbaum“ könnte man Bücher schreiben, weiß der Förster und lenkt den Fokus wieder auf waldbauliche Fakten.

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Moorbirke ist Delikatesse für Rehe

Förster Jürgen Köbler Foto: Schoplocher
Förster Jürgen Köbler Foto: Schoplocher

Wenn die Bedingungen gut sind, kann sie die 30-Meter-Marke kratzen, in grenzwertigen Lagen bleibt es aber mitunter bei einem zehn Meter hohen, eher strauchartigen Gebilde. Allzu alt wird sie nicht. Wie ihre Verwandten hat auch die Moorbirke eine herausragende ökologische Bedeutung. Rund 100 Tierarten sind an die in Deutschland und Bayern vorkommenden vier Birkenarten gebunden, noch mehr – vor allem Schmetterlinge – erfreuen sich an ihr. Manche tragen den Baum sogar im Namen, wie der Birkenzeisig. Wer nur eine stehenlässt, leistet schon einen Beitrag zur Artenvielfalt, betont er. Wie gut Moorbirken sind, hat sich wohl auch beim Rehwild herumgesprochen, für dies ist die Art auch eine Delikatesse, entsprechend stark der Verbiss.

Charakteristisch: Die Warzen an der Moorbirkenrinde Foto: Hupf
Charakteristisch: Die Warzen an der Moorbirkenrinde Foto: Hupf

Für eine Abgrenzung zur Sandbirke empfiehlt sich ein Blick auf die einjährigen Zweige und die Blätter. Die der Moorbirke sind als Folge der Anpassung an kühlere Standorte samtig behaart. Deshalb wird sie auch Haar- oder Flaumbirke genannt. Ihr Holz ist nahezu weiß und teils mit feiner Maserung, es erscheint weich, ähnlich Pappel oder Linde, ist jedoch härter, zäh und elastisch – allerdings nicht witterungsbeständig. Genutzt wird es bei uns als Möbelholz, vor allem aber als Brennholz. Da könnte sie einem dann doch irgendwie wieder ein wenig leidtun...

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