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Dieses Amt ist 800 Jahre alt

Josef Stautner und Franz Liegl sind seit 50 Jahren Feldgeschworene. Die müssen manchmal sogar ein Geheimnis bewahren.
von Ingrid Milutinovic

  • Ehrung für 50 Jahre Ehrenamt: Josef Stautner (2. von links) und Franz Liegl (2. von rechts) erhielten unter anderem Ehrenurkunden. Foto: Ingrid Milutinovic/Ingrid Milutinovic
  • Grenzsteine wie dieser bei Untergrafenried werden regelmäßig auch auf Standfestigkeit überprüft. Foto: Ingrid Milutinovic/Ingrid Milutinovic

Waldmünchen.Eine Ehrung ganz besonderer Art stand am Montagnachmittag im Rathaus der Stadt an. Es ging um nicht mehr und nicht weniger als die 50-jährige Tätigkeit als Feldgeschworener. Franz Liegl und Josef Stautner aus Untergrafenried haben diese Aufgabe über diesen kaum zu glaubenden Zeitraum wahrgenommen – und sie nehmen diese auch weiterhin wahr. Denn Feldgeschworener zu sein ist ein Ehrenamt, das lebenslänglich gilt. Wie hoch dieser Einsatz geschätzt wird, zeigte sich, weil auch Christian Schmitz, seit März des vergangenen Jahres Leiter des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in Cham, zu diesem Anlass nach Waldmünchen gekommen war.

In ihren Ansprachen hoben Bürgermeister Markus Ackermann und Schmitz das Engagement der Feldgeschworenen hervor. Deren Aufgaben, die Voraussetzungen für dieses Amt, aber auch die Geschichte der Feldgeschworenen als solche – es wurde ein interessanter Ausflug in ein weithin unbekanntes Thema.

Aufgabe für Männer und Frauen

Seit mehr als 800 Jahren gibt es Feldgeschworene und damit ist dieses Ehrenamt eines der ältesten noch erhaltenen in der kommunalen Selbstverwaltung. Aber wie kommt man zu diesem Amt? Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen? Auch auf diese Fragen wussten Ackermann und Schmitz die Antwort. Der „Kandidat“ müsse gewissenhaft und verschwiegen sein, über ein gehöriges Maß an Selbstdisziplin verfügen und in der Region bekannt sein, nannten sie nur einige der Punkte. Auch die zeitliche Verfügbarkeit spiele eine Rolle. Denn mitunter sei die Arbeit auch etwas zeitaufwendiger: Gemeindegrenzen müssen abgegangen, Grundstücksgrenzen gekennzeichnet werden.

Können auch Frauen als Feldgeschworene tätig sein? Auch diesen stehe das Amt offen, sagte Schmitz lachend – vielleicht hatte er die Frage schon öfter gehört? Die verantwortungsvolle Arbeit geschieht immer in Zusammenarbeit mit der Vermessungsbehörde. Trotzdem darf ein Feldgeschworener auch selbstständig tätig werden – etwa, wenn er sieht, dass ein vorhandener Grenzstein höher oder tiefer gesetzt werden muss.

Die Organisation des Feldgeschworenenwesens ist klar geregelt. Grenzbegehungen erfolgen jeweils auf Anordnung des ersten Bürgermeisters. Hierbei festgestellte Mängel, etwa an Grenzzeichen, werden dem Grundstückseigentümer mitgeteilt. Bei Mängeln an Gemeindegrenzzeichen wird der Bürgermeister informiert. Anzeigen über Verlust oder Beschädigung von Grenzzeichen werden dem Obmann der Feldgeschworenen gemeldet, der wiederum die Feldgeschworenen informiert und den Arbeitsauftrag erteilt. Einmal ins Gespräch gekommen, entspann sich bei dem Ehrungs-Termin im Rathaus ein Ausflug in die 800-jährige Geschichte und die Gegenwart des Ehrenamts.

Ungefähr 25 000 Feldgeschworene gibt es in Bayern, ungefähr 20 für die Stadt Waldmünchen. Und auch, so Ackermann, wenn das Amt des Feldgeschworenen ein Ehrenamt auf Lebenszeit sei, achte man darauf, dass jüngere nachrücken. Denn auch die körperlich fordernde Seite des Amtes – wenn etwa Grenzsteine auch mal ausgegraben und neu gesetzt werden müssten – sei nicht zu unterschätzen. Allerlei Episoden aus der Geschichte gab es noch. So sei zum Beispiel die Bezeichnung „die Siebener“ darauf zurückzuführen, dass in der Regel sieben Feldgeschworene für ein Gebiet zuständig seien.

Geheimnis bewahren

Auch der Begriff „Siebenergeheimnis“ komme daher, erklärte Schmitz. Es sei wohl immer mal vorgekommen, dass Uneinigkeit über den richtigen Standort eines Grenzsteins herrschte. Dass ein Nachbar den anderen beschuldigte, den Grenzstein zum eigenen Vorteil versetzt zu haben. Deshalb war es Brauch, unter den Grenzstein, der vom Feldgeschworenen gesetzt wurde, ein geheimes Zeichen (etwa eine Scherbe, die untypisch für die Gegend war) zu verstecken – das Siebenergeheimnis eben. Wurde dann in Gegenwart eines anderen Feldgeschworenen der Grenzstein ausgegraben und die Scherbe gefunden, stand der Grenzstein am richtigen Ort; gab es keine Scherbe, war der Grenzstein versetzt worden.

Die Geschenke von Stadt und Landkreis für die Geehrten zeigten nicht nur die Wichtigkeit der Aufgabe und die Wertschätzung, sondern hatten auch direkten Bezug zur geleisteten Arbeit: Kopien alter Karten, die die Region Waldmünchen und Untergrafenried zeigten und – Ausdruck einer ganz besonderen Ehre – eine Ehrenurkunde, unterzeichnet vom bayerischen Finanz- und Heimatminister Albert Füracker.

Amt und Aufgaben des Feldgeschworenen

  • Das Amt:

    Feldgeschworene gibt es bereits seit mehr als 800 Jahren. Sie gehören inzwischen zum immateriellen Kulturerbe. Bayernweit sind es etwa 25 000, für Waldmünchen ungefähr 20 Personen, die dieses Amt ausüben. Voraussetzung für die Ausübung des Amtes sind unter anderem Gewissenhaftigkeit, Verschwiegenheit und auch Selbstdisziplin. Der Feldgeschworene wird vom jeweiligen Bürgermeister ernannt und übt sein Ehrenamt auf Lebenszeit aus.

  • Die Aufgaben:

    Die Aufgaben sind vielfältig. So werden unter anderem die Gemeindegrenzen auf Anordnung des Bürgermeisters abgegangen. Mängel an Grenzzeichen werden dem jeweiligen Grundstückseigentümer mitgeteilt, bei Gemeindegrenzzeichen ist dies der Bürgermeister. Mängel an Verlust oder Beschädigung von Grenzzeichen werden dem Obmann der Feldgeschworenen gemeldet, der dann dem jeweiligen Feldgeschworenen einen Arbeitsauftrag erteilt.

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