MyMz
Anzeige

Kultur

Dieses Museum macht Natur spürbar

Das Holzkunstmuseum im Drexler-Hof in Arrach ist eröffnet: Darin ausgestellt ist das Lebenswerk von Horst Giese aus Berlin.
Von Regina Pfeffer

Mit vielen Ehrengästen wurde das Holzkunst-Museum im Drexler-Hof Arrach eröffnet. Künstler ist Horst Giese aus Berlin (2. v. li.). Fotos: krP
Mit vielen Ehrengästen wurde das Holzkunst-Museum im Drexler-Hof Arrach eröffnet. Künstler ist Horst Giese aus Berlin (2. v. li.). Fotos: krP

Arrach.Eins hatte der Bayerische Wald schon immer im Überfluss: Holz. Für kunstliebende Menschen ist Holz der perfekte Werkstoff, um ihre kreative Ader auszuleben. Horst Giese (87) aus Berlin ist seit gut 40 Jahren künstlerisch tätig. Seit dem Jahr 1971 widmet sich der pensionierte Postbeamte der Holzgestaltung. Jetzt ist sein Lebenswerk im Holzkunst-Museum im Drexler-Hof in Arrach zu sehen.

Die offizielle Eröffnung mit Schlüsselübergabe fand in Anwesenheit von Landrat und Bezirkstagspräsidenten Franz Löffler sowie weiterer Ehrengäste statt. „Hier ist Ihre Kunst gut aufgehoben“, versicherte Bürgermeister Sepp Schmid dem Künstler. Giese habe mit seinen Exponaten den Bayerischen Wald in besonderer, manchmal gar extremer Weise dargestellt. „Das neue Highlight in Arrach ist eine touristische Bereicherung“ endete Schmid und überreichte an Horst Giese mit Frau Gerda sowie die Familie Drexler ein Präsent.

Berühren erlaubt, kein Verkauf

Künstler Horst Giese erklärt Ehrenbürger Franz Zisler die Exponate.
Künstler Horst Giese erklärt Ehrenbürger Franz Zisler die Exponate.

„Das sind auch für einen Landrat Momente, wo einem das Herz aufgeht“, so Landrat Löffler, der der hervorragenden Gestaltung des Museumsdorfes allergrößten Respekt entgegenbrachte. Das Museumskonzept sei eines der modernsten, attraktivsten und innovativsten weit und breit und Aushängeschild für den ganzen ostbayerischen Raum. „Das hat wirklich Vorbildcharakter.“ Hinsichtlich der bestehenden gut 30 Museen im Landkreis Cham seien die Fragen, die sich Löffler stellen: Brauchen wir noch ein Museum? Welche Bedeutung, Rolle und Auftrag haben Museen in der heutigen Zeit? In der Phase der Internationalisierung und Globalisierung sei es ihm ganz wichtig, dass die Menschen durch die Digitalisierung die positiven Chancen nutzen können. Alle seien eingeladen, hierher zu kommen, um zu spüren und zu sehen, welch wunderbarer Werk- und Kunststoff Holz ist. „Diese Ausstellung und der Kunstwert dieses Museums hat einen ganz wichtigen Platz in unserem Herzen“, versicherte Löffler, der seinen Dank und Respekt für das einmalige und einzigartige Museum abstattete.

Ergebnis einer besonderen Partnerschaft

  • Kontakt

    Den ersten Kontakt mit dem Künstler stellte der Sachgebietsleiter Tourismus beim Landratsamt Cham, Albert Seidl, her. Basis war die Partnerschaft zwischen dem Landkreis Cham und dem Trägerverein Lichtenrader Volkspark in Berlin-Tempelhof.

  • Patenschaft

    1983 übernahm der Landkreis Cham die Patenschaft für den Lichtenrader Volkspark, welche in erster Linie ideeller Natur ist. Hintergedanke: Der Landkreis Cham wollte touristisch wieder mehr im damaligen West-Berlin werben und hiermit bot sich eine sehr gute Plattform. Der Naturparkverein Oberer Bayerischer Wald, 39 Städte und Gemeinden aus dem Landkreis Cham sowie mehr als zehn Baumschulen beteiligten sich daran. Gestiftet wurden Pflanzen, Sträucher, Ruhebänke, Tische, Schnittholz im Gesamtwert von rund 100 000 Euro. Als besonderes Zeichen der Verbundenheit leuchtet alljährlich seit 1984 vor dem Rathaus in Tempelhof ein Christbaum aus dem Landkreis Cham.

  • Ausstellung

    Rund 50 Exponate der Holzarbeiten von Horst Giese waren bereits von April bis Ende Oktober 2011 in einer Ausstellung im Bayerwald Handwerks- und Mineralienmuseum im Drexlerhof in Arrach zu bewundern.

  • Öffnungszeiten

    Das Holzkunstmuseum ist geöffnet ab morgen Donnerstag täglich (Mo bis So) von 10 bis 18 Uhr.

Horst Giese erzählte von den zeitaufwendigen Aufbauarbeiten des Museums, das sich über 400 Quadratmeter auf zwei Etagen erstreckt. Rund 600 Exponate fanden den Weg von Berlin-Marienfelde nach Arrach, weitere sollen noch folgen. „Darunter sind auch einige noch nie ausgestellte Werke“, verriet der umtriebige Naturfreund, der ohne Auto, Telefon, Fernseher und Computer lebt. „Hier ist das richtige gemischte Publikum“, zeigte er sich sicher. Das Holz für seine Werke kaufte er aber nicht im Laden, sondern er nutzt seine regelmäßigen Ausflüge in die Natur für die Suche nach Materialien. Die Ideen dazu skizziert er dann auf vielen kleinen Notizzetteln. „1200 kleine Kunstwerke könnte ich noch herstellen mit dem passenden Holz dazu“, so Giese, der in seinen Werken Natur oder Alltag, Heimatforschung und Gesundheit, Musik und Kultur, Religion und Geschichte, Krieg und Frieden, Politik und Umwelt reflektiert.

Eine Abteilung der Kunstsammlung widmet sich dem religiösen Aspekt des Kreuzes.
Eine Abteilung der Kunstsammlung widmet sich dem religiösen Aspekt des Kreuzes.

Das Museum solle ein Ort der Begegnung sein, diesen Anspruch hat der Autodidakt an seine Arbeiten. Beim Rundgang durch das Museum ist der Betrachter eingeladen, die Kunstwerke mit allen Sinnen zu erleben. Das Berühren der Kunstwerke ist keineswegs verboten, sondern erwünscht. Auch deshalb ist das Museum besonders für Kinder und sehbehinderte Menschen geeignet. Die Kunstwerke sind unverkäuflich. Er wolle vor allem auch den Kindern und Jugendlichen, aber auch älteren Menschen und Arbeitslosen zeigen, was man mit Holz machen kann. „Mitdenken und mit der eigenen Muskulatur und Kraft etwas herstellen. Das erspart sogar den Doktor.“, so der drahtige und rüstige Mann, für den es eine besondere Herausforderung war, seine Werke in ein bestehendes Museum zu integrieren.

Schlüsselübergabe an Hausherrn

Sein Wissen und seine Leidenschaft weiterzugeben, ist ein weiterer Grund für das Museum. „Ich möchte den Erfahrungsschatz meines Lebens mit anderen teilen. Ich will informieren und anregen, wie und womit sich jeder, der die Natur liebt, beschäftigen kann.“ Für die interessierten Besucher hängt in jedem Raum eine Informationsmappe mit den Gedankengängen des Künstlers sowie geschichtlichen und fachlichen Hinweisen aus. Emaille-Schilder benennen die Exponate.

Es folgte die offizielle Schlüsselübergabe des Künstlers an den Hausherrn Reinhard Drexler. Anschließend hatten die Gäste noch Gelegenheit, durch die Räume zu streifen, begleitet von den Erklärungen des Künstlers. „Egal, in welchem Raum Sie sich aufhalten, Sie stehen immer inmitten eines Waldes“, so Giese. Mit einem Essen im Museumscafé klang die Einweihung aus. (krp)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht