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Region Cham
Mittwoch, 15. August 2018 24° 6

Justiz

Discoausraster vor Gericht verhandelt

Der 44-jährige Angeklagte soll in einem Chamer Lokal drei Gäste geschlagen und dann Polizisten attackiert haben.

Der Angeklagte hatte zur Tatzeit 1,6 Promille Alkohol im Blut. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Der Angeklagte hatte zur Tatzeit 1,6 Promille Alkohol im Blut. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Cham.Ein hohes Maß an Aggression zeigte ein 44-jähriger Servicetechniker aus dem Landkreis Cham Anfang Oktober in einer Chamer Diskothek. Die Anklage vor dem Chamer Amtsgericht lautete Körperverletzung in drei Fällen sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Zunächst soll er einem Unbekannten ohne ersichtlichen Grund auf der Tanzfläche einen Kopfstoß auf die Stirn verpasst haben. Anschließend sei ein Faustschlag mit rechts auf die Nase erfolgt, was neben einem Nasenbeinbruch zu drei abgebrochenen Zähnen führte. Einem Sicherheitsmitarbeiter sei es nicht gelungen, den Mann zu fixieren – im Gegenteil: Auch der Sicherheitsmitarbeiter musste Kopfstöße einstecken und verlor einen Schneidezahn. Die inzwischen alarmierte Polizei konnte den Servicetechniker nur unter unmittelbarem Zwang fesseln. Er habe erheblichen körperlichen Widerstand geleistet. Der alkoholisierte Mann habe weder mit zum Dienstwagen gewollt, noch sich bei der anstehenden Durchsuchung auf der Dienststelle kooperativ gezeigt. Schließlich wurde er in Gewahrsam genommen.

Die Verteidigung benannte den hohen Alkoholkonsum als Ursache für den Gewaltexzess. Ansonsten räume der Angeklagte sämtliche Vorwürfe ein. Er habe eine etwas verschwommene Erinnerung an die Nacht, wolle aber Schadenswiedergutmachung betreiben. Er habe an diesem Abend über die Strenge geschlagen, bedauerte der Angeklagte sein Verhalten. Die 1,6 Promille Alkohol im Blut seien eine Ausnahme gewesen. Er habe die Diskothek an besagtem Abend aufgesucht, um seine Hochzeit mit Freunden nachzufeiern.

In den Zeugenstand trat das Opfer, ein 20-jähriger Furtherer. Zudem als Nebenkläger auftretend schilderte der junge Mann die Geschehnisse aus seiner Sicht. Er sei auf der Tanzfläche vom Täter angerempelt worden und bat ihn, doch etwas vorsichtiger zu sein. Diesem Wunsch sei er zunächst nachgekommen, habe aber unvermittelt den Kopfstoß ausgeteilt, dann den Schlag ins Gesicht. Er sei mit dem Krankenwagen in die Notaufnahme gefahren worden, wo der Nasenbeinbruch operiert werden musste. Er sei zwei Wochen krankgeschrieben gewesen, die Heilung sei gut vorangeschritten.

Der Angeklagte nutzte die Gelegenheit, um sich persönlich beim Opfer zu entschuldigen. Nach kurzer Besprechung wurde ein Vergleich geschlossen, nachdem das Opfer 2000 Euro erhält. Zum Schluss der Beweisaufnahme sagte ein beteiligter Polizist aus. Seinen Schilderungen zufolge seien vier Mann nötig gewesen, um den äußerst aggressiven Mann zu überwältigen. Er habe immer wieder versucht, seine Grenzen gegenüber den Beamten auszutesten, sich erst nach einiger Zeit wieder beruhigt. 20 Einträge im Bundeszentralregister, davon einige einschlägige Vorstrafen, ließen die Verteidigung wissen, dass es für den Angeklagten eng werden könnte. Allerdings habe er feste Arbeit, eine neue Ehefrau und wieder regelmäßigen Kontakt zu seinen Kindern. All dies spreche für eine positive Sozialprognose. Die Staatsanwaltschaft kam nach Abwägung aller Gesichtspunkte zu dem Ergebnis, dass eine Bewährungsstrafe gerade noch möglich sei und forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe von 12 Monaten zu bilden. Für die Verteidigung erschienen acht Monate zur Bewährung ausreichend. Richter Wolfgang Voit entschied sich für eine Gesamtfreiheitsstrafe von elf Monaten zur Bewährung. Es sei ein Grenzfall – die Bewahrung sei hier keinesfalls selbstverständlich. So sei die Bewährungszeit mit fünf Jahren auf das Maximum anzusetzen. Ein Bewährungshelfer soll ihn begleiten. Zusätzliche Auflagen sind die Teilnahme an einem Anti-Aggressionstraining sowie mehrere Geldauflagen. (cya)

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