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Natur

Dramatisches Massensterben

Der ÖDP-Kreisverband lud zu einem Expertenvortrag zum Thema „Artensterben“. Fazit: Jeder kann und muss etwas verändern.
Von Elisabeth Angenvoort

Referent Dr. Andreas Segerer, ÖDP Landratskandidat Sönke Siebold, Dr. Stefan Scheingraber, Spitzenkandidat Florian Gruber und Alfons Vogl (Liste Tiefenbach) (von rechts).  Foto: Elisabeth Angenvoort
Referent Dr. Andreas Segerer, ÖDP Landratskandidat Sönke Siebold, Dr. Stefan Scheingraber, Spitzenkandidat Florian Gruber und Alfons Vogl (Liste Tiefenbach) (von rechts). Foto: Elisabeth Angenvoort

Waldmünchen.Die gute Nachricht soll an dieser Stelle zuerst stehen: Es war die erste Veranstaltung seit langem, die „in einem versöhnlichen Ton“ mit den Landwirten statt finden konnte. „Das geht in die richtige Richtung“, sagte Dr. Stefan Scheingraber am Freitagabend.

Der Kreislistenkandidat der ÖDP zeigte sich erfreut, dass so viele Interessenten „mehrerer Generationen“ der Einladung des ÖPD-Kreisverbands Cham gefolgt waren, um den Fachvortrag eines „absoluten Experten“ auf dem Gebiet der Insektenforschung zu hören: Dr. Andreas Segerer von der Sektion Lepidoptera (Schmetterlingsforschung) der Zoologischen Staatssammlung München. Unter den Zuhörern befanden sich der Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes, Franz Kerscher, sowie der Vorsitzende vom Kreisverband für landwirtschaftliche Fachbildung, Franz Traurig. Das Thema „Artensterben“ sei mittlerweile hinter der Diskussion zum Klimawandel zurückgetreten und habe sich in einen Konflikt mit der Landwirtschaft gewandelt, sagte Scheingraber. Man dürfe es jedoch keinesfalls „im politischen Gezänk untergehen lassen“.

Fakten und Zahlen

Er spreche als zur Neutralität verpflichteter Wissenschaftler, betonte Segerer zu Beginn seiner Ausführungen; er wolle „gegen niemanden eine Anklage erheben“. Festzuhalten sei zunächst, dass der derzeit vieldiskutierte Klimawandel keinesfalls die größte Bedrohung für unseren Planeten sei. Das System unserer Erde werde vielmehr in neun ökologischen Dimensionen grenzwertig belastet. Daher reiche es nicht aus, dass „die Leute für das eine auf die Straße gehen, für das andere nicht“.

Was jeder tun kann

  • Umdenken: Feindbilder helfen nicht weiter. Es geht um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

  • :

    Regional denken Durch einen lokalen Pakt zwischen Erzeuger, Handel und Verbraucher entstehen kommunale „Keimzellen“.

  • Konkret denken: Lebensräume schaffen (Blühmischungen mit einheimischen Pflanzen!)

Eine Art „Volkszählung“ der Schmetterlinge in Bayern im Jahr 2016 habe gezeigt, dass in den vergangenen drei Jahrzehnten mehr Arten verschwunden sind als in den 200 Jahren zuvor, und dies sei nur ein kleiner Teil des weltweiten Artensterbens. „Fakt ist: Wir haben es mit einer globalen Biodiversitätskrise zu tun“, sagte Segerer.

Das Fatale dabei: dieses „erdgeschichtliche Massensterben“ sei im Unterschied zu den vorhergehenden Katastrophen in der „Ära höheren Lebens“ vom Menschen gemacht. Zwar folge er nicht ganz der Aussage des US-amerikanischen Entomologen Edward O. Wilson, ohne Insekten hätte die Menschheit noch ganze zehn Jahre zu leben. Doch „auch wenn die Menschheit überlebt, kämen wir zu Zuständen, die keiner will“, sagte Segerer.

Die Politik sei ihrem Auftrag, den sie durch das Volksbegehren erhalten habe, bisher nicht nachgekommen. Man handle „wider besseren Wissens“ und lasse die „Hauptverursacher“ außen vor. Die bisher praktizierten Maßnahmen würden am „Grundübel“ vorbei gehen. Das „eklatante Ungleichgewicht von Ökologie und Ökonomie“ mache einen Wandel des Systems jedoch dringend notwendig, denn „mit Naturgesetzen kann man nicht verhandeln“, betonte Segerer.

Kommunikation ist wichtig

Sönke Siebold, Landratskandidat des ÖDP Kreisverbandes sagte, die Politik werde erst dann reagieren, wenn die Wirtschaft es vorgebe: „und wir können die Wirtschaft manipulieren“. Hier sei jeder einzelne gefragt; die Gesamtbevölkerung stehe in der Schuld, und nicht allein die Landwirte. In der nachfolgenden Gesprächsrunde wurde die Schwierigkeit deutlich, Lösungsmöglichkeiten zu finden, die allen Seiten „gerecht“ werden. Wichtig sei die Kommunikation, betonte Siebold. Jede Entscheidung in dieser Sache sei „nichts wert“, wenn sie nicht im gemeinsamen Miteinander getroffen werde. Er hoffe auf ein weiteres Treffen, um „ins Detail“ gehen zu können.

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