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Region Cham
Freitag, 21. September 2018 26° 3

Natur

Drastischer Vogelschwund im Kreis Cham

Eine Zählung des LBV belegt: Die Zahl der Feldvögel hat um 40 Prozent abgenommen. Auch die Vielfalt der Arten wird geringer.

Zweifelsohne eine vogelkundliche Besonderheit ist dieser prächtige Mittelspecht, gesichtet, beobachtet und abgelichtet in einem Garten in Roding.Foto: Ursula Groth
Zweifelsohne eine vogelkundliche Besonderheit ist dieser prächtige Mittelspecht, gesichtet, beobachtet und abgelichtet in einem Garten in Roding.Foto: Ursula Groth

Arnschwang.Trotz Rekordbeteiligung wird bei der gemeinsamen Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ von LBV und NABU deutlich, dass im Freistaat insgesamt immer weniger Vögel beobachtet werden. Zwar zählten bayernweit erstmalig über 32 000 Teilnehmer insgesamt über 760 000 Vögel, sie sahen im Durchschnitt aber nur noch 34 gefiederte Gäste pro Garten. 2011 wurden im Vergleich noch 42 Vögel gezählt. Immerhin wurden in der Geschichte des Bürgerforscher-Projekts noch nie so viele Stare beobachtet wie Anfang Januar 2018. Nach einem starken Einbruch im vergangenen Jahr führt die Kohlmeise dieses Jahr wieder vor Haus- und Feldsperling die Top 3 an. Im Landkreis Cham ist wie schon alle Jahre zuvor der Feldsperling die Nummer 1 der Beobachtungen.

Der LBV hat im Vorfeld für die Aktion „Stunde der Wintervögel“ (5. bis 7. Januar 2018) geworben: „Nehmen Sie sich eine kleine Auszeit für die Natur. Genießen Sie eine Stunde lang den entspannenden Anblick der Vögel.“

Die Wintergäste am Futterhaus

Der Grünfink bereitet Sorgen

Nicht nur bayernweit, sondern auch im Landkreis Cham werden immer weniger Vögel gezählt. Ein deutlicher Rückgang der häufigen Arten ist zu beobachten. Beunruhigend sind für den LBV der Abwärtstrends vor allem beim Grünfink. Mittlerweile erscheint er nach Mitteilung des LBV nur noch in 27 Prozent der Gärten im Landkreis. Seine Zahlen nehmen zwar langsam, dafür aber seit Jahren stetig ab. Auch der Rückgang der Population von typischen Feldvögeln wie Goldammer, die im Vergleich zum Vorjahr fast 40 Prozent abgenommen haben, bereitet dem LBV große Sorgen (23., Vorjahr 14.) im Landkreis Cham wurde der Goldammer gerade noch in 7,5 Prozent der Gärten gezählt. Er gilt als typischer Vogel der Wiesen- und Ackerlandschaften. Daher aber machen ihm der zunehmende Flächenfraß, Monokulturen, der Einsatz von Agrargiften in der Landschaft und die Zerstörung von Randgehölzen und Sträuchern schwer zu schaffen, teilt der LBV dazu mit.

Der Star mag es schön warm

Der Feldsperling (Passer montanus) ist in Gärten der Dörfer daheim.Fotos: LBV
Der Feldsperling (Passer montanus) ist in Gärten der Dörfer daheim.Fotos: LBV

Angesichtes des milden Winters haben sich einige Zugvogelarten die weite Reise nach Süden gespart. Solange der Boden nicht gefroren ist, finden sie immer noch Nahrung. Der Vogel des Jahres 2018, der Star, wurde so oft wie noch nie gezählt. Im Landkreis Cham belegt er zwar nur den 54. Platz, bayernweit hat er nur knapp den 20. Platz mit 6500 gezählten Vögeln verpasst; ein Ergebnis, das auch auf die Klimaveränderung und des dadurch veränderten Zugverhaltens hinweist. In den wärmeren bayerischen Regionen, wie zum Beispiel Aschaffenburg, war er sogar der dritthäufigste Vogel. Ebenso auffällig waren bayernweit die vermehrten Meldungen von Zilpzalp, Mönchsgrasmücke, Hausrotschwanz und Bachstelze, die wie der Star eigentlich zu den Kurzstreckenziehern gehören und Bayern verlassen.

Die Kohlmeise (Parus major) ist die am weitesten verbreitete Meisenart in Bayern. Fotos: LBV
Die Kohlmeise (Parus major) ist die am weitesten verbreitete Meisenart in Bayern. Fotos: LBV

Nach dem Ausbleiben im Vorjahr sind die Meisen wieder da. Sie sind ein kleiner Lichtblick. Nicht nur die Kohlmeise, sondern auch Blau-, Sumpf,-, Tannen und Haubenmeisen wurden wieder weitaus häufiger gezählt, als noch 2017. Trotz rückläufiger Gesamtbestandszahlen lieferten sich Haus- und Feldsperling ein spannendes Kopf- an-Kopf-Rennen. Im Chamer Land gewinnt es allerdings regelmäßig der Feldsperling (Platz 1). Der Haussperling landet auf Platz 3. Mit etwas Abstand dahinter, landet die Blaumeise auf einem soliden 4. Platz. Weit abgehängt wurde die Amsel (Rang 5). Die Amsel konnte zwar Rang 5 besetzen, doch diesen mit deutlichen Federlesens. Sollte auch bei ihr der Trend so weitergehen, muss auch ihre Situation neu bewertet werden. Rekordverdächtig in diesem Jahr sind auch die Meldungen von Spechten. So wurde der Buntspecht so häufig und in so vielen Gärten wie noch nie beobachtet und schaffte es in die Top Ten (10.).

Der Haussperling (Passer domesticus) zeigt wenig Scheu vor Menschen. Fotos: LBV
Der Haussperling (Passer domesticus) zeigt wenig Scheu vor Menschen. Fotos: LBV

Im Landkreis Cham gab es zudem unter den Spechten ein Highlight. Im Rodinger Raum konnten, wie auch schon im Jahr 2017, Mittelspechte beobachtet werden. Ursula Groth hat sie sogar fotografieren können, und zwar in ihrem Garten, der für Vögel ein Paradies ist. Bei einem Besuch eines Echo-Reporters im Sommer vorigen Jahres hat Ursula Groth wissen lassen, dass Spechte (also nicht nur Mittelspechte) aus einem Biotop in der Nähe ihres Gartens einfliegen. In besagtem Biotop finden sie Groths Worten nach mit Eichenbäumen auch einen idealen Lebensraum. Mit durchschnittlich 40 Vögeln pro Garten lag das Ergebnis im Landkreis Cham im Übrigen über dem Schnitt von 35 in der Oberpfalz und 34 in Bayern. Die Kreisgruppe Cham des Landesbundes für Vogelschutz möchte sich hiermit auch noch mal bei allen 281 Teilnehmern aus dem Landkreis bedanken, die dieses Bürgerforschungsprojekt unterstützt haben und somit diesen Einblick in die Welt unserer Wintervögel in den Gärten gewährleisten. Bezirks- und landkreisgenaue Ergebnisse und Auswertungen finden sich im Internet unter www.stunde-der-wintervoegel.de.

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