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Kultur

Drei Jahrzehnte Klassiker auf Bairisch

Die Waldfestspiele Bad Kötzting werden 30 Jahre alt. Eine Ausstellung zeigt die Geschichte der Festspiele am Ludwigsberg.
Von Alois Dachs

Da staunte nicht nur Max Lerach: Aus den Anfangsjahren dokumentieren Fotos die ersten „Spielversuche“ am Ludwigsberg. Fotos: Christa Rabl-Dachs
Da staunte nicht nur Max Lerach: Aus den Anfangsjahren dokumentieren Fotos die ersten „Spielversuche“ am Ludwigsberg. Fotos: Christa Rabl-Dachs

Bad Kötzting.Mit einem beachtlichen Besucherandrang wurde Ostermontag im Pfarrzentrum die Ausstellung „30 Jahre Waldfestspiele Bad Kötzting – Klassiker auf Bairisch“ eröffnet. Beate Bauer lobte als Vorsitzende der Festspielgemeinschaft nicht nur die zahlreichen Helfer, die unter der Regie von Tamara Eggersdorfer die eine sehenswerte Präsentation aufgebaut hatten; sie dankte vor alllem Stadtpfarrer Herbert Mader für die Überlassung der Kirchenburg.

Der „Festspielchor“ unter Leitung von Wolfgang Kerscher (r.) trug mit bekannten Liedern aus verschiedenen Inszenierungen zur Eröffnung der Ausstellung bei. Dabei kam auch „Der Ratz“ wieder einmal zu Ehren. der 1990 von Franz Bachl im „Faust“ besungen wurde. Fotos: Christa Rabl-Dachs
Der „Festspielchor“ unter Leitung von Wolfgang Kerscher (r.) trug mit bekannten Liedern aus verschiedenen Inszenierungen zur Eröffnung der Ausstellung bei. Dabei kam auch „Der Ratz“ wieder einmal zu Ehren. der 1990 von Franz Bachl im „Faust“ besungen wurde. Fotos: Christa Rabl-Dachs

„Hinten bei das Stodltür, steht a oida Musketier…“ sang der von Wolfgang Kerscher geführte „Festspielchor“ zur Eröffnung der Bilderausstellung. „Wer hätte das 1988 vermutet“, fragte Beate Bauer, als beim Jahresausflug der Pfingst-Festspieler zur „Schweppermann“-Inszenierung durch Johannes Reitmeier in Kastl bei Amberg nicht nur eine „Jedermann“-Aufführung am Ludwigsberg angekündigt, sondern auch gleich die Rollenverteilung angegeben wurde. Der Klassiker wurde von Reitmeier und Thomas Stammberger ins Bairische umgeschrieben, der städtische Bauhof stellte die Holztribüne am Ludwigsberg auf, und aus dem Bierzelttisch, an dem die Eintrittskarten verkauft wurden, entstand gleich danach eine Sektbar.

Am Anfang Tagaufführungen

Tamara Eggersdorfer, nach deren Idee die Ausstellung „30 Jahre Waldfestspiele am Ludwigsberg – Klassiker auf bairisch“ konzipiert und vorwiegend von jungen Mitgliedern der Festspielgemeinschaft umgesetzt wurde, besichtigte mit ihrem Mann Patrick die Stellwände. Fotos: Christa Rabl-Dachs
Tamara Eggersdorfer, nach deren Idee die Ausstellung „30 Jahre Waldfestspiele am Ludwigsberg – Klassiker auf bairisch“ konzipiert und vorwiegend von jungen Mitgliedern der Festspielgemeinschaft umgesetzt wurde, besichtigte mit ihrem Mann Patrick die Stellwände. Fotos: Christa Rabl-Dachs

Weil die Festspieler weder Scheinwerfer hatten, noch Tonübertragungsmöglichkeiten, wurden mehrere Tagesvorstellungen gespielt, vor allem auch für die Schulen. Als Regisseur Johannes Reitmeier dem „Jedermann“ Robert Auzinger und der „Buhlschaft“ Beate Bauer einen Theaterkuss erläutern wollte, erklärte Auzinger: „Des brauch’ ma net, mir moch ma des in echt, des kinn ma scho!“ Vom Erfolg beflügelt, wurde eine zweite „Jedermann“-Saison für 1989 ins Auge gefasst und die Festspielgemeinschaft gegründet. Der authentische Dialekt wurde schnell zum Markenzeichen der Festspielgemeinschaft, sagte Beate Bauer.

Premiere auf dem Ludwigsberg

Thomas Stammberger,  der den bairischen „Jedermann“ mit verfasst hatte, gratulierte der Vorsitzenden Beate Bauer (r.) zu dieser Ausstellung. Wie er zeigten sich auch viele Darsteller aus den zahlreichen Inszenierungen beeindruckt von der Vielfalt und Originalität der Fotos. Fotos: Christa Rabl-Dachs
Thomas Stammberger, der den bairischen „Jedermann“ mit verfasst hatte, gratulierte der Vorsitzenden Beate Bauer (r.) zu dieser Ausstellung. Wie er zeigten sich auch viele Darsteller aus den zahlreichen Inszenierungen beeindruckt von der Vielfalt und Originalität der Fotos. Fotos: Christa Rabl-Dachs

Am Ende der Saison 1989 hatte die FSG 3000 D-Mark auf dem Konto, konnte sich endlich Scheinwerfer leisten und zwei Holzbuden für Requisiten und Schminkkammer bauen. In den Anfangsjahren hätten „Hand- und Spanndienste“ bei weitem den finanziellen Aufwand des Vereins übertroffen, merkte die Vorsitzende an. Sie schätzt, dass in diesen 30 Jahren durch die Festspielgemeinschaft rund 750 000 Euro investiert wurden. Ein „Vergelt’s Gott“ galt allen, die den Festspielern bei Bedarf unter die Arme griffen. „Ich wünsche mir, dass das erst der Anfang der Waldfestspiele ist“, sagte die FSG-Vorsitzende im Rückblick auf 30 bewegte Jahre. Johannes Reitmeier, Thomas Stammberger, Wolfgang Stammberger und der damalige Bürgermeister Theo Zellner, heute Ehrenmitglied, seien die Triebfedern für die ersten Erfolge gewesen, so Beate Bauer. Mit dem Lied „Der Ratz“ aus dem Faust und „Mit Lieb bin ich umfangen“ aus dem Jedermann erinnerte der Chor an die großen Erfolge am Ludwigsberg, ehe Bürgermeister Markus Hofmann die Eröffnung der von Tamara Eggersdorfer und vielen Mitarbeitern konzipierten Ausstellung als ganz besondere Ostermontag-Veranstaltung würdigte. „Wie könnte man besser zeigen, als mit Bildern, was in den vergangenen drei Jahrzehnten in den Theatersommern am Ludwigsberg ablief“, sagte der Bürgermeister, der auch Thomas Stammberger samt seiner Gattin zu diesem Ereignis begrüßte. Ihn freue besonders, dass die Festspieler ebenfalls die Kirchenburg als Ausstellungsort entdeckt hätten.

Das Engagement vieler junger Mitglieder mache Hoffnung auf eine positive Zukunft für die Festspielgemeinschaft und darauf, dass auch in Zukunft mit dem gleichen Einsatz und Engagement weiter gearbeitet werde. „Als Stadt sind wir stolz darauf, dass es euch gibt“, sagte der Bürgermeister, ehe er mit der Vorsitzenden Beate Bauer auf einen Erfolg des 2018 anstehenden „Weiberstreiks“ anstieß.

Was gespielt wurde

Das Pfingstbrautpaar mit Begleitern begeisterte sich für die Plakate von der Uraufführung des Festspiels „Pfingstrittehr‘“ im Jahr 1949 und von der Neuauflage unter Leitung von Johannes Reitmeier im Jahr 1988, als auch die Festspielzeit am Ludwigsberg begann. Fotos: Christa Rabl-Dachs
Das Pfingstbrautpaar mit Begleitern begeisterte sich für die Plakate von der Uraufführung des Festspiels „Pfingstrittehr‘“ im Jahr 1949 und von der Neuauflage unter Leitung von Johannes Reitmeier im Jahr 1988, als auch die Festspielzeit am Ludwigsberg begann. Fotos: Christa Rabl-Dachs

Der Rundgang durch die Ausstellung begeisterte danach nicht nur die aktiven Festspieler, sondern auch die vielen Gäste, die zur Eröffnung gekommen waren. Auf einer Stellwand wurde der Beginn mit der Uraufführung des Festspiels „Pfingstrittehr‘“ im Jahre 1949 und die Neuinszenierung der „Pfingstritt-Ehr“ 1988 unter der Regie von Johannes Reitmeier gezeigt. 1988 und 1989 dann der Auftakt am Ludwigsberg mit dem „Jedermann“, gefolgt vom „Faust“ (1990 bis 1992), „Die Räuber“ (1992/93), „Die lustigen Weiber“ (1994/95), „Woyzeck“ (1996/97), „Jedermann“ (1998/99), „Der Weiberstreik“ (2000-2002), „Die Tragödi von Macbeth“ (2003-2005), „Faust“ (2006/07), „Die Bettleroper“ (2008-2010), „Jedermann“ (2011), „Das Haus der Bernarda“ (2012), „Schinderhannes“ (2013/14) und „Ein Sommernachtstraum“ (2015-2017).

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