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Gesellschaft

Drogen-Konsum: Polizei schlägt Alarm

„So schlimm wie jetzt war es noch nie“: Ein Drogenexperte zeichnet bei seinem Vortrag in Grafenwiesen ein düsteres Bild.
Von Heinz Pletl

Die größte Gefahr gehe momentan von dem überwiegend aus Tschechien stammenden Amphetamin „Crystal“ aus, so der Referent bei seinem Vortrag. Foto: Patrick Pleul dpa
Die größte Gefahr gehe momentan von dem überwiegend aus Tschechien stammenden Amphetamin „Crystal“ aus, so der Referent bei seinem Vortrag. Foto: Patrick Pleul dpa

Grafenwiesen.Auf Initiative von Benita Vogl, der Familienbeauftragten der Gemeinde Grafenwiesen, fand nun im Unterrichtsraum des Feuerwehrgerätehauses ein Vortrag über „Legale und illegale Drogen – Drogenprävention“ statt. Zu diesem brisanten Thema konnte Vogl zahlreiche jugendliche Zuhörern willkommen heißen. Erster Polizeihauptkommissar Martin Huber von der Bundespolizeiinspektion Waldmünchen befasst sich seit vielen Jahren mit diesem Thema.

Es gelte hierbei, Gerüchte und Irrtümer aufzuklären, vor allem aber auf die gesundheitlichen und strafrechtlichen Konsequenzen hinzuweisen, so der Fachmann. Huber ging in seinem Vortrag hauptsächlich auf die Drogen ein, die im Landkreis Cham gehandelt werden. Es gibt legale Drogen wie z. B. Nikotin, Koffein oder Alkohol und illegale Drogen, die in fünf Gruppen unterteilt sind: Cannabis, Opiate, Kokain, Halluzinogene und Amphetamine.

Ein „Sturzflug nach Innen“

Der Experte hatte einen Koffer mit echten Drogen als Anschauungsmaterial mit dabei. Fotos: khp
Der Experte hatte einen Koffer mit echten Drogen als Anschauungsmaterial mit dabei. Fotos: khp

„Sturzflug nach Ínnen“, so bezeichnete der Redner die Gründe für den Drogenkonsum anhand eines Videoclips. Oft läge es an mangelnder Zuneigung und Liebe, oder an einer bestimmten Sichtweise, dass das Leben nicht mehr ausgefüllt sei und wenig sinnvoll erscheine. Es gebe viele Arten der Sucht, unter anderem Spielsucht, Internetsucht und eben auch Drogensucht. Hierzu zeigte er statistische Zahlen auf: Eine Hochrechnung ergab, dass im Jahr 2100 in Deutschland mehr Süchtige als Nichtsüchtige leben werden.

2012 seien im Landkreis Cham rund 800Drogendelikte angefallen. Da es sich allerdings um ein Kontrolldelikt handele, könne die Dunkelziffer laut Bundespolizei nicht genannt werden. Die Aufklärungsquote liege bei rund 5 Prozent. Der Einstieg in das Drogen-Dilemma beginne bereits bei Kindern mit elf Jahren (Zigaretten) und führe mit 14 Jahren schon zu den illegalen Drogen. Zu den legalen Drogen zählten Nikotin, Koffein und Alkohol. Sie seien im gesellschaftlichen Leben legitimiert. Illegale Rauschmittel würden in fünf Hauptbereiche unterteilt: Cannabis, Opiate, Kokain, Amphetamine und Halluzinogene. Im Landkreis Cham seien die Gruppen Cannabis und Amphetamine auf dem Vormarsch. Huber wörtlich: „So schlimm wie jetzt war es noch nie.“

Wichtige Tipps

  • Stärke zeigen:

    Gegen den Gruppendruck können sich Jugendliche schützen, indem sie die Stärke aufbringen, deutlich „Nein“ zu sagen, sich eine eigene Meinung zu bilden und sich genau zu informieren, um besser argumentieren und so dem Gruppendruck standhalten zu können.

  • Abhängigkeit bemerken:

    Je früher Drogenkonsum und -abhängigkeit bemerkt werden, umso größer sind die Heilungschancen für den Drogenabhängigen. Eltern und Betroffene sollten sich an eine Drogenberatungsstelle oder einen Arzt wenden. Diese Stellen beraten kostenlos, es droht auch keine Strafverfolgung.

Die größte Gefahr gehe momentan von dem überwiegend aus Tschechien stammenden Amphetamin „Crystal“ aus. Es werde beim Marihuana-Kauf als Dreingabe mitgegeben, habe aber den großen Nachteil, dass es beim ersten Konsum bereits süchtig mache. Die Wirkung könne bis zu 30 Stunden andauern. Die weißen Kristalle gebe es gleich hinter der Grenze bei Furth im Wald zu moderaten Preisen – sie manövrierten jeden in die Ausweglosigkeit, der der Droge verfalle. Außerdem sei Crystal sehr leicht herzustellen, ephedrin- und pseudoephedrinhaltige Arzneimittel reichten dazu schon aus (z. B. Reactine). Amphetamin werde geschluckt, geschnupft, geraucht, in seltenen Fällen (vor allem in Tschechien) injiziert. Es wirke wie „eine Peitsche auf ein müdes Pferd“. Durch den Verlust des Hunger-, Durst- und Müdigkeitsgefühls trockne der Patient nahezu aus. Irreversible Schäden an Nervenzellen entstünden. Plötzliche Todesfälle seien dadurch möglich. Martin Huber unterstrich seine Ausführungen mit Videoclips. Außerdem ging der Referent noch auf die Mode-Droge „Legal Highs“ ein.

Was sind „Legal Highs“?

Martin Huber von der Bundespolizei Fotos: khp
Martin Huber von der Bundespolizei Fotos: khp

Diese Mittel würden als Kräutermischung oder Badesalz angeboten und geraucht, daher sei die Hemmschwelle niedrig, sie auszuprobieren. Schlimm dabei sei, dass nicht gesagt werden könne, welche Inhaltsstoffe sich in den Mischungen befänden. Die Folgen seien nicht minderschwerer als beim Konsum von Crystal. Auch hier entstünde eine starke psychische Abhängigkeit. Die Mädchen unter den Zuhörern warnte Huber vor der sogenannten „Vergewaltigungsdroge“ GHB, auch K.O.-Tropfen genannt. Sie sei sehr schwierig nachzuweisen, daher sollten Getränke in der Disco nie unbeaufsichtigt stehengelassen werden.

Schließlich ging Huber noch auf die Prävention ein. Jeder Einzelne treffe die Entscheidung für oder gegen eine Droge selbst und müsse sich der Folgen in gesundheitlicher und strafrechtlicher Sicht bewusst sein. Teils drohten drastische Freiheitsstrafen, ein Führerscheinentzug könne ebenfalls die Folge sein. Er zeigte Verdachtsindikatoren auf wie plötzliches Absinken der Schulleistungen auf allen Gebieten, Aufgabe des Freundeskreises, Rückzug in die totale Isolation, Ablehnen der Familie oder aber auch ein ungewöhnlich großer Geldbedarf. Nicht zuletzt sei eine zunehmende äußere Verwahrlosung ein Indikator.

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