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Natur

Ein Ami-Baum für die Chamer Wälder

Die Strobe oder Weymouthskiefer ist sehr wachstumsstark und ein Zukunftsbaum für den Bayerwald. Aber sie hat einen Feind.
Von Petra Schoplocher

Weiche Nadeln von Kindesbeinen an. Förster Jürgen Köbler hat ein paar kleine Stroben aus Naturverjüngung entdeckt. Fotos: Schoplocher
Weiche Nadeln von Kindesbeinen an. Förster Jürgen Köbler hat ein paar kleine Stroben aus Naturverjüngung entdeckt. Fotos: Schoplocher

Furth im Wald.Nur einmal kurz diesen besonders formschönen Zapfen in die Hand genommen und „schon pappt alles“. Förster Jürgen Köbler lacht, schließlich wusste er ja schon vorher, was kommen würde. Weil aber der Herr Köbler ein netter Mensch ist, darf ich dann – gewissermaßen als Entschädigung – die Nadeln der Strobe streicheln. Und sie sind sowas von weich... Die extrem harzhaltigen Zapfen oder die Nadeln, die in Gruppen von jeweils fünf an den Kurztrieben stehen, sind nicht das Einzige, was zu faszinieren vermag. Ursprünglich stammt die Strobe – auch Weymouthskiefer genannt –aus dem kontinentalen Südosten der USA. Dort zählt sie zu den größten Kiefernarten: sie kann bis zu 70 Meter hoch und 500 Jahre alt werden.

Was die Buche für die Stadtwappen von Kötzting und Waldmünchen ist, ist die Weymouthskiefer für die US-Bundesstaaten Michigan und Maine: Dort ist sie der Staatsbaum. Als Namensgeber kommen gleich zwei „Mister Weymouth“ in Frage: Schriftsteller George brachte sie 1605 nach Europa. Wahrscheinlich muss sie aber Lord Weymouth zugeschrieben werden, der sie im 18. Jahrhundert in England als Forstbaum etabliert hat. Mittlerweile ist sie in Mitteleuropa hinter der Douglasie die zweitwichtigste nicht-heimische Nadelbaumart.

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Geringer Standort-Anspruch

Das ist vor allem auf ihre geringen Ansprüche an den Nährstoffgehalt ihres Standorts zurückzuführen. Auf sandigen Böden leistet sie mehr Masse als die heimische Kiefer. Selbst, wenn es relativ trocken ist, nimmt die Wuchsfreude nur gering ab. Weiterer Vorteil ist ihre höhere Schattentoleranz. Naturverjüngung unter Schirm ist also denkbar. Die Strobe gilt als robust: Sie ist ziemlich widerstandsfähig gegen Dürre, Frost und Sturm. Wäre da nicht ein Schädlingspilz namens Blasenrost, der Siegeszug der Weymouthskiefer wäre wohl nicht aufzuhalten.

Unser Experte

  • Zur Person: Jürgen Köbler (55) stammt aus dem Odenwald und engagierte sich schon als Schüler im Naturschutzbund. Nach dem Forstwirtschaftsstudium ist er seit 1990 „diesseits des Cerchovs“ in verschiedenen Funktionen für die Bayerische Forstverwaltung tätig, aktuell als Revierleiter Furth im Wald.

  • Verbundenheit: „Mich hat es immer fasziniert, in möglichst naturnaher Landschaft unterwegs zu sein und dort die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Pflanzen, Tieren und Menschen zu beobachten und verstehen zu lernen.“

Dieser Pilz, wohl mit der Baumart eingeschleppt, sorgt bei Befall im oberen Drittel (gefährdet sind vor allem Monokulturen oder Nester) für massive Zuwachsverluste, teils auch Ausfälle. Das als Folge von der Reichsforstkommission 1944 verhängte Anbau„verbot“ sorgte dafür, dass der Baum links liegengelassen wurde.

Natürlich sei der Blasenrost, der als Zwischenwirt Stachelbeerengewächse liebt, ein Risiko, meint Jürgen Köbler. Aber: als weitere Beimischung für mehr Artenvielfalt (Stichwort breit aufstellen) oder als Lückenbüßer ist die Weymouthskiefer eine sehr gute Wahl.

Holz mit Zeug zum Zirbenersatz

Zumal das Holz gefragt ist und entsprechend bezahlt. Lange, astfreie Stämme. Vor allem aber die stark verasteten Schopfstücke mit ihrer intensiven Struktur und Farbe. Sie haben sogar das Zeug zum Zirbenersatz. Aufgrund des geringen Gewichts wird sie gerne für Kisten und Verpackungen verwendet. Besonders Imkern dürfte die Strobe ein Begriff sein, der hohe Isolationswert ihres Holzes macht sie zum idealen Baumaterial für Beuten und Rähmchen. Gefürchtet war sie hingegen von Bergleuten, ihre Verwendung zum Stollenabstützen könnte lebensgefährlich sein. „Das Holz knackt nicht, ehe es bricht, das macht einen Schnalzer wie Glas“, erklärt Jürgen Köbler.

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Die Rinde bleibt lange Zeit glatt und graugrün, im Alter zeigt die Weymouthskiefer eine fast schwarze längsrissige Tafelborke, ein beeindruckendes Charakteristikum. Und nicht minder beeindruckend als die Zapfen und natürlich die Nadeln – wer stört sich da noch am Harz?

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