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Kirche

Ein Banker wird Ständiger Diakon

Harald Schneider (44) wird von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer geweiht. 150 Rundinger werden im Dom zu Regensburg dabei sein.
Von Heidi Meier

Harald Schneider wird als Ständiger Diakon nicht nur in seiner Heimatpfarrei Runding, sondern auch in Chamerau und Lederdorn tätig sein. Foto: Heidi Meier
Harald Schneider wird als Ständiger Diakon nicht nur in seiner Heimatpfarrei Runding, sondern auch in Chamerau und Lederdorn tätig sein. Foto: Heidi Meier

Runding.„Oana von uns wird Diakon“, für Harald Schneider, der sich selbst als „Zoagheirater“ bezeichnet, war dieser erfreute Ausspruch einer Pfarrangehörigen fast wie ein Kompliment. Und die Frau sprach vielen Menschen aus Runding und Chamerau aus dem Herzen. Darum ist es auch nicht verwunderlich, dass sich innerhalb kürzester Zeit 150 Gläubige für die Fahrt nächsten Samstag, 28. September, zum Regensburger Dom angemeldet haben.

Dort findet um 9.30 Uhr seine Weihe zum Ständigen Diakon statt. Insgesamt werden an diesem Tag von Bischof Rudolf Voderholzer drei Kandidaten geweiht, neben Harald Schneider auch Helmut Pscheidl, 54 Jahre, aus Parkstetten und Manuel Hirschberger, 34 Jahre, aus Neutraubling.

Ein jahrelanger Prozess

Doch wie kommt man eigentlich darauf, Diakon zu werden, wenn man, wie Schneider, als diplomierter Bankbetriebswirt und Firmenkundenberater bei einer Bank in Straubing beruflich erfolgreich ist? Der 44-Jährige betont, dass es nicht so war, als sei er eines Morgens aufgewacht und der Gedanke sei da gewesen. Auch habe es kein bestimmtes Schlüsselerlebnis gegeben. Vielmehr sei es ein Prozess gewesen, der jedoch nicht erst mit seinem Engagement im Pfarrgemeinderat Runding vor 13 Jahren begann.

Seit dreieinhalb Jahren hält Harald Schneider Vespern und trägt seit langem auch als Kommunionhelfer das liturgische Gewand. Foto: Heidi Meier
Seit dreieinhalb Jahren hält Harald Schneider Vespern und trägt seit langem auch als Kommunionhelfer das liturgische Gewand. Foto: Heidi Meier

Bereits zu der Zeit, als Schneider nach der Ausbildung zum Bankkaufmann an der Berufsoberschule Regensburg das Abitur nachholte, lieh er sich neben den Schulbüchern immer wieder solche mit theologischem Inhalt aus. Schon als 20-Jähriger wollte er damals den in der Schulzeit auf kindgerechte Art erklärten Glauben näher ergründen – tiefer eintauchen in die Materie.

Als Zivildienstleistender kam er dann zum ersten Mal mit behinderten Menschen in Berührung, und zwar nicht nur im wörtlichen Sinn, denn noch immer kann er sich bestens an den ersten Tag in der Werkstätte für Behinderte erinnern, als er von ihnen freudig umringt wurde. Heute bezeichnet er diese prägende Zeit als das schönste Jahr seines Lebens, in der er erkannt habe, wie erfüllend es ist, anderen zu helfen. Dies zeige sich für ihn auch täglich im Umgang mit seiner schwerbehinderten Tochter.

Deshalb habe er für sich einen Weihespruch gewählt, der das tätige Helfen in den Vordergrund stellt: „Dient einander – jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.“ „Ein Diakon soll die Menschen im Blick haben, die man gerne übersieht“, erklärt der Weihekandidat. Der bis vor zwei Jahren in der Pfarreiengemeinschaft tätige Diakon Stefan Oana, den Schneider als Vorbild bezeichnet, habe es ihm einmal so erklärt: „Der Pfarrer ist der Hirte, und ich bin der Schäferhund.“

„Diese prägende Zeit war für mich das schönste Jahr meines Lebens, in dem ich erkannt habe, wie erfüllend es ist, anderen zu helfen.“

Harald Schneider über seine Zeit als Zivildienstleistender

Doch wie passen das oft als eiskalt bezeichnete Finanzgeschäft und die Tätigkeit eines Diakons zusammen? „Eigentlich gar nicht!“, bemerkt Harald Schneider lachend – und doch lasse es sich miteinander vergleichen. Auf der einen Seite berate er Firmenkunden und überzeuge sie von einem fairen Geschäft mit der Bank, auf der anderen Seite überzeuge er jene, die auf Sinnsuche sind, von der Botschaft des Glaubens. Dabei möchte sich Schneider nicht zu sehr in den Vordergrund stellen, denn letztendlich mache er es für Gott – es gehe um einen Größeren.

Seine Tätigkeit bei der Bank wird er weiter in Vollzeit ausüben, da er in den Pfarreien Chamerau und Runding mit Lederdorn als Diakon im Zivilberuf tätig sein wird. Eine Woche vor der Weihe geht es für ihn auf Weiheexerzitien ins Regensburger Priesterseminar, wo er sich gemeinsam mit den anderen Kandidaten auf jenen großen Tag vorbereitet, auf den er rund sechs Jahre „hingearbeitet“ hat.

Die Themen der Prüfung

Nach Theologiestudium im Fernkurs und anschließender diözesanbegleitender Ausbildung absolvierte er erfolgreich am 20. Juli dieses Jahres im Ordinariat die 20 Minuten dauernde mündliche Dienstprüfung. Der Ablauf der Taufe, die ausdeutenden Riten dabei, oder wie man damit umgeht, wenn ein Verstorbener aus der Kirche ausgetreten ist, aber die Hinterbliebenen ein kirchliches Begräbnis wünschen, waren unter anderem Themen der Prüfung.

Zur Person

  • Harald Schneider:

    Geboren 1975 in Cham, aufgewachsen in Willmering, wohnt seit rund 20 Jahren mit seiner Frau Manuela und den beiden Kindern in Runding. Er ist diplomierter Bankbetriebswirt und arbeitet als Firmenkundenberater bei einer Bank in Straubing. Diese Tätigkeit wird er auch weiter hauptberuflich ausüben.

  • Weihe:

    Die Weihe von Harald Schneider, Helmut Pscheidl und Manuel Hirschberger zu Ständigen Diakonen findet am Samstag, 28. September, 9.30 Uhr, im Dom zu Regensburg durch Bischof Voderholzer statt.

  • Empfang:

    Am Sonntag, 29. September, empfängt die Pfarreiengemeinschaft Runding/Chamerau/Lederdorn Harald Schneider mit einem Kirchenzug um 9.45 Uhr und dem Gottesdienst um 10 Uhr in der Andreaskirche in Runding. (cmi)

Am Freitag stößt dann auch seine Ehefrau Manuela im Priesterseminar dazu. Sie steht voll und ganz hinter der Entscheidung ihres Mannes, anders wäre es auch nicht möglich gewesen, denn ohne ihre Zustimmung und Unterschrift, wäre Harald Schneider nicht als Kandidat aufgenommen worden. Dass er diesen Weg einschlagen möchte, hat er ihr nach langem Überlegen in der heimischen Küche offenbart und war angesichts ihrer überaus positiven Reaktion doch erstaunt.

Sie hatte schon länger bemerkt, dass ihren Mann etwas umtreibt und schon sowas in die Richtung geahnt. Auch sie als Ehefrau ist am Samstag beim Gottesdienst integriert, wenn ihr Mann zum Ständigen Diakon geweiht wird. Ständiger Diakon bleibt man bis an sein Lebensende, es ist eine sakramentale Weihe.

Ein Bild von Fritz Maier

Das Weihebild der drei Kandidaten mit einer Auflage von 2500 Stück zeigt die Symbole Licht, Mund und Empfangen, die an deren Weihesprüche angelehnt sind. Entworfen wurde das Bild vom Raindorfer Künstler Fritz Maier.

Was hat Harald Schneider vor als Diakon, was ist ihm ein Anliegen? – Schneider: „Ein Gottesdienst für behinderte Menschen, bei dem das Evangelium in leichter Sprache verkündiget wird, mit einer einfach verständlichen Predigt oder einem Predigtspiel, eine Musikgruppe bestehend aus Menschen mit Handicap in der barrierefreien Rundinger Pfarrkirche – das wäre sein Traum.“

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