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Auszeichnung

Ein Chamer holt sich die Goldene Nase

Eigentlich wollte er Kontakte knüpfen, dann überzeugte Daniel Stieglitz mit seiner Arbeit und bekam den Karikaturisten-Oscar.
Von Christoph Klöckner

  • Bei der Aufgabenstellung in San Diego mussten die Kollegen als Karikatur gezeichnet oder auch geknetet werden. Am Ende musste jeder Teilnehmer seine Arbeit anonym aushängen, die beurteilt wurde. Hier erhielt Daniel Stieglitz am meisten Punkte von allen. Foto: Stieglitz
  • Daniel Stieglitz, Illustrator, Autor und Filmemacher, errang als erster Deutscher die „Goldene Nase“, den Oscar der Karikaturisten. Foto: Stieglitz

Cham.Eigentlich war er mit seiner Frau Inga nur über den Großen Teich nach San Diego geflogen, um hier und da Kontakte mit Kollegen und möglichen Geschäftspartnern zu knüpfen. „Im Anschluss wollten wir dann Urlaub machen!“, so schildert es Daniel Stieglitz am Telefon. Am Ende kam der gebürtige Chamer, der heute in Kassel wohnt, nicht nur mit ausgebautem Netzwerk zurück, sondern hatte zudem den Karikaturisten-Oscar, den „Golden Nosey“, mit im Gepäck.

Am Ende der „isca 2018“, wie das Treffen offiziell heißt, standen einige Preisträger fest. Die Goldene Nase als Hauptpreis erhielt erstmals ein Deutscher und erst zum zweiten Mal ein Europäer: Daniel Stieglitz nahm die Auszeichnung mit nach Hause. Foto: Stieglitz
Am Ende der „isca 2018“, wie das Treffen offiziell heißt, standen einige Preisträger fest. Die Goldene Nase als Hauptpreis erhielt erstmals ein Deutscher und erst zum zweiten Mal ein Europäer: Daniel Stieglitz nahm die Auszeichnung mit nach Hause. Foto: Stieglitz

Eine Auszeichnung, die er als erster Deutscher überhaupt bekam. Der 38-Jährige ist zudem erst der zweite Europäer, der den höchsten Preis der zeichnenden Zunft erhalten hat.

Über Wien nach San Diego

Der Weg nach San Diego führte für Daniel Stieglitz über Wien. Dort finde seit etwa acht Jahren jährlich ein großes Künstlertreffen für Karikaturisten statt. „Da kommen die weltbesten Leute zusammen!“, sagt er. Etwa 50 Teilnehmer seien 2017 dort gewesen, als auch er das erste Mal dabei war. Wobei er das Treffen wie auch manchen Namen schon länger über Facebook kannte. Auf der Versammlung habe er dann von der Veranstaltung in den USA mitbekommen und sich gesagt, dass das auch etwas für ihn sei. In Verbindung mit dem Urlaub habe er die Reise dorthin auch seiner Frau schmackhaft machen können.

Über 200 Karikaturisten aus der ganzen Welt – die Besten, wie Daniel Stieglitz betont – fanden sich in Kalifornien ein, um zu debattieren, sich auszutauschen und sich mit dem Zeichenstift oder dem digitalen Zeichenbrett zu messen. Foto: Stieglitz
Über 200 Karikaturisten aus der ganzen Welt – die Besten, wie Daniel Stieglitz betont – fanden sich in Kalifornien ein, um zu debattieren, sich auszutauschen und sich mit dem Zeichenstift oder dem digitalen Zeichenbrett zu messen. Foto: Stieglitz

„Mein Ziel war es, dort Leute kennenzulernen. Ich wollte meine Marke dort hinterlassen“, sagt er. Nicht im Entferntesten habe er mit einem Preis gerechnet. Dass es dennoch so weit kam, dass er den Preis errang, liegt an der Konzeption der Veranstaltung. Denn auf dem Programm der vier Tage steht neben dem Austausch untereinander und Gastredner-Beiträgen viel Arbeit.

Daniel Stieglitz (38) – hier beim Zeichnen des Siegerbildes – ist gebürtiger Chamer, wohnt in Kassel, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Frau Inga sei Grundschullehrerin und halte ihm den Rücken frei für seine Arbeit, sagt er. Foto: Stieglitz
Daniel Stieglitz (38) – hier beim Zeichnen des Siegerbildes – ist gebürtiger Chamer, wohnt in Kassel, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Frau Inga sei Grundschullehrerin und halte ihm den Rücken frei für seine Arbeit, sagt er. Foto: Stieglitz

Es sei ein riesiger Messeraum mit 200 Tischen und Stühlen, beschreibt Stieglitz. Jeder Teilnehmer erhalte eine Nummer und einen Platz – dann werde gezeichnet. „Die Aufgabe bestand darin, andere Teilnehmer zu zeichnen“, so Daniel Stieglitz. Am Ende der vier Tage werde das jeweilige Ergebnis auf einem 70 Zentimeter breiten, abgeklebten Stück der Hallenwand präsentiert – nur mit der Teilnehmernummer, ohne Namen.

Hier sehen Sie Daniel Stieglitz in San Diego bei der Arbeit an der Siegerkarikatur

Jeder durfte dann nach einer Reihe von etwa 20 vorgegebenen Kategorien Punkte verteilen. „Dabei ging es beispielsweise um die beste Farbigkeit, die beste Übertreibung bei der Darstellung oder um die beste 3-D-Arbeit“, erklärt der Künstler. Mancher habe 20 kleine Bilder aufgehängt, andere nur zwei, wieder andere Knetfiguren aufgestellt. Er selbst habe sich für ein Gruppenbild entscheiden mit vielen, aber bei weitem nicht allen Teilnehmern. „Das hat die meisten überzeugt!“, sagt Daniel Stieglitz.

Bei der Aufgabenstellung in San Diego mussten die Kollegen als Karikatur gezeichnet oder auch geknetet werden. Am Ende musste jeder Teilnehmer seine Arbeit anonym aushängen, die beurteilt wurde. Hier erhielt Daniel Stieglitz am meisten Punkte von allen.  Foto: Stieglitz
Bei der Aufgabenstellung in San Diego mussten die Kollegen als Karikatur gezeichnet oder auch geknetet werden. Am Ende musste jeder Teilnehmer seine Arbeit anonym aushängen, die beurteilt wurde. Hier erhielt Daniel Stieglitz am meisten Punkte von allen. Foto: Stieglitz

Er heimste die meisten Punkte aller Karikaturisten in San Diego ein. Und ergatterte damit den Karikaturisten-Oscar. „Der große Unterschied zum echten Oscar ist, dass der Nosey keinen interessiert“, bedauert Daniel Stieglitz. Es sei keine Presse da gewesen, der Preis scheine nur die kleine, globale Karikaturisten-Szene selbst zu interessieren. Aus dieser Gruppe habe er mittlerweile auch einige anerkennende Zuschriften erhalten, wie auch von der Familie und Freunden aus dem Landkreis Cham.

Talent? „Nur ein kleiner Teil!“

Daniel Stieglitz ist der Sohn von Wolfgang Stieglitz, Kunstlehrer und lange Jahre Betreiber einer Galerie an der Propsteistraße in Cham. Also ein vererbtes Talent? Ein kleiner Teil sei vielleicht aufs Erbgut zurückzuführen, meint er, doch es sei wie bei der Musik oder im Sport: Wer nicht übe, komme nicht weit – trotz des Talents.

Daniel Stieglitz hat in Cham am Fraunhofer-Gymnasium sein Abitur gemacht und ist dann nach einem sozialen Jahr bei St. Gunther an die Kunsthochschule nach Kassel ins Studium gegangen. Dort sei er dann hängen geblieben, habe sich auf Illustration und Film spezialisiert. Heute lebt er von zwei Standbeinen. Zum einen macht er Auftragszeichnungen.

„Da arbeite ich viel fürs Fernsehen, etwa für Galileo oder Quarks“, ebenso zeichne er für Firmen, die etwa Erklärvideos für ihre Produkte bräuchten. Das zweite Standbein seien Auftritte bei Messen, Hochzeiten oder – gerade sehr viele – bei Weihnachtsfeiern.

Dafür werde er pauschal gebucht und zeichne dann am Abend 60 oder 70 der Menschen vor Ort als Karikaturen. So sei er etwa von Samsung bei der Messe IFA gebucht gewesen. Filmen, womit er im Studium beschäftigt war, sei zwar noch ein Thema im Kopf, doch habe er sich etwas davon entfernt – ein Neustart sei schwierig, ausgeschlossen aber nicht. Da wäre ein weiterer Oscar zu holen – und dieses Mal dann auch sicher mit viel Presserummel.

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