mz_logo

Region Cham
Sonntag, 22. April 2018 25° 3

Reservisten

Ein Einsatz in Staub und Chaos

Oberstleutnant d. R. Michael Kaiser hielt in Roding einen bewegenden Vortrag über die harte Mission der Bundeswehr in Mali.
Von Andreas May

Ein deutscher Blauhelmsoldat unterhält sich während einer Patrouille im Norden Malis mit einem Kind. Die Bundeswehr arbeitet vor Ort mit Verbündeten aus der EU zusammen. Foto: Kristin Palitza/dpa

Roding.Nicht selten gingen die Bilder unter die Haut, die die Reservisten der Kreisgruppe Oberpfalz-Ost am Samstag in der Stadthalle zu sehen bekamen. Bei einem sicherheitspolitischen Seminar fanden sich zahlreiche informative Themen auf der Tagesordnung. Im Mittelpunkt stand Afrika im Allgemeinen und der Bundeswehreinsatz in Mali im Besonderen.

Oberstleutnant d. R. Michael Kaiser war selbst 13 Jahre im Dienst bei der ersten Gebirgsdivision. Als persönlicher Mitarbeiter des Nürnberger Oberbürgermeisters arbeitet er heute abseits der Truppen. Kaiser sieht die aktuelle Situation der Bundeswehr durchaus kritisch.

Michael Kaiser fand in Roding deutliche Worte. Foto: May

Sie agiere häufig planlos, ein besonderes Problem stelle die Auftragsdefinition dar. Niemand, weder aufseiten der Soldaten noch auf politischer Ebene, wisse genau, warum die Deutschen bei den verschiedenen Einsätzen mitwirken. „Ich vermisse eine richtige Diskussion im Parlament“, sagte der Historiker.

Die Bundeswehr gehe derzeit an die Grenze dessen, was geleistet werden könne. Im Ausland befinden sich derzeit rund 3700 Soldaten, verteilt auf 13 Einsätze. Mali und Afghanistan nehmen die größten Kapazitäten ein. Der logistische Aufwand, beispielsweise hinsichtlich der Truppenversorgung, sei enorm, dies werde häufig unterschätzt.

Die Prognose ist düster

Der Oberstleutnant d. R. bezeichnete Mali als ein „Zerfallsprodukt der französischen Kolonie“. Die Prognose für das große Land in Nordafrika sei düster: „Mali wird, so wie wir es kennen, nicht zu retten sein“. Insgesamt gibt es vier Bürgerkriegsparteien in dem seit Jahren von Gewalt geprägten Staat. Die größten Verbrechen seien an den Schwarzafrikanern begangen worden, die aus dem Norden des Landes vertrieben wurden. War ihnen die Flucht nicht gelungen, so wurden ganze Dörfer samt Einwohnern ausgelöscht. Grausame Handlungen gingen damit einher. Die Konfliktherde im Land sind religiöser und ethnischer Natur, es geht auch um Territorialansprüche. Neben der einheimischen MNLA-Miliz mischen unter anderem Ableger von Al-Qaida und des IS mit.

„Ich vermisse eine richtige Diskussion im Parlament.“

Oberstleutnant d. R. Michael Kaiser

Die Bundeswehr arbeitet vor Ort mit Verbündeten aus der EU zusammen. Ziel ist es, die Terrorangriffe zu stoppen und die Hauptstadt Bamako zu sichern. Die Mission wurde von der EU bis März 2019 verlängert. Mit der Stabilisierung Malis (MINUSMA) sei eine zweite EU-Mission anhängig. Vor Ort sei die Situation für die Soldaten alles andere als leicht. Kaiser, der selbst in Mali war, schilderte die Begebenheiten und Strukturen als teils dramatisch. Es gebe kaum brauchbare Straßen, die meisten Routen seien blanke Wüstenpisten.

Die Tendenz ist rückläufig

Die malischen Soldaten seien oft schlecht ausgebildet, hier liefere die Bundeswehr vor allem infanteristische Hilfe. Westliche Truppen würden von den Bürgerkriegsparteien zwar nicht beschossen, Dauerprovokationen seien aber an der Tagesordnung. Die Landschaft sei an sich faszinierend, durch die Zerstörungen, Schrott und Leichen sei das Bild allerdings getrübt. Die Bürger seien freundlich, aber traumatisiert.

Hintergründe zu Mali

  • Grösse:

    Mit über 14 Millionen Einwohnern und einer Fläche, die 3,5-mal so groß ist wie die Deutschlands, ist Mali laut Michael Kaiser alles andere als „irgendein“ Land. Verschiedene Sprachen, schlechte Bildung und geringe Lebenserwartung seien neben der Kriegstragödie die natürlichen Probleme.

  • Zukunft:

    Die Bundeswehr werde, unterstützt von der OSZE, auch in Zukunft vor Ort gebraucht. Sie sollte aber ihre Aufgaben besser kennen, forderte er. (cia)

Dem beeindruckenden Vortrag folgte eine Einschätzung von Hauptfeldwebel Thomas Klapper zur Situation in der Region Oberpfalz-Ost. Die Region leide aus Reservistensicht unter leichter Überalterung, 1969 Mitglieder sind gegenwärtig angebunden. Seit 2017 ist die Tendenz rückläufig. Bei der neuen Mitgliederanwerbungskampagne setzte sich Rossbach/Wald mit acht neuen Mitgliedern vor Roding (sieben) durch. Der Ausblick in die Zukunft reichte bis ins Jahr 2019 hinein. Während heuer Veranstaltungen wie die alljährliche Tschechienfahrt ohne Uniform anstehen, wird es 2019 die große 60-jährige Garnisonsfeier in Cham geben.

Weitere Themen aus Roding lesen Sie hier

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht