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Baustellenbesuch

Ein Fluchtweg wird zum Blickfang

Die Sanierung des Gasthauses Kamm, künftig Seminarhaus der Jugendbildungsstätte Waldmünchen, ist fast abgeschlossen.
Von Petra Schoplocher

Der rund zehn Meter hohe Treppenturm im Innenhof wird noch verglast und entsprechend sanft illuminiert. „Ein Hingucker am Schmuckstück“, freut sich Bürgermeister Markus Ackermann (Mitte), mit ihm (von links) Rainer Röhrl vom Bauamt, die Architekten Ulrich Greiner und Barbara Rappl sowie Stefan Schmid, der die Haustechnik geplant hat.  Fotos: Schoplocher
Der rund zehn Meter hohe Treppenturm im Innenhof wird noch verglast und entsprechend sanft illuminiert. „Ein Hingucker am Schmuckstück“, freut sich Bürgermeister Markus Ackermann (Mitte), mit ihm (von links) Rainer Röhrl vom Bauamt, die Architekten Ulrich Greiner und Barbara Rappl sowie Stefan Schmid, der die Haustechnik geplant hat. Fotos: Schoplocher

Waldmünchen.Ein wenig Fantasie ist noch gefragt, beim Blick auf den etwas nüchtern wirkenden Turm. Dass er aber bald ein richtiger Blickfang und ein weiterer Akzent am sanierten Gasthaus Kamm sein wird, dessen war sich nicht nur Bürgermeister Markus Ackermann beim Baustellentermin sicher. Dafür sorgen zwei spezielle „Kniffe“ der Planer: Zum einen wirken die innenliegenden Lamellen je nach Blickwinkel offen oder geschlossen. Zum anderen werden LED-Bänder installiert. „In ganz dezentem Ton“, erklärte Stefan Schmid, der für die gesamte Beleuchtung und Haustechnik zuständig ist. Dezent auch deshalb, weil der Innenhof an ein Wohnhaus angrenzt.

 Im März will die Jugendbildungsstätte den Betrieb im sanierten Gasthaus Kamm aufnehmen. Bisher hat der Zweckverband Jugendhaus – Stadt und Landkreis zusammen – knapp 3,7 Millionen Euro ausgegeben. Foto: ps
Im März will die Jugendbildungsstätte den Betrieb im sanierten Gasthaus Kamm aufnehmen. Bisher hat der Zweckverband Jugendhaus – Stadt und Landkreis zusammen – knapp 3,7 Millionen Euro ausgegeben. Foto: ps

Auch im Inneren ist die Lichttechnik pfiffig. Spezielle Leuchtstreifen in den Fluren oder auch die indirekte Beleuchtung in den offenliegenden Dachbalken des Obergeschosses – dort werden ein Seminarraum und Referentenzimmer Platz finden – sorgen für besonders warme, wohlige Töne. LEDs überall und eine Steuerung mittels Bussystem sorgen für möglichst geringen Stromverbrauch, betonte Stefan Schmid. Akustik-Quader in grün-grau werden in den Seminarräumen Akzente setzen, führte er aus. Und Sockelheizungen sollen das Gebäude vor eindringender Feuchtigkeit schützen, nannte er ein weiteres Detail.

Der Aufbau des Treppen- und Fluchtturms war ein Hingucker. Ein Teil der Stahlteile wurde mittels Kran eingeflogen. Die Arbeiter aber hatten dennoch gut zu schleppen. Foto: ps
Der Aufbau des Treppen- und Fluchtturms war ein Hingucker. Ein Teil der Stahlteile wurde mittels Kran eingeflogen. Die Arbeiter aber hatten dennoch gut zu schleppen. Foto: ps

Markus Ackermann ist stolz, dass „wir aus dem hässlichen Entlein so einen schönen Schwan“ gemacht haben. Top saniert, qualitativ hochwert in allen Nuancen, spezielle Akzente und barrierefrei, fasste er schlaglichtartig zusammen. Bezüglich der energetischen Sanierung „haben wir das Maximale, was in einem Denkmal machbar ist, gemacht“, brachte es das Stadtoberhaupt auf den Punkt.

Der Denkmalschutz war auch der Grund, warum der Wärmeschutz als Innenputz angebracht werden musste. Die Aufdachdämmung wurde erhöht, neue Fenster sorgen zudem für Energieeffizienz. Wie auch der Fernwärmeanschluss.

Straße bald wieder frei

Die beengten räumlichen Verhältnisse seien mit die größte Herausforderung des Projekts gewesen, berichtete Architekt Ulrich Greiner. Ein weiterer großer Punkt sei die Statik gewesen, schließlich reichen die Gewölbekeller teils bis in die Straße hinein, auch das marode Dach hatte es in sich.

„Aus dem hässlichen Entlein ist ein schöner Schwan geworden.“

Markus Ackermann, Bürgermeister

Architekt Greiner und Bürgermeister Ackermann bekräftigten die Notwendigkeit der monatelangen Straßensperrung. Aus Gründen der Sicherheit –unter anderem durch herunterfallende Teile – und der Effektivität habe es keine Alternative gegeben. Seit Mitte September ist die Böhmerstraße einseitig befahrbar, Ende der kommenden Woche könnte auch diese Einschränkung aufgehoben werden, ergänzte Bauamtsleiter Rainer Röhrl. Vorher muss eine Asphaltierung vor dem Nachbargebäude abgeschlossen sein.

Gespräch

Jubi schlüpft unter das Dach des Bezirks

Geschäftsführer Alois Nock erklärt, warum die neue Trägerschaft für das Waldmünchener Haus nur die Wirklichkeit abbildet.

Bereits in den nächsten Tagen wird der Übergang markiert – mit weißer Farbe auf der Straße. Dieser soll optisch eine Querungshilfe sein, damit Seminarteilnehmer, Lehrkräfte und andere Besucher gefahrfrei von der „alten“ Jugendbildungsstätte (Jubi) die Dependance erreichen können. Ergänzt werden die Markierungen auf der Straße von Blinklichtern. Für mehr Sicherheit sorgen der zurückgesetzte Eingang sowie der abgesenkte Bürgersteig.

Röhrl erläuterte, was im Gebäudeinneren als Nächstes ansteht: Estrich und Plattenbeläge, Akustikarbeiten sowie der Einbau des Stegs, der die beiden historischen Baukörper verbindet. „Dann kommen schon die Maler“.

„Ein paar kleinere Nachträge“

Rund 3,66 Millionen Euro sind bis dato in das im Sommer 2018 begonnene Mammutprojekt geflossen, informierte der Bauamtschef, der von einer geringen Erhöhung der Gesamtkosten ausgeht. Geschuldet sind diese „ein „paar Nachträgen, die aber im Rahmen liegen“ und bei einer Maßnahme dieser Größenordnung nichts Ungewöhnliches seien.

„Ein Quantensprung“

Für die Jugendbildungsstätte ist das neue Gebäude ein Quantensprung. „Wir schaffen ein Zentrum für Umweltbildung“, verdeutlicht Jubi-Chef Alois Nock. Im früheren Gasthaus werden dann sämtliche Seminare dieses Genres – geplant sind derzeit an die 15 für 2020 – abgehalten, mit optimalen, qualitätsvollen Ressourcen, wie er sich freut. Denn durch die vielen beruflichen Angebote waren entsprechende Räumlichkeiten bis dato knapp.

Blick auf die Altstadt: Das hochgelegene ehemalige Gasthaus, das von außen schon wie neu aussieht (rechts). Foto: ps
Blick auf die Altstadt: Das hochgelegene ehemalige Gasthaus, das von außen schon wie neu aussieht (rechts). Foto: ps

Ein Quantensprung aber auch, weil die Jubi in dem „Zweitwohnsitz“ neue Wege geht. Mit den Abendveranstaltungen, zu denen im „Bürgertreff am Böhmertor“ eingeladen werden soll, öffnet sich die Bildungseinrichtung lokal-regional. Am Format und Konzept wird derzeit getüftelt, Nock schweben zwei, drei Stunden Information zu Themen, die bewegen, vor.

Gelassen in die Zukunft

Während der Zweckverband als Bauherr für alles, was fest installiert ist, zuständig ist, muss die Jubi Medienausstattung und Co. selbst mitbringen oder neu beschaffen. Nachdem der Bezirk Oberpfalz als neuer Träger die Notwendigkeit einer guten Ausstattung erkannt hat, sieht Alois Nock dem ganz gelassen entgehen. „Wir sind sehr zufrieden“, fasst er zusammen.

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