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Engagement

Ein Herz für Glaubensrebellen

Ausnahmemusikerin Julia Wenzl vereint Ministrantenband und Frauenchor in einem Musical über Johannes den Täufer.
Von Roman Hiendlmaier

Vielstimmige Glaubens- und Wertevermittlung: Wie Neumarkter Teenager im Juni „Isaak“ als Musical auf die Bühne brachten, werden die Kötztinger Ministrantenband und Frauenchor im November drei Aufführungen von „Johannes der Täufer“ in der Aula des BSG geben. Foto: MZ/Alexandra Lindner
Vielstimmige Glaubens- und Wertevermittlung: Wie Neumarkter Teenager im Juni „Isaak“ als Musical auf die Bühne brachten, werden die Kötztinger Ministrantenband und Frauenchor im November drei Aufführungen von „Johannes der Täufer“ in der Aula des BSG geben. Foto: MZ/Alexandra Lindner

Bad Kötzting. Es ist nicht so, dass Julia Wenzl nicht ausreichend beschäftigt wäre: Gymnasialreferendarin in Nürnberg, begabte und gefragte Pianistin und Solistin mit dem Waldhorn – und Ministrantenband „Con Gioia“.

Sie hat schon während ihrer Schulzeit am Benedikt-Stattler-Gymnasium ihr Ausnahmetalent als Musikerin unter Beweis gestellt, das sie zuletzt bei der Eröffnung der Stadthalle Cham, Konzerten des Kammerchors oder jüngst in Bad Kötzting mit ihrem guten Freund Stephan Schlögl zeigte. Ihre „Werke aus 350 Jahren Musikgeschichte für Klavier solo und vierhändig, Gesang mit Klavierbegleitung und Waldhorn“ war in der randvollen Jahnhalle vielumjubelt.

Jüngster Auftritt in der Heimat: Julia Wenzl begleitete Tenor Stephan Schlögl im September in der Jahnhalle.  Foto: Wenzl
Jüngster Auftritt in der Heimat: Julia Wenzl begleitete Tenor Stephan Schlögl im September in der Jahnhalle. Foto: Wenzl

Ähnliche Reaktionen des Publikums erhofft sich die 25-Jährige auch im November, wenn ihr aktuelles Projekt an drei Abenden über die Bühne geht: „Johannes der Täufer“ ist der Titel eines „Bibelmusicals“, für das die Ministranten-Bandleaderin die Verantwortung übernommen hat.

„Prophet mit krasser Botschaft“

„Die Band macht so viel Spaß und kommt bei Zuhörern so gut an, dass ich zu Jahresbeginn beschloss, ein größeres Projekt auf die Beine zu stellen.“ Als der Frauensingkreis zusagte, kam auch ein größeres Stück in Frage. Julia Wenzl blätterte ein wenig im Werkverzeichnis des Vereins „Adonia“ und fand Gefallen an den Musikstücken im Musical „Johannes der Täufer“.

Wenngleich „Adonia e.V.“ ein gemeinnütziger Verein aus Karlsruhe ist, der Musikproduktionen für christliche Chor- und Jugendarbeit anbietet, kommen die Stücke laut Julia Wenzl aber modern und zeitgemäß rüber. „Ich konnte die Stücke so umschreiben, dass sie für uns passen,“ erzählt die damalige Studentin von ihrer Abwechslung zum Lernstress für ihre Examen im Frühsommer.

Die Adonia-Leute konzentrieren sich bei ihrer künstlerischen Darstellung nicht nur auf die Botschaften des zur Zeit Jesu lebenden Propheten, dessen Gefangennahme und Enthauptung über die Epochen hinweg Künstler inspirierte. In dem in seiner Urfassung gut einstündigen Musical wird in Liedern und kurzen Theaterszenen Johannes der Täufer als prominente, charismatische Persönlichkeit dargestellt, der für seine Überzeugungen lebte. „Alle wollten ihn hören, den Propheten mit der krassen Botschaft,“ heißt es über den spirituellen Pionier, der kein Blatt vor den Mund nahm und den Menschen mit klaren Worten ins Gewissen redete: „Ein leidenschaftlicher Prediger. Ein Kämpfer gegen heuchlerische Frömmigkeit. Der Wegbereiter für den Messias“.

Seit April wird in der Kirchenburg wöchentlich geprobt, erzählt die Ensemblechefin. Die Fortschritte freuten sie dabei sehr und machten sie zuversichtlich an den drei Aufführungstagen 8., 9. und 10. November (Freitag und Samstag 19 Uhr, Sonntag 16 Uhr) ein Stück präsentieren zu können, „dass nicht nur Kindern und Jugendlichen, für die das ja eigentlich gemacht wurde, sondern auch Erwachsenen gefallen soll.“ Als Aufführungsort wählte man ob der Größe des Ensembles und der dort vorhandenen Technik Julias ehemalige Wirkungsstätte: BSG-Schulleiterin Birgit Maier gab natürlich die Aula als Musical-Bühne frei.

Ihre Energie zu geben fühlte sich Julia Wenzl auch den voraussichtlich über 30 Musikern und Darstellern verpflichtet, die sie bei der Vorbereitung hervorragend unterstützen. Zeit und Nerven, die sie als Pendlerin zwischen Nürnberg und Bad Kötzting investiert, sind für sie nicht der Rede wert: „Wenn man sieht, wie so ein Projekt wächst und welche Fortschritte es gibt, ist das den Aufwand in jedem Fall wert.“

Ein Zeichen setzen

Das Stück über den markanten Zeichensetzer vor gut 2000 Jahren ist schließlich auch ein Meilenstein, der Julia Wenzls künstlerische Zeichensetzung in ihrer Heimat fortsetzt: So hat sie im vergangenen Jahr mit dem Cellisten Hannes Stock und den Gesangs-Geschwistern Zistler drei junge Musiker aus Afghanistan unterstützt, die sich in der Oberpfalz ihre Zukunft aufbauen möchten. „Man kann in kurzer Zeit eine ganz neue interkulturelle Kombination erreichen, die es so noch nicht gibt“, sagte sie über ihre Beweggründe damals .

Mit dem Bibelmusical können Julia Wenzl und ihre Mitstreiter nun in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt eine musikalische Kultur aufbauen, die es dort bisher auch nicht gab – zumindest schon lange nicht mehr.

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