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Gebrauchtwaren

Ein leidenschaftlicher Einkaufs-Appell

Karin Bucher rührt die Werbetrommel: Der Chamer Werkhof ist am neuen Standort in der Altenstadter Straße eröffnet worden.
Von Andreas May

Bei der Eröffnung des Sozialkaufhauses, vorne von links: Wolfgang Rießelmann (PSAG Cham), Bürgermeisterin Karin Bucher, Dekan Walter Kotschenreuther, Diakon Karl Rühl, Landrat Franz Löffler und Sven Schmuderer (Vertreter der Geschäftsführung), hinten MitarbeiterFoto: May
Bei der Eröffnung des Sozialkaufhauses, vorne von links: Wolfgang Rießelmann (PSAG Cham), Bürgermeisterin Karin Bucher, Dekan Walter Kotschenreuther, Diakon Karl Rühl, Landrat Franz Löffler und Sven Schmuderer (Vertreter der Geschäftsführung), hinten MitarbeiterFoto: May

Cham.Viele strahlende Gesichter waren bei der offiziellen Neueröffnung des Werkhofs Cham zu sehen. Dabei war es alles andere als leicht, einen neuen Standort für das Sozialkaufhaus der Diakonie zu finden. Nach intensiver Suche, beginnend im Herbst 2017, begünstigten glückliche Umstände sowie außergewöhnliche Kooperationen einen positiven Ausgang.

Geschäftsführer Markus Friedrich dankte insbesondere Wolfgang Rießelmann von der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Cham für seine Vermittlung. Auch ohne das Entgegenkommen der Vermieter Heller wäre das neue Mietverhältnis nicht zustande gekommen, wie es hieß. 22 Projekte seien bei der Suche in die nähere Auswahl gekommen, viele aber unfinanzierbar oder aus anderen Gründen nicht zu realisieren gewesen.

Keine Konkurrenzsituation

Geschäftsführer Markus Friedrich dankte den Mitarbeitern. Sie bewiesen täglich, dass es auch nach langer Arbeitslosigkeit möglich sei, im Arbeitsalltag zurechtzukommen. Foto: May
Geschäftsführer Markus Friedrich dankte den Mitarbeitern. Sie bewiesen täglich, dass es auch nach langer Arbeitslosigkeit möglich sei, im Arbeitsalltag zurechtzukommen. Foto: May

In der Altenstadter Straße 19 wurde nun ein Fünfjahresvertrag abgeschlossen. Als unmittelbarer Nachbar von Thomas Philipps sehen sowohl der Werkhof als auch der Sonderpostenhändler keine Konkurrenzsituation. „Wir sind dankbar, dass unser Nachbar uns als Bereicherung ansieht“, sagte Friedrich. Dem Landratsamt und nicht zuletzt den zahlreichen fleißigen Mitarbeitern wurde großer Dank ausgesprochen. Letztere beweisen täglich, dass es auch nach langer Arbeitslosigkeit möglich ist, im Arbeitsalltag zurechtzukommen.

Dekan Walter Kotschenreuther sprach im Anschluss den Segen für das neue Gebäude und die Mitarbeiter des Werkhofs. Der Dekan verwies auf die Relevanz der sozialen Frage bereits seit dem Urchristentum. Bis heute fragen sich die Menschen, wie sie damit umgehen können, was in unserer Welt an gerechter oder ungerechter Verteilung existiert. Das christliche Menschenbild sollte von allen so ernstgenommen werden, dass Gleichbehandlung zur Maxime wird. Keine Nationalität oder ein Status sollten der Maßstab seiner Selbstdefinition sein.

„Da wird man schnell nachdenklich.“

Landrat Franz Löffler

Der Geistliche lobte die Funktion des Werkhofs und die Tatsache, dass jeder im Sozialkaufhaus einkaufen könne. Hier finde Begegnung auf Augenhöhe statt, unabhängig vom Einkommen oder Ansehen. Menschen erhalten eine Aufgabe und damit auch einen Sinn im Leben. Im Werkhof werde jeder respektiert, akzeptiert und ist gewollt. Dies sei auch bei Gott der Fall.

Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler ist froh, dass der neue Standort realisiert werden konnte. Die wesentliche Beteiligung von Wolfgang Rießelmann sei nicht hoch genug einzuschätzen. Lebend in einer Wirtschaftsoase, werfe sich immer wieder die Frage auf, ob jeder in der Boomphase mitgenommen werde: „Da wird man schnell nachdenklich“, hielt der Landrat inne. Das Sozialkaufhaus in Cham liefere einige schlüssige Antworten auf Fragen in diesem Zusammenhang. 12 000 Werkhofbesucher im vergangenen Jahr belegen die Sinnhaftigkeit der Kaufhausexistenz.

Auch die Chamer Bürgermeisterin Karin Bucher ließ es sich nicht nehmen, einige Worte zum feierlichen Anlass zu sprechen. Es sei immer schwierig, Flächen in der Größenordnung des Bedarfs eines Sozialkaufhauses zu finden, und zudem sei das geringe Budget des Werkhofs zu berücksichtigen. Umso toller sei es, dass es nun geklappt habe.

„Auch ich habe schon öfter beim Werkhof eingekauft.“

Bürgermeisterin Karin Bucher

Als „toll“ bezeichnete Bucher auch die Einrichtung an sich: „Auch ich habe schon öfter beim Werkhof eingekauft“, sagte die Bürgermeisterin. Die Menschen sollten ihre Scheu verlieren, Dinge zu kaufen, die schon von anderen Personen benutzt worden seien. Die Ware sei einwandfrei und die Auswahl groß. Zu begrüßen seien die drei selbst gesteckten Ziele der diakonischen Einrichtung: sinnstiftende Beschäftigungsmöglichkeiten, günstiges Warenangebot sowie Umweltschutz durch Wiederverwendung.

Möbel werden angenommen

Wolfgang Rießelmann teilte mit, dass ab sofort wieder Möbel und andere Gebrauchsgegenstände abgegeben werden könnten. Jährlich werden im Werkhof etwa 60 Tonnen gut erhaltene Waren wiederverwertet. Die Entlastung der Umwelt wird durch die Ersparnis von Gebietskörperschaften und der Bürger ergänzt.

Chronik und Meilensteine des Werkhofs

  • Eröffnung:

    Im August 2011 eröffnet der erste Werkhof in Katzbach.

  • Titel:

    Den offiziellen Titel Werkhof Cham gibt es seit März 2012.

  • Firma:

    2013 wird der Werkhof Integrationsfirma.

  • Umzug:

    2015 erfolgen die Kündigung und der Umzug in die Gartenstraße.

  • Stellen:

    Im Juli 2016 werden Zuverdienststellen geschaffen.

  • Suche:

    Der Mietvertrag in der Gartenstraße 17 muss Ende 2017 aufgelöst werden, die Suche nach neuen Räumlichkeiten beginnt.

  • Standort:

    2018 wird die Altenstadter Straße 19 zum neuen Standort, die Eröffnung findet am 21. März statt.

Sven Schmuderer wies als Vertretung des Geschäftsführers des Jobcenters auf die Wichtigkeit einer Mischung aus Entgeltbeschäftigten und Ehrenamtlern hin. Geförderte Beschäftigung führe zudem zu einer Erleichterung beim Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Die Langzeitarbeitslosigkeit ist auch aus Sicht des Weidener Diakons Karl Rühl ein elementares Problem. „Studien belegen, dass Langzeitarbeitslosigkeit krank macht“, erklärte er. Die psychische und soziale Reduzierung von Menschen gehe damit einher. Es sei letztendlich die Kirche, die sich um Betroffene kümmere.

„Die meiste Last hat sie getragen“, verwies Dekan Kotschenreuther auf die außergewöhnliche Leistung der Mitarbeiterin Roswitha Mertens. Überhaupt sei der Einsatz aller Mitarbeiter nicht hoch genug zu bewerten.

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