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Porträt

Ein Mann auch mal für die Kanzlerin

Günther Lommer (67) hat es vom Schüler-Fußballer zum ASV-Präsidenten und bis an die Spitze des BLSV gebracht. Da weiß er auch wie Uli Hoeneß tickt.
Von Ernst Fischer

  • Günther Lommer (67) mit zwei Skulpturen, die ihm sein Verein zum Abschied als Präsident geschenkt hat Foto: Fischer
  • Günther Lommer (3. v. li.) mit dem ersten Vorstandsteam (v. re.): Lorenz Scheurer, Anni Wachs, Luise Janker, Carla Suchy, Leo Hackenspiel
  • Günther Lommer mit Präsidenten-Nachfolgerin Christine Gabriel beim Silvesterball, mit dem das ASV-Jubiläumsjahr eingeleitet worden ist

Cham. Der ASV Cham wird 150 Jahre alt. Wir begleiten das Jubiläumsjahr mit einer Serie über die Menschen, die den Verein tragen. Heute: Günther Lommer.

33 Jahre lang, von 1974 bis 2007, war dieser Mann Vorsitzender und Präsident beim ASV und hat es so auch an die Spitze des Landessportverbandes in Bayern gebracht. Da hat er auch mal mit Bayern-Präsident Uli Hoeneß oder der Kanzlerin zu tun. Aber das sind „Menschen wie alle anderen auch“, erzählt er im Gespräch mit Ernst Fischer. Und das bleibt für Günther Lommer immer sein Credo: „Mein Verein ist und bleibt der ASV.“

Wie alt war Günther, als er zum ASV-kam?

Eigentlich bin ich von Klein auf dabei. Schon mein Opa und der Vater Franz haben sich im Verein engagiert. Mein Vater war geschäftsführender Fußball-Abteilungsleiter in den großen Zeiten der Zweiten Liga. Da bin ich schon als kleiner Bub immer mitgerannt. An das 5:5 gegen die Sechziger daheim kann ich mich noch gut erinnern. Mit sechs Jahren bin ich dann selbst zu den Fußballern gegangen. Unser Erstklasslehrer Herbert Schmidt war schuld. Der war fußballbegeistert und auch Jugendtrainer beim ASV.

Wie hoch ging die Fußballerkarriere?

Ich hab’s als Libero in der Ersten bis zur Bezirksliga gebracht, Landesliga habe ich nicht mehr gespielt. Mit 32 Jahren war 1978 Schluss, danach nur noch ab und zu in der Reserve.

War’s das als aktiver Sportler?

Überhaupt nicht. Sport, Sport, Sport, das war mein Leben. Handball habe ich mit zwölf Jahren angefangen und später in der Ersten von 1972 bis ’78 in der Landesliga als Kreisläufer gespielt – mit Namen wie Striegl, Beer, Bachl oder Berg. Als Leichtathlet war ich auf den Mittelstrecken unterwegs.

Der größte Erfolg als Sportler?

Vielleicht der Aufstieg mit den Handballern in die Landesliga. Aber ich war nie der überragende Sportler, bin eher überall ein bisschen mitgelaufen, aber mit großer Begeisterung.

Wie wird ein so begeisterter Aktiver zum Funktionär?

1972 wurde ich bei einer Hauptversammlung im Kolpinghaus zum Pressereferenten gewählt, weil sie keinen anderen hatten. Der Vorsitzende Sepp Urban ist dann erkrankt, und ich habe die Post für ihn erledigt. Damals war die ASV-Geschäftsstelle noch ein kleines Kämmerchen im ehemaligen Gasthaus Luckner in der Schwanenstraße. Da herrschte das blanke Chaos, und ich hab erstmal alles geordnet und mium die Verwaltung gekümmert. .

Und so wird man Präsident?

Als der Vorsitzende Sepp Urban gestorben ist, waren als Nachfolger ziemlich bekannte Leute im Gespräch. Aber die haben alle Nein gesagt. Am Wahlabend war immer noch keiner da, der’s gemacht hätte. Da haben sie mich gefragt. Und so bin ich an diesem Abend im Mai 1974 zum ASV-Vorsitzenden gewählt worden. Ich erinnere mich noch gut, wie ich mit meinem Jeans-Jackerl da vorne gestanden bin.

33 Jahre sind Sie Vorsitzender und später Präsident geblieben. Was war das schönste Erlebnis in dieser Zeit?

Da möchte ich nichts herausgreifen. Aber ein wenig stolz bin ich auf die Bilanz: 1974 hatte der ASV sieben Abteilungen mit 1214 Mitgliedern. Heute sind es 21 Abteilungen mit 3200 Mitgliedern. 1974 hatte der ASV 60000 Mark Schulden, bei der Amtsübergabe 100000 Euro Plus. Dabei haben wir dreimal gebaut in dieser Zeit.

Was denn?

Erst 1975 das Vereinsheim am städtischen Stadion, später den Rasentrainingsplatz und schließlich das neue Vereinsheim mit Halle für die Kindersportschule KISS.

Wie finanziert man denn einen Verein mit 21 Abteilungen und über 3000 Mitgliedern? Wie viel Geld braucht es da?

Das Jahresbudget des ASV lag in meiner Zeit bei 200000 Euro. Aus Mitgliedsbeiträgen kamen circa 120000 Euro herein, der Rest aus Eintrittsgeldern, Spenden von Sponsoren und Förderung der öffentlichen Hand.

Wo sind die großen Sponsoren des ASV?

Für mich galt immer das Prinzip: Mitglieder sind Geld. Wir haben zum Beispiel Ferienfreizeiten für die Kinder gemacht mit 1500 Teilnehmern. So sind viele zum Verein gekommen.

Wie viel Arbeit macht das alles für einen Präsidenten?

Das war fast ein Teilzeitjob neben meinem Lehrerberuf. Fast jede Minute meiner Freizeit gehörte dem ASV. Morgens um 5 Uhr bin ich oft aufgestanden und habe vor der Schule noch Vereinsverwaltung gemacht.

Das schönste Erlebnis als ASV-Präsident?

Da gab es so viele…

Und die größte Enttäuschung?

Hat es nie gegeben beim ASV. Mir haben nur ein paar Dinge wehgetan, zum Beispiel, als sich Abteilungen, wie American Football oder Tischtennis, wieder auflösten. 1998 wurden die Ringer 100 Jahre alt und hätten auch beinahe aufhören müssen, weil sich kein Abteilungsleiter mehr fand. Da habe ich es eineinhalb Jahre lang mitgemacht, nur damit es weiterging.

Und warum haben Sie dann 2007 doch aufgehört als ASV-Präsident?

Ich hätte es am liebsten gemacht, bis ich 100 bin. Aber dann kamen ja noch andere Aufgaben beim Bayerischen Fußballverband und beim Landessportverband hinzu. Da habe ich von den Journalisten in München immer wieder die Frage gehört: „Was, Vereinspräsident sind Sie auch noch. Und Stadtrat? Und, und, und?“ Die wollten mir zu verstehen geben, dass man das alles wohl nicht schaffen kann. So habe ich mich entschieden, die Aufgabe beim ASV abzugeben.

Die Nachfolger-Suche hat gedauert…

Ich wusste genau, wen ich haben wollte. Aber Christine Gabriel hat erst noch gezögert, weil sie nicht so gern ganz vorne in der Öffentlichkeit stehen möchte. Aber ich habe sie überzeugen können. Heute macht sie den Job mindestens genau so gut wie ich.

Und Günther Lommer gehört heute zu den Top-Sportfunktionären in Deutschland als BLSV-Präsident und BFV-Vizepräsident. Wie kommt man so weit hoch?

Ganz einfach gesagt. Man tut was. Und wenn man es offenbar gut macht, dann fällt das jemandem auf. 1986 zum Beispiel vor der Wahl zum Oberpfälzer Fußballbezirksvorsitzenden hat mich der Schiedsrichterobmann angerufen und bedrängt, dass ich es machen sollte, weil es angeblich sonst niemanden gibt. Dabei war das ein politisches Spiel, von dem ich nichts gewusst habe. Da gab es nämlich doch einen Gegenkandidaten aus dem SPD-Lager. Ich habe dann mit 14 Stimmen Vorsprung gewonnen.

Ihre Wahl zum BLSV-Präsidenten 2004 hatte dramatischere Züge…

Da sind einige Dinge passiert unter dem damaligen Vorgänger, über die ich nicht konkret sprechen möchte.

Der Vorgänger-Präsident Prof. Peter Kapustin war wegen Dienstwagen-Geschichten oder Flugkosten für seine Frau ins Schussfeld geraten. Wie kamen Sie als Nachfolger ins Gespräch?

Man hat wohl durchaus bemerkt, wie ich als Schatzmeister beim Bayerischen Fußballverband ein 80-Millionen-Loch ausgebügelt habe. Und im BLSV-Präsidium war ich ja schon seit 2000 als Vizepräsident. Zuerst habe ich Nein gesagt, als ich gefragt wurde. Aber in der Nacht vor der Entscheidung haben sie mich bis um halb Vier bekniet. Meine Frau hat es dann am nächsten Morgen im Radio erfahren.

Und als Sie selbst am nächsten Morgen wieder aufgewacht sind…

…da ist mir erstmal richtig mulmig geworden. Am Anfang war der Präsidentenjob nach den unrühmlichen Vorgänger-Geschichten auch richtig brutal. Mit jeder Unterschrift hast du nicht gewusst, ob du vielleicht im Gefängnis landest. Der BLSV, das ist ein Unternehmen mit 340 Leuten, das auch so geführt werden muss. Das habe ich nicht gelernt. Aber ich habe auch in dieser Aufgabe gelernt: Man kann in alles reinwachsen.

Der BLSV-Präsident, ein Managerjob – und wie ist er dotiert?

…ein lupenreines Ehrenamt. Ich bekomme 800 Euro Aufwandsentschädigung im Monat. Und da ist alles drin, außer Fahrtkosten. Ich zahle mein Telefon selber. Und wenn ich jemanden zum Essen einlade, dann auch. Die Aufwandsentschädigung habe ich selbst zweimal gekürzt. Und als erste Amtshandlung als BLSV-Präsident habe ich den Dienstwagen-Mercedes meines Vorgängers abbestellt – und den Chauffeur.

Und heute mit Routine – Wie viel Zeit kostet der Job als BLSV-Präsident?

Das ist unterschiedlich. Im Schnitt bin ich drei bis vier Tage im Büro in München oder anderswo unterwegs.

Sie repräsentieren den BLSV auch bei sportlichen Großereignissen, in Politik und Wirtschaft. Da trifft man auch die Großen dieser Welt. Wie beeindruckt sind Sie?

Ja, da hat man schon mal mit Beckenbauer oder Hoeneß zu tun. Und mit der Kanzlerin bin ich auch schon an einem Gesprächstisch gesessen. Beim ersten Mal ist das vielleicht noch prickelnd. Aber das sind Menschen wie alle anderen auch. Bei Angela Merkel hat mich am meisten beeindruckt, wie sie bei all ihren großen Aufgaben auch die kleinsten Details gekannt hat, als wir zum Beispiel über Integration im Sport gesprochen haben.

Und wie denken Sie über Hoeneß , jetzt nach dem Outing seiner Steuer-Affäre?

Ich habe einmal mit ihm verhandelt und ihn so erlebt: Am Anfang sehr forsch, aber dann geht er auf sein Gegenüber ein. Er hat auch sofort seine persönliche Hilfe angeboten. Beim Urteil heute sollte man seine Lebensleistung nicht übersehen, die andere nicht vorzuweisen haben.

Übrigens: Könnte es sein, dass Sie am 25. Mai beim Champions-League-Finale wieder irgendwo neben Hoeneß auf der Wembley-Tribüne in London sitzen?

Da sitze ich daheim im Wohnzimmer und schaue mir das am Fernseher an. Wie gesagt: Wenn, dann zahle ich solche Reisen selber. Wembley in London würde so viel Geld kosten, das kann ich mir nicht leisten.

Bei allen großen Aufgaben: Bleibt da noch Zeit für den ASV?

Manchmal ist mir sogar langweilig (er lacht). Aber ganz im Ernst: Ich schaue mir jedes Handball- und Fußballspiel an, wenn ich da bin. Ich gehe zu den Basketballern oder zu den Bosselern. Ich schreibe weiter die Chronik des ASV. Und in der Festschrift zum Jubiläum ist jedes Wort von mir. Ich sag’s einfach ganz kurz mal so: „Der ASV ist mein Verein.“

Die Sportler-Laufbahn von Günther Lommer

Die Sportlerfamilie von Günther Lommer (67) ist seit drei Generationen mit dem ASV eng verbunden.

Großvater Franz Lommer war Oberturnwart, Wanderwart und Betreuer der Handballdamen.

Vater Franz Lommer war geschäftsführender Fußballabteilungsleiter zu den größten Chamer Fußballzeiten in der 2. Liga der 50er Jahre.

Die aktive Sportlerlaufbahn von Günther Lommer begann mit sechs Jahren in der Fußball-Schülermannschaft. In der Ersten brachte er es als Libero bis zur Bezirksliga. Bei den Handballern gehörte er als Kreisläufer zum Aufstiegsteam in die Landesliga. Als Leichtathlet lief er die Mittelstrecken. 1978 beendete er seine aktive Sportler-Karriere.

Zum ASV-Vorsitzenden wurde Lommer im Mai 1974 gewählt und blieb es 34 Jahre. 2007 übergab er an seine Nachfolgerin Christine Gabriel.

Ab 1986 Bezirksvorsitzender des Oberpfälzer Fußballverbandes

Ab 1998: Schatzmeister und Vizepräsident im Bayerischen Fußballverband

2000: Wahl ins Präsidium des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV)

Ab 2004: Präsident des BLSV

Persönliches: verheiratet, zwei Söhne, Beruf Lehrer (seit zwei Jahren in Pension), CSU-Stadtrat (ef)

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