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Menschen

Ein neues Leben als Spitzen-Bäcker

Fahan Mahamad hat als Bester die Ausbildung zum Bäcker beendet. Nun will er sich in Waldmünchen einen Traum erfüllen.
Von Ingrid Milutinovic

Mit Fahan Mahamad freuen sich seine Ausbilder Peter Philipps (li) und Christian Philipps (re.) über den Erfolgs des Auszubildenden. Foto: Ingrid Milutinovic
Mit Fahan Mahamad freuen sich seine Ausbilder Peter Philipps (li) und Christian Philipps (re.) über den Erfolgs des Auszubildenden. Foto: Ingrid Milutinovic

Waldmünchen.Fast liest es sich wie ein kleines Märchen: Fahan Mahamad kam als junger Flüchtling aus Somalia – und ist nun Jahrgangsbester der Bäcker. Aber von Anfang an. Der gebürtige Somalier nahm 2012 den langen und gefahrvollen Weg nach Europa auf sich. In einem Boot über das Mittelmeer. 15 war Fahan damals. Erst bei der Ankunft auf Bari konnte er aufatmen.

Bald ging es weiter, zuerst nach Rosenheim, dann über verschiedene weitere Stationen nach Waldmünchen. Als „unbegleiteter Jugendlicher“ fand er unter den Fittichen der Jugendbildungsstätte in der Post ein vorläufiges neues Zuhause. Deutsch lernen und sich damit nicht nur verständlich machen, sondern auch verstehen, was andere ihm sagen wollen, stand für ihn damals ganz oben auf der To-do-Liste.

Energie in Ausbildung gesteckt

Der junge Fahan wollte einen Beruf erlernen und nahm deshalb ein Angebot, in den unterschiedlichsten Praktika in die diversen Möglichkeiten hinein zu schnuppern, mit Begeisterung an. Ob Werkstatt, Küche, Bäckerei – überall merkten seine Kollegen schnell: Hier ist ein junger Mann, der es ernst meint mit der Integration. Fleiß, Ordnung und immer gute Laune, das war es, was Fahan Mahamad von Anfang auszeichnete. Bei seinen bisherigen Lebenserfahrungen durchaus nicht selbstverständlich.

Arbeit auf Bestellung, für Mahamad kein Problem. Foto: Ingrid Milutinovic
Arbeit auf Bestellung, für Mahamad kein Problem. Foto: Ingrid Milutinovic

Nach den Praktika musste Fahan nicht lange überlegen: Das Bäckerhandwerk hatte es ihm angetan. Früh Aufstehen war für ihn kein Problem – und einen Lehrherrn finden ebenso wenig. Und so begann er 2016 die Ausbildung in der Bäckerei Philipps. Seine Chefs, Bäckermeister Christian Philipps und Seniorchef Peter Philipps sind voll des Lobes für den Auszubildenden. Seine Deutschkenntnisse seien inzwischen toll – das sei besonders wichtig, auch in der Berufsschule. Schließlich gilt es, den Lehrstoff zu verstehen und dann entsprechend anwenden zu können.

Wie Peter Philipps bemerkt, können sich da einige andere durchaus eine Scheibe abschneiden. Seine ganze Energie, und davon hat Fahan jede Menge, stecke er in seine Ausbildung. So war es dann auch kein Wunder mehr, dass er die Zwischenprüfung Anfang 2017 als Jahrgangsbester abschloss. Für Peter Philipps war es nur eine logische Konsequenz, dass er auch die Gesellenprüfung als Bester bestand. Acht verschiedene Gebäckarten mussten in der Prüfung hergestellt werden. Gut organisiert müsse man da sein, denn es stehen nur fünf Stunden zur Verfügung. Dass die Klasse aus Bäckern der Landkreise Regensburg, Cham und Kelheim ein großes Gebiet umfasst, unterstreicht nur noch die Bedeutung dieser Leistung.

Der Weg zum besten Bäcker

  • Die Ausbildung:

    Die Ausbildung zum Bäcker dauert drei Jahre. Der Berufsschulunterricht – neben der praktischen Ausbildung ein wichtiger Meilenstein bis zur Abschlussprüfung–findet für die Landkreise Regensburg, Cham und Kelheim gemeinsam in Regensburg statt. Auch die zukünftigen Bäckereifachverkäufer und Fachverkäuferinnen werden hier unterrichtet.

  • Die Jahrgangsbesten:

    Für den Ausbildungsgang Bäcker war Fahan Mahamad , ein gebürtiger Somalier, der Beste seines Jahrgangs. Sein Ausbildungsbetrieb war die Bäckerei Philipps in Waldmünchen. Auf die Leistung ihres Auszubildenden sind dort alle stolz. Beste Bäckerei-Fachverkäuferin war Maria Lehnert. Sie machte ihre Ausbildung bei der Bäckerei Schifferl in Bach.

  • Übernahme:

    Fahan Mahamad hat von der Bäckerei Philipps einen Arbeitsvertrag als Geselle erhalten. Im Rahmen der „Drei-plus-zwei- Regelung“ kann er hier jetzt zwei Jahre in der Backstube arbeiten und noch weitere wichtige Erfahrungen sammeln.

Jetzt darf Fahan Mahamad sich „Bester Bäcker 2019“ nennen, eine Ehre, die er selber noch gar nicht so recht glauben mag. Jetzt wartet er noch auf eine weitere Ehrung: Die Einladung des Bäckerinnungsverbandes Bayern stehe zwar noch aus, so Peter Philipps, aber die Aussichten seien gut. Dann kann Fahan beim Entscheid auf Bayernebene teilnehmen.

Was an dieser Stelle auch einmal gesagt werden muss: Für einen solchen Erfolg muss viel zusammenkommen. Natürlich als erstes der Einsatz des Auszubildenden, aber auch das Engagement des Ausbildungsbetriebs. Die Motivation war bei allen enorm, betont Peter Philipps. Und Christian Philipps ergänzt: Fahan war als Auszubildender eine richtig gute Wahl. Das tolle Ergebnis zeigt das ganz klar. Und für Christian Philipps uns seinen Vater ist klar: Zum neuen Ausbildungsjahr bekommt ein weiterer Jugendlicher – dieses mal aus Eritrea – eine Chance. Was Fahan mit dem ihm eigenen Humor zu der Bemerkung bringt: Er ist noch dunkler als ich, da bin ich die Milchschokolade.

Porträt

Ritterschlag für Waldmünchener Bäcker

Christian Philipps ist stets auf der Suche nach Neuem. Weil er das auf hohem Niveau tut, sind seine Produkte sehr gefragt.

Hoffnung auf Frau und Kind

Auch in seinem Privatleben steht es für Fahan gut. Er wartet jetzt darauf, dass er seinen somalischen Pass erhält. Dann wird vielleicht auch ein weiter Wunsch Realität. Die Hochzeit mit seiner Partnerin, mit der inzwischen auch ein gemeinsames Kind hat. Dann, so hofft er, können sie in Waldmünchen, wo er selber bereits bestens integriert ist, ein gemeinsames Leben beginnen. Seine Deutschkenntnisse – inzwischen auch schon mit einem leichten bayerischen Zungenschlag – und sein Humor machen es ihm einfach.

Und in Christian Philipps hat er ein Vorbild gefunden. Auch dieser ist Neu-Waldmünchener und inzwischen bestens integriert. Philipps ist inzwischen in vielen Vereinen Mitglied, unterstützt diese auch und liefert für viele auch das bei Festen benötigte Brot. So wie sein Chef, ist auch Fahan in zwischen in das Vereinsleben integriert. Ob Trenckspiel (dieses Jahr fiel die Teilnahme zugunsten der Prüfungen aus) und natürlich Fußball: Fahan ist angekommen. Auch wenn es im Moment „nur“ Hobby ist, irgendwann kann er vielleicht doch einmal in einem Trikot, das von seinem „Chef“ gesponsert wurde, auflaufen.

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