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Sonntag, 23. September 2018 17° 3

Kunst

Ein Rathaus – und fast eine Galerie

Unerwarteter „Kunsttempel“: Zahlreiche Werke namhafter Maler und Fotografen sind im Rathaus von Bad Kötzting zu sehen.
Von Fred Wutz

Die reichhaltige Ausstattung des Rathauses mit Bildern ist Bürgermeister Markus Hofmann (im Foto vor Öllinger-Bildern im Treppenhaus) als Besonderheit bewusst. „Das bleibt so, auch nach der Sanierung,“ versichert er. Foto: Fred Wutz
Die reichhaltige Ausstattung des Rathauses mit Bildern ist Bürgermeister Markus Hofmann (im Foto vor Öllinger-Bildern im Treppenhaus) als Besonderheit bewusst. „Das bleibt so, auch nach der Sanierung,“ versichert er. Foto: Fred Wutz

Bad Kötzting.Ein Rathaus, das zugleich eine Art Galerie oder „Kunsttempel“ ist? – Dem auswärtigen Besucher im Bad Kötztinger Rathaus fällt die Menge an besonderen Bildern bald ins Auge. Die Einheimischen sind es aber offenbar gewohnt, weil es schon seit Jahren so ist. Oder auch das eher dämmerige Licht in den Treppenhäusern und Fluren lässt die Bilder wenig zur Wirkung kommen. Dennoch: Was da an Werken von zumeist einheimischen Künstlern ausgestellt ist, kann sich absolut sehen lassen.

Durchaus registriert werden die großformatigen Ölbilder in Haupttreppenhaus des Bad Kötztinger Rathauses. Der einheimische Kunsterzieher Alois Öllinger hat vor einiger Zeit ein paar seiner Bilder dort aufgehängt; einige zuvor dort platzierte Werke von August Philipp Henneberger wanderten dadurch eine Etage höher oder in angrenzende Flure oder Räume. Der Besucher im Rathaus kann gut 50 Bilder betrachten, ohne eine der Amtsstuben betreten zu müssen. Dort hängt – verteilt – noch einmal die gleiche Menge an Bildern.

Alle Werke in Verzeichnis

August P. Henneberger stellt die Masse der Werke im Rathaus. Es handelt sich um Schenkungen, Ankäufe, aber auch Leihgaben. Foto: Rabl-Dachs
August P. Henneberger stellt die Masse der Werke im Rathaus. Es handelt sich um Schenkungen, Ankäufe, aber auch Leihgaben. Foto: Rabl-Dachs

„Ein Rathaus mit einer derart großen Ausstattung an Bildern ist selten. Darauf sind wir stolz“, sagt Bürgermeister Markus Hofmann, wenn er auf die doch ungewöhnlich reichhaltige Ausstattung angesprochen wird. Insgesamt hat die Stadt Bad Kötzting im Rathaus 111 Bilder. Das belegt ein genau geführtes Verzeichnis, in dem auch vermerkt ist, wem die Werke gehören. Die meisten sind Eigentum der Stadt. Viele stammen aus einer Schenkung, die der Maler und Bildhauer August Philipp Henneberger machte. Andere wurden auch seitens der Stadt angekauft.

„Momentan kann Bad Kötzting allerdings keine Kunstgegenstände kaufen, auch wenn die Bilder noch so schön wären, beispielsweise in unserer Kunstausstellung“, sagt Bürgermeister Hofmann und verweist auf die finanziell angespannte Lage der Kommune: „Dafür dürfen wir momentan kein Geld ausgeben, das liegt auf der Hand.“

Auch Werte für die einzelnen Stücke sind in dem genannten Verzeichnis definiert – in erster Linie aus Gründen der Versicherung, falls einmal doch eines der Bilder beschädigt werden sollte.

Von Henneberger bis Sailer

Ausgesprochen wertvolle Stücke sind im Bad Kötzting Rathaus zwar nicht vorhanden, aber bei näherer Betrachtung fällt auf, dass doch eine Reihe interessanter Arbeiten vorhanden ist. Sie entstanden in einem Zeitraum von rund 90 Jahren – das älteste datierte und aufgehängte Stück stammt von 1928 – und es sind auch sogar in gewisser Weise Stil- und Technikwechsel einzelner Künstler im Laufe der Jahre erkennbar.

Alois Öllinger, der am örtlichen Gymnasium unterrichtet, ist mit großformatigen Ölbildern im Rathaus Bad Kötzting vertreten. Foto: Fred Gruber
Alois Öllinger, der am örtlichen Gymnasium unterrichtet, ist mit großformatigen Ölbildern im Rathaus Bad Kötzting vertreten. Foto: Fred Gruber

Heraus ragen die Henneberger-Stücke, wobei neben Ölbildern auch Rötel- und Kohlezeichnungen vorhanden sind sowie ein paar äußerst aussagekräftige Holzschnitte mit Porträts von einheimischen Personen. Mehrfach vertreten sind auch Werke der einheimischen Künstler Alois Öllinger und Alexander Costa. Hans Höcherl und Hans Sailer sind vertreten, weniger bekannt sind die Maler W. Kleiser oder Ch. Graßl. In der Minderheit sind Fotografien. Hans Feiner und Marco Wittmann sind als Autoren dokumentiert, einige andere Bilder sind (leider) ohne Namensnennung.

„Ein Rathaus mit so großer Ausstattung an Bildern ist selten. Darauf sind wir stolz.“

Markus Hofmann, Bürgermeister von Bad Kötzting

Neben den Bildern gibt es im Rathaus Bad Kötzting auch noch Besonderheiten, die allerdings – bis auf zwei Ausnahmen – nicht so ohne weiteres zu besichtigen sind. Ein paar Plastiken – beispielsweise von Hilde Kroher oder (wiederum) von August Philipp Henneberger – sind im Dienstzimmer des Bürgermeisters oder in anderen Repräsentationsräumen zu finden. Auch im Archiv sind Plastiken eingelagert. Zwei sehenswerte „öffentliche“ Wandbilder finden sich im Neubau des Gebäudes – ein Fresko mit Darstellung aller Pfarrkirchen des Landkreises Kötzting (Autor Henneberger, Restaurator Höcherl) sowie über dem Eingangsportal des vormaligen Landratsamtes ein Mosaik mit Wappendarstellungen.

Hans Höcherl restaurierte eine Wandmalerei, ist Autor der Porträts im Gästebuch der Stadt und auch mit anderen Bildern präsent.  Foto: Fred Wutz
Hans Höcherl restaurierte eine Wandmalerei, ist Autor der Porträts im Gästebuch der Stadt und auch mit anderen Bildern präsent. Foto: Fred Wutz

Die eindrucksvollsten Kunstwerke sind sich aber gewissermaßen „unter Verschluss“: Es ist dies einerseits eine Galerie großformatiger Porträt-Zeichnungen aller Bürgermeister und Ehrenbürger der Stadt Bad Kötzting in der Neuzeit; diese Sammlung hängt im Sitzungssaal. Und schließlich gibt es noch das Gästebuch der Stadt, in der seit Jahrzehnten jeder hochrangige Besucher beim offiziellen Empfang mit einer Porträtzeichnung und einer Widmung festgehalten wurde. Die in naher Zukunft anstehende Sanierung des Rathauses, die auch einen teilweisen Umbau im Erdgeschoss mit sich bringen wird, soll in Sachen „Kunst im Rathaus“ wenig bis gar nichts ändern. Bürgermeister Markus Hofmann meint: „Das mit der Kunst, das wird so bleiben!“

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