MyMz
Anzeige

Versteigerung

Ein Schlösschen für geschätzte 290.000 Euro

Das Stamsrieder Areal mit dem Gebäude aus der Barockzeit soll vor dem Amtsgericht Regensburg an den Mann gebracht werden. Wer wird neuer Schlossherr?
Von Peter Nicklas

Das Stamsrieder Schloss blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Foto: Nicklas

Stamsried. Für 6. Juni um 8.45 Uhr ist vor dem Regensburger Amtsgericht eine Versteigerung anberaumt. Unter den Hammer kommen soll das Stamsrieder Schloss, der Schätzwert liegt bei 290.000 Euro. Eingeschlossen sind neben dem Hauptgebäude auch kleinere Liegenschaften und das 1,8 Hektar große Grundstück. „Wir sind offen für alles“, sagt Bürgermeister Bauer auf die Frage, was aus der geschichtsträchtigen Immobilie werden soll.

Die Familie Eberl als Besitzer sieht sich dagegen von der Gemeinde in einer langen Kette von Vorgängen benachteiligt. Die Versteigerung will Anton Eberl noch abwenden und ist zuversichtlich.

Die Ursprünge des Schlosses gehen weit zurück in die Vergangenheit. Ursprünglich stand auf dem Gelände eine Burg, deren Anfänge bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. Mitte des 14. Jahrhunderts erwarben die Kürner diese Burg, andere Adelsgeschlechter folgten. Später erfolgte der Umbau zu einem Schloss in Holzbauweise.

1708 bis 1710 ließ Adolph Graf von Metsch den Holzbau abreißen und den schönen Barockbau als Vierflügelanlage mit Turm, wie er sich heute darstellt, errichten. 1844 erwarb der bayerische Staat das Schloss als Sitz für den bayerischen Ministerpräsidenten Freiherr von Abel, der im Zuge der Affäre von König Ludwig I. mit Lola Montez in Ungnade gefallen war. Im Jahr 1964 ging die gesamte Anlage in den Besitz der Familie Eberl über.

Minister und andere Prominente

Es folgte eine Blütezeit, das Schloss wurde zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Mittelpunkt. Der Oberpfälzer Volksliedkreis hielt hier Jahresversammlungen und Faschingskranzl, es wurden politische Weichen gestellt wie der Sieg von Theo Zellner als Bezirkstagskandidat gegen Johanna Paulus. Adelige wie der Europa-Abgeordnete Otto von Habsburg und Prinz Luitpold waren ebenso zu Gast wie etliche Minister.

Mit ausschlaggebend waren Popularität und Einfluss des damaligen Stamsrieder Bürgermeisters Wolfgang Spießl. Legendär waren die Bockbierfeste im Stamsrieder Schloss, über die sogar der Bayerische Rundfunk in Direktschaltungen berichtete. Die örtlichen Vereine hielten hier ihre Bälle und andere Veranstaltungen ab, Hochzeiten wurden gefeiert und vieles mehr.

Neuer Schwung sollte mit dem Umbau des Schlosses zu einem „Haus des Gastes“ einkehren, der vom Staat erheblich bezuschusst wurde. Dazu wurde zwischen der Familie Eberl und der Marktgemeinde 1980 ein Nutzungsvertrag über das obere Stockwerk abgeschlossen, das zum „Haus des Gastes“ umgebaut werden sollte.

Hier nun setzen auch die Schwierigkeiten ein. Es gab Ungereimtheiten in der Planung und Ausführung, auch was die Verwendung der Gelder anbelangt. Anton Eberl dazu: „Wir konnten unsere Vorstellungen nicht einbringen. Um Fördermittel zu bekommen, mussten die Vorgaben seitens der Zuschussgeber erfüllt werden“.

Jedenfalls waren anscheinend die Ergebnisse auch nicht nach den Vorstellungen derer, die sich für eine öffentliche Förderung eingesetzt hatten. Der Staat forderte die Rückzahlung der gewährten Gelder, die sich einschließlich der Zinsen fast auf Millionenhöhe aufschaukelten. Mit Unterstützung von Staatssekretär Markus Sackmann gelang es schließlich, die vom Markt zurückzuzahlende Summe auf 160 000 Euro zu reduzieren.

Und heute? Das Schloss bietet von außen einen eher traurigen Anblick, der Putz fällt in weiten Teilen ab, am Turm ist das Dach teilweise eingefallen. Der Zugang ist gesperrt, im früheren Schlossgraben wuchern Gras und Gestrüpp. Anton Eberl dazu: „Uns sind doch die Hände gebunden“. Seit 2010 hätten er beziehungsweise sein Anwalt die Gemeinde mehrfach aufgefordert, „die Räumlichkeiten im ersten Stock des Schlosses, wie im Nutzungsvertrag beschrieben, in einem annehmbaren Zustand zurückzugeben“, nachdem zu diesem Zeitpunkt der Nutzungsvertrag ausgelaufen sei. Die Gemeinde habe dies bis heute nicht getan, deshalb konnte die Familie Eberl nach eigenen Angaben auch nichts unternehmen. Geschehen sei nichts: „Wir wurden blockiert, etwas zu machen“.

Die Gemeinde habe auch, so Eberl, einen Bauantrag auf einen Wohnhausbau innerhalb des Schlossgeländes abgelehnt.

Die Meinungen gehen auseinander

„Die Meinungen gehen weit auseinander“, sagt Bürgermeister Herbert Bauer, wie es mit dem Schloss weitergehen soll. „Ohne Nutzungskonzept wird es schwierig“, weiß auch er und könnte sich eine touristische oder gastronomische Neubelebung schon irgendwie vorstellen. Die Marktgemeinde könne ein solches Vorhaben kaum schultern, ein Investor wäre natürlich hochwillkommen, „ganz gleich woher“. „Es wäre schön, wenn sich jemand fände“, meint er. Den Umbau in eine Art Seniorenresidenz sieht er eher mit Skepsis, auch von den Gegebenheiten her. Eines ist jedoch auch für ihn klar: „Wer hier etwas Sinnvolles schaffen will, müsste viel Geld in die Hand nehmen“.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, lässt Herbert Bauer die künftige Entwicklung auf sich zukommen, auch hinsichtlich eines Engagements der Gemeinde, die er natürlich mit dem Marktrat zuerst in einer Sitzung absprechen möchte. Allemal lieber wäre ihm, wie erwähnt, ein Investor, der das Schloss wieder zu einem echten barocken Juwel verwandeln würde. Anton Eberl macht deutlich, dass alles versucht werde, die Versteigerung zu verhindern.

Er sei mit seinen Anwälten in Verhandlungen und sie werde „zu 99,9 Prozent abgewendet“. Im übrigen sei ihm in der ganzen Sache immer wieder übel mitgespielt worden, Versprechungen wurden nach seinen Worten nicht eingehalten und zum Teil seien auch mit unwahren Behauptungen zu seinen Ungunsten die Tatsachen verdreht worden.

Zu den Vorwürfen gegenüber der Gemeinde wollte Bürgermeister Herbert Bauer nicht weiter Stellung nehmen. „Das Beste wäre es, zu einer allseits zufriedenstellenden Lösung zu kommen“, sagt er und will nicht weiter Öl ins Feuer gießen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht