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Freizeit

Ein Schweinebraten für 130 Kinder

Seit 50 Jahren gibt es das BDKJ-Kinderzeltlager. MdB Marianne Schieder ist heuer zum 35. Mal mit dabei auf dem Voithenberg.
Von Evi Paleczek

  • Hier sorgen MdB Marianne Schieder und Pfarrer Thomas Gleißner für die Verpflegung der Kinder. Foto: Archiv/Fred Wutz
  • Im Zeltlager macht sogar das Abspülen Spaß. Foto: Archiv/Kammermeier

Furth im Wald.Das ganze Jahr über stehen für sie Bundestagssitzungen und Termine in ihrem Wahlkreis, den Landkreisen Cham und Schwandorf, auf dem Programm. Einige Tage im August aber hält sich MdB Marianne Schieder (SPD) immer frei. Dann taucht die Politikerin ein in eine „total andere, eine faszinierende Welt“. Dann ist wieder Kinderzeltlager. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) veranstaltet es seit mehr als 50 Jahren in den großen Ferien für zehn- bis 13-jährige Kinder. Und Schieder ist heuer zum 35. Mal als Betreuerin mit dabei.

1983 hat ein Freund, der in der Landjugend aktiv war und einen Betreuerposten hatte, sie mitgenommen, weil noch jemand gebraucht wurde, erzählt die Abgeordnete. Und sie kann sich gut erinnern an ihr erstes Mal: „Das alles hat mich sofort total fasziniert“, sagt sie. Die Organisation, die das Betreuerteam jede Woche bewältigt, und dass man Einblick bekommt in das Leben junger Menschen.

Zunächst nur für Jungen

Nach dem 2. Weltkrieg hat der BDKJ-Dachverband das Zeltlager als Jugendfreizeit ins Leben gerufen, blickt Schieder zurück. Es fand zunächst in Falkenstein, vier Wochen lang und nur für Jungen statt. Seit 1980 gab es eine Mädchenwoche, danach zwei Mädchen- und zwei Bubenwochen, und irgendwann wurde es dann zu einem gemischten Zeltlager, das drei Wochen dauert. „Der Zeitgeist ändert sich“, sagt die Abgeordnete. „Jetzt kann man sich das ja gar nicht mehr anders vorstellen.“

Und: Die Mädchen waren von Anfang an in der Mehrzahl. Früher gab es hauptsächlich Angebote für Jungen, im Hinblick auf Sportvereine und die Ministranten etwa, erklärt Schieder. Bei den Mädchen herrschte großer Bedarf an Freizeitgestaltung.

Nach Furth im Wald und auf den Voithenberg ist das Kinderzeltlager durch den ehemaligen Stadtpfarrer Sebastian Werner gekommen. Er war vor mehr als 25 Jahren auch als Jugendpfarrer tätig und empfahl den Standort mit dem „Blosehaus“, das frisch modernisiert worden war. Das zu pachten, hat sich als Glücksfall herausgestellt, sagt Schieder heute. Der Platz auf dem Voithenberg ist ideal: groß, am Waldrand und weg von der Straße.

Bereits vor der Grenzöffnung gab es eine Zusammenarbeit mit einem Arbeitskreis aus christlichen Organisationen in Pilsen, und tschechische Kinder begannen, an dem Zeltlager teilzunehmen. Seit mehr als 20 Jahren also sind jährlich auch etwa 20 Mädchen und Buben aus Tschechien mit von der Partie auf dem Voithenberg. Genau wie die Flüchtlingskinder, die im vergangenen Jahr dazugekommen sind, sind sie eine Bereicherung für die Gemeinschaft, betont Schieder. Und es sind auch einige Kinder mit dabei, die Unterstützung vom Jugendamt erfahren, schwierige Mädchen und Buben, sagt die Abgeordnete – und auch das klappt. Der Betreuerstab – alles Ehrenamtliche – ist mit 21 Leuten pro Woche mit maximal 130 Kindern gut besetzt und bunt gemischt. Es sind Lehrer, Kindergartenleiter und Psychologen genauso dabei wie Leute, die von der Arbeit mit Kindern wenig Ahnung haben. Gerade von denen würden aber die Fachleute profitieren: Weil sie oft ganz andere Fragen stellen.

Es gibt Wartelisten

Die Kinder im Zeltlager stammen größtenteils aus den Landkreisen Cham und Schwandorf. Weil da auch die meisten Betreuer herkommen, die natürlich Werbung machen in ihrem Bekanntenkreis. Angenommen wird das Angebot gut, an jeder der drei Wochen können maximal 130 Kinder teilnehmen, nur in der dritten Woche sind noch Restplätze frei, für die anderen beiden Wochen gibt es bereits Wartelisten.

Geboten wird im Kinderzeltlager einiges, versichert Schieder, denn die Ansprüche der Mädchen und Buben sowie ihrer Eltern hinsichtlich Programmgestaltung sind gestiegen. Jedes Jahr steht die Ferienfreizeit unter einem anderen Motto, heuer lautet es „Geschichten aus 1001 Zeltlagernacht – eine Reise in den Orient!“. Sie kann schon Turbanbinden – und Bauchtanzen, sagt die Abgeordnete und lacht.

Immer wieder nehmen die Betreuer nämlich auch an Fortbildungen teil, die sich auf die Inhalte der Zeltlager beziehen – und auch grundsätzliche pädagogische Fragen aufgreifen, etwa zu Gruppendynamik, Aufsichtspflicht, Erster Hilfe und Inklusion, weil in zwei der drei Lagerwochen auch behinderte Kinder willkommen sind. Einer Herausforderung stellt sich jedes Jahr auch das Küchenteam, sagt Schieder. Für 130 Kinder und ihre Betreuer gut zu kochen, das muss man schon lernen. Die Lebensmittel kommen vom Bäcker und Metzger aus Furth im Wald, Gemüse, Eier und Kartoffeln stammen aus biologischem Anbau.

Weitere Informationen gibt es unter www.bdkj-kinderzeltlager.de.

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