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Soziales

Ein wenig Glück für Kenias Kinder

Miriam Gellert aus Schorndorf arbeitete zwei Monate an einer Slum-Schule. Sie sieht die Welt seitdem mit anderen Augen – und sammelt Spenden.
Von Gregor Raab

  • Der Mathare-Slum in Nairobi ist die Heimat von etwa 700 000 Menschen. Die Aids-Rate beträgt dort 65 Prozent, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 30 Jahren. Viele Kinder sind Waisen. Fotos: Gellert
  • Für deutsche Kinder unvorstellbar: eine Schule in Kenia
  • Miriam Gellert umringt von Schulkindern: Obwohl die Menschen unter erbärmlichen Bedingungen leben, nahmen sie die Oberpfälzerin herzlich auf.

Cham. Zusehen und nur die Hände in den Schoß legen? Für Miriam Gellert kommt das nicht in Frage. Schülern und Lehrern in Kenia bessere Lebensbedingungen und ein besseres Lernumfeld zu ermöglichen – dafür engagiert sie sich seit knapp einem Jahr in beispielgebender, selbstloser Weise. „In Afrika an einer Schule zu arbeiten, war schon immer mein großer Wunsch“, berichtet die Studentin aus Schorndorf, die 2011 ihr Abitur am Robert-Schuman-Gymnasium ablegte. Im Laufe ihres Studiengangs „European Studies“ an der Universität Passau ergab sich für die junge Frau die Möglichkeit, diesen Traum über ein Praktikum zu verwirklichen.

Dem Elend nah gekommen

Mit Sack und Pack machte sie sich auf den Weg nach Ostafrika. Ziel war der zweitgrößte Slum Kenias, der Mathare-Slum. Dort verbrachte sie mit mehreren Praktikanten aus Japan, Griechenland und Italien zwei Monate, lebte und arbeitete mit drei- bis 15-jährigen Kindern und Jugendlichen an der Grundschule N’Gotas Upendo. „Der Mathare-Slum in Nairobi ist die Heimat von etwa 700.000 Menschen. Die Aids-Rate beträgt dort 65 Prozent, die durchschnittliche Lebenserwartung 30 Jahre. Der Slum gilt als einer der ältesten und schlimmsten Afrikas“, erklärt sie, fügt aber sofort hinzu, dass sie trotz der schlechten Lebensbedingungen nur aufgeschlossenen und freundlichen Menschen begegnete. Da sie sowohl von Lehrern als auch Schülern nach Hause eingeladen wurde, konnte sie sich auch ein Bild von den Wohnungen im Elendsviertel machen: Die typische Unterkunft besteht aus einem Raum, in dem sich ein Tisch und ein paar Stühle befinden. Hinter einem Vorhang steht für gewöhnlich ein Bett, in dem die Eltern schlafen. Die Kinder schlafen vor dem Vorhang auf dem Boden. Viele Hütten sind auf abschüssigem Boden errichtet worden, damit das Wasser während der Regenzeit lediglich durchläuft und nicht stehen bleibt.

Sie will dankbarer sein

„Die acht Wochen waren für mich eine sehr wertvolle Zeit, aus der ich viel für mein Leben mitnehme“, stellt Miriam Gellert fest. „In Zukunft werde ich dankbarer sein für das, was ich habe, und den Luxus in Deutschland wieder mehr zu schätzen wissen.“

Die Einrichtung beherbergte annähernd 100 Schüler von der 1. bis zur 8. Klasse. „Viele der Kinder sind Waisen und leben bei Tanten oder Großeltern“, erzählt die Studentin. Die Menschen verdienen ihr Geld hauptsächlich mit Tagesgeschäften wie Obst verkaufen oder Schuhe putzen, viele sind ganz ohne Arbeit. Angesichts dieser Tatsachen war es für Gellert sehr wichtig, dass ihre Schützlinge lesen und schreiben lernten, um den Teufelskreis von Armut und Kriminalität zu durchbrechen. Trotz der sprachlichen Barrieren versuchte sie, den Kindern einfache Mathematik und das Alphabet beizubringen.

Da dem Direktor, ein ehrenamtlich arbeitender Pastor, die finanziellen Mittel fehlten, arbeitete er nur mit einem einzigen Lehrer. Dieser Umstand machte es unmöglich, den Kindern die Bildung zu vermitteln, die sie benötigen. Daher machte die 22-Jährige Nägel mit Köpfen und entwickelte mit ihrer Praktikantengruppe ein Konzept für einen Lehrplan. Darüber hinaus stellten sie sieben weitere Lehrer an und schufen die Grundlagen für einen strukturierten Ablauf. „Die Lehrer sind selbst sehr arm und wohnen ebenfalls im Slum.

Auch die Lehrer sind bettelarm

Damit sie und ihre Familien von ihrer Tätigkeit leben können, benötigen sie einen monatlichen Lohn von mindestens 16.000 kenianischen Schilling, was ungefähr 70 Euro entspricht“, sagt Gellert. Zurück in Deutschland, gründete sie mit ihrem Lebensgefährten Tony Lindenau und sieben Kommilitonen den Verein „Children of Mathare“, der es sich zur Aufgabe macht, Spenden zu sammeln, die nötig sind, um die acht Lehrer zu finanzieren. „Bisher ist es uns gelungen, jedem Lehrer 25 Euro monatlich zu zahlen. Das reicht aber nur aus, um ihnen eine Hoffnung auf eine gesicherte Zukunft für ihre Familien zu machen, auf Dauer genügt diese Summe bei weitem nicht“, erklärt sie. Im bisherigen Gebäude sind alle Klassen in zwei Räumen untergebracht, die nur durch zusammengenähte Reissäcke abgetrennt sind. Insgesamt hat die Schule sieben Klassen sowie eine „Baby Class“, eine Art Kindergarten. Deshalb ist es der jungen Frau ein Anliegen, auch den Platz zu erweitern. Inzwischen hat sie in Kooperation mit einem brasilianischen Hilfsprojekt für 5000 Euro das benachbarte Haus samt dem großen Grundstück erworben. Seitdem sammeln sie und die Mitglieder auch Gelder für einen Neubau. Gellert garantiert: „Jegliche Verwaltungskosten werden von uns übernommen und nicht durch Spendengelder finanziert. Dadurch werden 100 Prozent der Spenden dafür verwendet, wofür sie gedacht sind.“

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