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Ein wertvolles Kulturgut wird gerettet

An der Kürnburg bei Stamsried wird fleißig gearbeitet. Es hatten sich große Stücke der Mauern gelöst – ein Einsturz drohte.
Von Jakob Moro

Die Ostseite der Kürnburg muss saniert werden.  Fotos: Jakob Moro
Die Ostseite der Kürnburg muss saniert werden. Fotos: Jakob Moro

Stamsried.Man sieht sie nicht mehr von der Ferne, wie früher. Die Kürnburg bei Stamsried liegt auf einem sich von West nach Ost hinziehenden Bergrücken, dem Heitberg. Die Spätgotische Burganlage ist eine gut erhaltene Ruine und Ziel vieler Wanderer. Zu sehen ist ein großer Wohnturm und gut erhaltene Schalentürme, die Zwingeranlage, Wehrgänge, Schießscharten und Kanäle für Balkenverriegelungen.

Die Burgruine ist jederzeit zugänglich und kann über ausgeschilderte Wanderwege erreicht werden. Um den Erhalt dieses heimatgeschichtlich wertvollen Denkmals kümmern sich die Bayerische Staatsforsten. Teamleiter Günther Scharf erklärt, was bei den aktuellen Bauarbeiten an der Kürnburg alles zu machen ist.

Ein Blick über die Zinnen der Kürnburg   Fotos: Jakob Moro
Ein Blick über die Zinnen der Kürnburg Fotos: Jakob Moro

Derzeit werde die Ostseite der Kürnburg „eingerüstet“, um sie zu sanieren. 1963 und 1980 habe es ebenfalls Instandhaltungs-Arbeiten gegeben, 1978 sei die Stahlspindeltreppe im ehemaligen Wohnturm eingerichtet worden. Die jetzigen Sanierungsarbeiten brauchten einen langen Vorlauf. Im März 2017 wurde ein Ingenieurbüro zur Anfertigung einer statisch-konstruktiven Voruntersuchung beauftragt.

Im Sommer 2017 wurden dann Mörtelmuster angelegt. Bei einer Begehung des Chamer Denkmalpflege-Amtes, der Staatsforsten und des beauftragten Architekturbüros im November 2019 befürworteten schließlich alle Verantwortlichen die Baumaßnahme. Denn die Schäden hatten sich seit der letzten Begehung im Jahr 2016 drastisch vergrößert.

Geschichte

Eine vergessene Stamsrieder Berühmtheit

Vor 100 Jahren starb der Stamsrieder Franz Hildebrand, der bei der Marine Karriere machte und sogar den Kaiser beeindruckte.

Kostenfaktor: rund 200000 Euro

An der Außenseite der nördlichen Mauer im innersten Burghof war erneut ein mehrere Quadratmeter großer Teil der Außenschale abgestürzt. Über den ehemaligen Balkenauflagern an der Südwand, im Palas, waren ebenfalls Ausbrüche in der inneren Mauerschale entstanden.

Kurz vor Ostern diesen Jahres konnte es dann losgehen, sagt Scharf. Für die Sanierung stehe ein Budget von rund 200000 Euro zur Verfügung, das zu 90 Prozent mit Mitteln der besonderen Gemeinwohlleistungen vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gefördert wird. Die Sanierungsarbeiten sollen laut dem Teamleiter schon im Herbst abgeschlossen sein.

Das Baudenkmal Kürnburg hat eine lange Geschichte. Nach einer Urkunde vom 17. Mai 1007 erstreckte sich das Komitat der Grundausstattung des Bistums Bamberg auch über das Gebiet rechts des Regens, in dem auch Stamsried und der Kürnberg liegt. Ein so wichtiges Grenzland wie der Oberpfälzer Wald war häufig der Tummelplatz der Kriege. Urkundlich wird Stamsried erstmals anno 1140 genannt.

Der Buntspecht zeigt den Weg.   Fotos: Jakob Moro
Der Buntspecht zeigt den Weg. Fotos: Jakob Moro

An der Stelle, an der heute das Stamsrieder Schloss steht, stand ursprünglich eine Burg, deren Anfänge in das 11. Jahrhundert reichen. Der Burggraben erinnert heute noch daran. Die Burg beim heutigen Schloss dürfte zur Verteidigung des Grenzlandes gedient haben und nach dem Schrifttum durch die Zengers errichtet worden sein. Sie waren bis in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts Besitzer von Stamsried.

Die Kürnburg stand zu dieser Zeit noch nicht. Zu Verteidigungszwecken war die Burg beim Schloss aber ungeeignet. Daher baute Dietrich II. im Jahr 1354 am Haidberg eine neue Festung, die Kürnburg.

Nur 66 Jahre lang war die Kürnburg im Besitz ihrer Namensgeber, der Kürner. Im Jahre 1425 wurde Gabein der Freudenberger neuer Besitzer von Stamsried und Kürnburg. Kurze Zeit später, im Jahre 1429, zogen dann die Wartenberger in Stamsried und in die Kürnburg ein.

Historie

Kürnburg: Einem Bollwerk auf der Spur

Der Aufstieg und Fall der Kürnburg dauerte rund 300 Jahre. Sie widerstand den Hussiten. Als Luxusbau zerfiel sie zu Asche.

Es kam die Zeit der Hussiteneinfälle in der Oberpfalz. Die Gegend im bayerischen Wald war stark betroffen. Auslöser der blutigen Auseinandersetzungen war der 6. Juli 1415. In Konstanz wurde der böhmische Pfleger Johannes Hus als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt, obwohl ihm Kaiser Sigismund freies Geleit zugesichert hatte. Daraufhin griffen die zahlreichen Anhänger, die Hus in Böhmen und Mähren hatte, zu den Waffen und überfielen ihre katholischen Nachbarn. In Schwärmen brachen sie über die bayerische Grenze herein, um ihre Lehre mit Feuer und Schwert zu verbreiten und Rache zu nehmen an denen, die Hus getötet hatten.

Kloster und Burg hielten Stand

Eines der Einfall-Tore in die Oberpfalz war das Further Landestor, das den Weg in das Regental freigab. Am 9. Juni 1428 überfielen die Hussiten Nittenau und steckten es in Brand. Den Pfarrer des Ortes entkleideten sie und schmiedeten ihn mit Ketten an einen Wagen. Der Unglückliche starb schon nach wenigen Tagen an den Folgen der Misshandlungen.

Ausflugsziel

  • Erlebnis:

    Schon die Kürnburg selbst macht Eindruck. Der mächtige Wohnturm mit Teilen des früheren großen Saals, der Nutzgebäude sowie Reste des Batterieturms und Torbogens sind noch erhalten.

  • Attraktionen:

    Ein Aussichtsturm lässt das ganze Regental überblicken. Rund um die Burg führt ein drei Kilometer langer Waldlehrpfad.

Das nächste Ziel war das Kloster Walderbach. Die Klosterleute wurden getötet und misshandelt. Auch vernichteten die Unholde alle Heiligenbilder, zerstörten die Orgel und erbrachen alle Türen. Das Kloster ging in Flammen auf. Ein Versuch, das Kloster Reichenbach zu stürmen, scheiterte an dessen starker Befestigung, die wenige Jahre zuvor angelegt worden war. Das Dorf war jedoch den wütenden Hussiten schutzlos ausgeliefert. Vor dem Abzug durchstachen sie noch den Damm des großen, landgräflichen Weihers in Bruck, so dass die ganze Gegend unter Wasser gesetzt wurde. Erst vor dem tapferen Widerstand der Burg Stefling mussten sich die Barbaren zurückziehen. Aus dem gleichen Jahr wird noch von einem Überfall der Hussiten auf Falkenstein berichtet, das geplündert und in Brand gesteckt worden ist. Bei dem Ansturm auf die Burg haben die Frauen diese offenbar rühmlich verteidigt: Der Zwinger beim Toreingang führt heute noch den Namen „Weiberwehr“.

Die Hussiten brachten viel Leid. Noch im heutigen Sprachgebrauch ist der „Huss“ vertreten. „Hussasa“ heißt der Ruf zum Antreiben eines Pferdes oder Hundes oder auch zum Verscheuchen von Vögeln. Auch bekannte Sagen stammen aus der Hussitenzeit.

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