MyMz
Anzeige

TV-Serie

Eine Drogenstory hart an der Realität

Der ARD-Film „Das Verschwinden“ beschreibt die Hochzeit der Crystal-Szene im Landkreis Cham. Am Sonntag läuft Teil zwei.
Von Gunther Lehmann

Die Freundinnen (v. l. n. r.) Manu (Johanna Ingelfinger), Janine Grabowski (Elisa Schlott) und Laura (Saskia Rosendahl) versuchen im Film ihrem tristen Alltag durch Drogenkonsum und Parties zu entkommen – bis Janine verschwindet.Foto: ARD Degeto/BR/WDR/NDR/23/5 Filmproduktion/Yoshi Heimrath (Repros)
Die Freundinnen (v. l. n. r.) Manu (Johanna Ingelfinger), Janine Grabowski (Elisa Schlott) und Laura (Saskia Rosendahl) versuchen im Film ihrem tristen Alltag durch Drogenkonsum und Parties zu entkommen – bis Janine verschwindet.Foto: ARD Degeto/BR/WDR/NDR/23/5 Filmproduktion/Yoshi Heimrath (Repros)

Cham.Tarik, der Dealer, geht seinen Geschäften am Bahnhof nach, wenn er nicht gerade im Dönerladen seiner ahnungslosen Eltern Zwiebeln schält. Janine, Manu und Laura versuchen ihrem Leben im kleinbürgerlichen Grenzort Forstenau mit Party und Drogenkonsum den maximalen Spaßfaktor abzutrotzen, bis die 19-jährige Janine verschwindet und mit ihr ein faustgroßes Paket der Droge Crystal Meth.

Für seinen ARD-Fernsehmehrteiler „Das Verschwinden“ hat Autor und Regisseur Hans-Christian Schmid die Geschichte um Drogen, Kriminalität und kleinbürgerliche Geheimniskrämerei mitten in den Landkreis Cham gepflanzt. Der fiktive Ort Forstenau an der tschechischen Grenze verwendet die Kreisstadt Cham, die Grenzstadt Furth im Wald als Kulisse. Die drei jugendlichen Hauptdarstellerinnen konsumieren die synthetische Droge Crystal Meth, die sie von ihrem ebenfalls jugendlichen Dealer beziehen. Der besorgt den Stoff auf den Vietnamesenmärkten und vertickt ihn am Bahnhof. Der erste Teil des Vierteilers lief bereits am Sonntag, 22. Oktober. Die drei Folgeteile werden am 29., 30. und 31. Oktober jeweils um 21.45 Uhr ausgestrahlt.

Sehen Sie hier den Trailer zum ARD-Mehrteiler „Das Verschwinden“!

Grundsätzlich habe im Landkreis Cham die Zahl der Rauschgiftdelikte von 286 in 2015 auf 344 in 2016 zugenommen, zitiert Albert Brück, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz in Regensburg, den Sicherheitsbericht. Und: Auch die Einfuhrmengen werden leider größer. Dass die Fallzahlen steigen, liegt laut Brück aber an der Kontrollintensität, mit der seine Kollegen im Landkreis Cham gegen Dealer und Konsumenten vorgehen. „Wir haben da ein sehr waches Auge. Unsere Schleierfahnder reagieren sofort, egal wie findig die Dealer sind“, erklärt Brück.

Der Kleinstadtdealer Tarik Karaman (Mehmet Atesçi) gerät ins Visier der Polizei und wird bei einer Verfolgung gestellt. Als Kulisse diente der Bahnhof in Furth im Wald. Foto:  ARD Degeto/BR/WDR/NDR/23/5 Filmproduktion/Yoshi Heimrath (Repros)
Der Kleinstadtdealer Tarik Karaman (Mehmet Atesçi) gerät ins Visier der Polizei und wird bei einer Verfolgung gestellt. Als Kulisse diente der Bahnhof in Furth im Wald. Foto: ARD Degeto/BR/WDR/NDR/23/5 Filmproduktion/Yoshi Heimrath (Repros)

Ist Tarik, der Kleindealer mit einer Connection zu vietnamesischen Händlern in Tschechien, also nur ein Filmklischee? „Im Großen und Ganzen ist das nicht so abwegig, was man da sieht“, sagt Erster Polizeihauptkommissar Ludwig Kreitl von der Polizeiinspektion Furth im Wald, bei der auch die Schleierfahndung angesiedelt ist. Der Further Polizeichef hat sich den Auftakt des ARD-Mehrteilers angeschaut. Der Film gebe seiner Ansicht nach die Situation wieder, wie sie sich vor etwa zwei Jahren dargestellt habe. „Crystal Meth ist immer noch sehr verbreitet“, sagt Kreitl. Die Droge sei leicht zu bekommen und vergleichsweise günstig. Konsumenten gebe es über alle Altersschichten hinweg. Allerdings weiß der Polizist auch Geschichten zu erzählen von teils erst 15-Jährigen, die ihre Dealer mit der synthetischen Droge an sich banden und abhängig machten. „So etwas gab es tatsächlich“, sagt er mit Blick auf die jugendlichen Hauptdarstellerinnen im Film.

„Keine Entwarnung geben“

Mittlerweile habe sich die Situation allerdings etwas entschärft. Die Schleierfahnder hätten mit ihren intensiven Kontrollen gute Arbeit geleistet. „Drogen waren vor einigen Jahren noch ihr Hauptgeschäft“, das spiegle sich auch in der Polizeistatistik wider. Aber auch die Wege, auf denen Crystal zu den Konsumenten käme, hätten sich geändert. Es werde längst nicht mehr so viel in Fahrzeugen aus Tschechien über die Grenze gebracht wie noch vor ein paar Jahren.

Suchtberatungsstellen

  • Fachambulanz für Suchtprobleme der Caritas in Cham, Klosterstraße 13, Telefon  (0 99 71) 84 69 15, Fax (0 99 71) 84 69 20, E-Mail info@suchtambulanz-cham.de. Öffnungszeiten: Montag 10.30 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr, Dienstag bis Donnerstag 8 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr und Freitag 8 bis 12 Uhr und 13 bis 15 Uhr.

  • Sucht- und Drogenberatung des Gesundheitsamts am Landratsamt Cham, Telefon (0 9971) 7 84 68 oder 7 84 69.

Crystal Meth ist eine synthetische Droge mit hohem Suchtpotenzial. Foto: dpa
Crystal Meth ist eine synthetische Droge mit hohem Suchtpotenzial. Foto: dpa

„Crystal ist auf dem Rückzug, aber wir dürfen keine Entwarnung geben“, sagt der Sozialpädagoge Siegfried Urbas, Suchtberater des Gesundheitsamtes am Chamer Landratsamt. Noch bis vor einem Jahr sei die synthetische Droge im Landkreis ein sehr ernstes Thema gewesen. Zur Hochzeit vor zwei bis drei Jahren habe das Einstiegsalter der Konsumenten wie im Film im Teenageralter gelegen. Urbas spricht von einer aktiven Szene mit mehreren Zentren im Landkreis. Durch intensive Präventionsarbeit der Suchtberater und den Einsatz der Schleierfahnder habe man allerdings binnen Jahren bereits einen spürbaren Rückgang erreicht.

Auch sein Kollege Peter Bindl von der Fachambulanz der Caritas in Cham bestätigt Urbas’ Beobachtung. Die Fallzahlen seien auch bei ihm rückläufig. „Reine Crystal-Meth-Konsumenten habe ich kaum noch.“ Die Gründe seien vielfältig. In den vergangenen Jahren seien viele junge Menschen beim Drogenschmuggel erwischt worden – das schrecke ab. Und: „Viele sagen einfach, das ist mir zu heftig.“ Crystal habe ein sehr großes Suchtpotenzial. Dieser Ansicht pflichtet auch Urbas bei: „Crystal Meth ist absolut dreckig und macht unglaublich schnell abhängig!“

Der Dreh und die Geschichte

Für den Film „Das Verschwinden“ drehte eine 60-köpfige Filmcrew um Autor und Regisseur Hans-Christian Schmid im August und September 2016 mehrere Tage lang im Landkreis. Drehorte waren unter anderem das Gelände um das Hochhaus in der Goethestraße in Cham sowie das Parkdeck am Floßhafen und die Stadthallenbaustelle. In Furth im Wald drehte die Crew am Bahnhof und in der Hochstraße, aber auch im Bereich Althütte. Das Drehbuch von Bernd Lange und Hans-Christian Schmid beschreibt die Suche einer Mutter nach ihrer unter mysteriösen Umständen verschwundenen Tochter.

Die Geschichte: In Forstenau, einer Kleinstadt nahe der tschechischen Grenze, verschwindet die 20-jährige Janine Grabowski (Elisa Schlott). Während vieles darauf hindeutet, dass sie klammheimlich der Provinz den Rücken kehren wollte, ist ihre Mutter Michelle (Julia Jentsch) überzeugt, dass Janine etwas zugestoßen sein muss. Die Vermisstenanzeige verschwindet allerdings schnell in den Akten der Polizei. Niemand mag an ein Verbrechen glauben, nicht hier. So ist Michelle gezwungen, sich auf eigene Faust auf die Suche zu machen. Je mehr sie über ihre Tochter und deren Umfeld in Erfahrung bringt, desto stärker stellt sich ihr die Frage, wie sehr ihr eigenes Verhalten in der Vergangenheit dazu beigetragen hat, ein Netz aus Lügen und Geheimnissen zu spinnen, in dem Janine nicht das einzige Opfer bleibt.

Neben Julia Jentsch stehen Sebastian Blomberg, Nina Kunzendorf, Johanna Ingelfinger, Saskia Rosendahl, Martin Feifel, Mehmet Atesçi, Godehard Giese und Stephan Zinner in weiteren Hauptrollen vor der Kamera.

Das Verschwinden: Eine Rezension des Vierteilers finden Sie hier.

Die folgenden drei Teile von „Das Verschwinden“ sendet die ARD am Sonntag, 29. Oktober, Montag, 30. Oktober, und Dienstag, 31. Oktober, jeweils um 21.45 Uhr. Der erste Teil ist in der ARD-Mediathek unter diesem Link abrufbar. Den zweiten Teil kann man unter diesem Link in der ARD-Mediathek ansehen. Alle weiteren Teile sind jeweils 48 Stunden vor dem Sendetermin abrufbar.

Weitere Meldungen aus Cham finden Sie hier.

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham finden Sie hier.

Aktuelle Nachrichten von mittelbayerische.de jetzt auch über WhatsApp. Hier anmelden: https://www.mittelbayerische.de/whatsapp.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht