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Eine ganz besondere Krippe für Cham

Chamer Künstler schaffen in der Kirche auf dem Kalvarienberg eine Alternative zur übervollen Vorweihnachtszeit.
Von Elisabeth Angenvoort

Dr. Hans Schneider, Franz Rackl und Günther Salzberger (von links) vor der Krippe in der Kalvarienberg-Kirche
Dr. Hans Schneider, Franz Rackl und Günther Salzberger (von links) vor der Krippe in der Kalvarienberg-Kirche Foto: Elisabeth Angenvoort

Cham.Seit diesem Sommer arbeiten sie an der Realisierung der Idee, analog zur österlichen Pilgerschaft einen symbolischen Weg zur Geburtsstätte Jesu zu schaffen: Dr. Hans Schneider, ehemaliger Arzt, und Studiendirektor a. D. Franz Rackl. Ihre Intention: eine Alternative zur Überfülle und Verkitschung der vorweihnachtlichen Zeit zu bieten, durch eine besondere Darstellung der Geburt Jesu an einem Ort der Ruhe und Besinnung.

Schneider, der aus einer Schreinerei stammt, hat schon als Kind in der väterlichen Werkstatt mitgeholfen und auf diese Weise früh den Umgang mit Holz gelernt. Seine erste Hobelbank kaufte er sich in den 1980ern; seit der Geburt seiner ersten Tochter schnitzt er, bevorzugt Tiere und insbesondere Schafe. Rackl seinerseits lernte bei Schneider zunächst das Schleifen: „Schnitzmesser-Schleifen ist das Wichtigste“, sagt er, und bald entstanden auch aus seiner Hand kunstvolle Figuren. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatten beide die Idee zu einer Krippe auf dem Kalvarienberg, und im Spätsommer dieses Jahres begannen sie mit den Vorbereitungen. Im Laufe der wöchentlichen Arbeitseinsätze nahmen ihre Vorstellungen allmählich konkrete Gestalt an. Die Figuren von Maria, Josef und dem Kind entstanden zunächst auf Skizze, dann aus Modelliermasse in Originalhöhe.

Sehnsucht nach Geborgenheit

Rackls Ehefrau Helga, selbst Künstlerin, stand stets mit konstruktiver Kritik zur Seite, sodass schon bald mit der Arbeit an den Originalfiguren begonnen werden konnte. Das Holz hierfür kam von einem Kollegen Rackls. Er überließ den Künstlern den Stamm einer Espe, dessen markante Maserung sich als ideal für das Projekt erwies.

Während Schneider überwiegend mit Schleifstein und Motorsäge arbeitete, war Rackl für die feineren Ausarbeitungen zuständig. Die Figur des Josef zeigte allerdings schon bald Oberflächenrisse, da sich das Holzvolumen durch die Trocknung verringerte. Die beiden Künstler arbeiteten kurzerhand in die Rückseite der Josef-Figur einen vertikalen Schnitt ein und lösten so die Spannung im Material. Um Risse in der Marienfigur zu vermeiden, wurde das Holz vorab auch hier rückseitig aufgeschnitten. Ursprünglich sollten die Figuren abstrakt gestaltet werden, doch objektive Beobachter des entstehenden Werks rieten davon ab. So verliehen die Künstler den Figuren Gesichtszüge: Josef scheint lächelnd in sich zu ruhen, während Marias Augen auf das Kind in ihrem Arm hinabsehen, dessen Antlitz wiederum für den Betrachter nicht sichtbar ist. Damit ist die Darstellung bewusst auf das Wesentliche reduziert.

Termine zur Krippe

  • Feierliche Krippensegnung

    Stadtpfarrer Dieter Zinecker segnet die Krippe Freitag, 14. Dezember, um 15.30 Uhr in der Kalvarienberg-Kirche. Die Bevölkerung ist dazu eingeladen. Kinder können ihre Laternen mitbringen und am Chamer Weihnachtslicht die Kerzen entzünden.

  • Besichtigungszeiten

    Die Krippe kann bis Mariä Lichtmess täglich von 8 bis 17 Uhr besichtigt werden.

Es ist keine Krippe im herkömmlichen Sinne, wie Schneider betont: „Der Besucher soll Teilhaber sein, nicht nur Betrachter“, er soll sich hineinfühlen in das Geschehen der Heiligen Nacht und nicht durch Äußerlichkeiten abgelenkt werden. Darum haben die Künstler auf weitere Figuren wie Hirten, Schafe oder Engel verzichtet. Auch der Stall ist kein Gebäude im eigentlichen Sinn, sondern besteht aus den schlichten Brettern einer alten Scheune: eine handwerkliche Herausforderung, da es keinen einzigen rechten Winkel gibt und das Dach lediglich mit Holzdübeln befestigt ist.

Die Hektik draußen lassen

Diese Krippendarstellung ist auch eine Erinnerung an die eigene Kindheit, erklärt Rackl seine Motivation; ist es doch jene „kindliche Geborgenheit“ im Angesicht der Heiligen Familie, die jeder Mensch bis an sein Ende immer sucht – so wie der Kreuzweg Jesu als eigener Lebensweg verstanden werden kann.

Die Besucher werden in der Stille der Kalvarienbergkirche eingeladen, in Ruhe zu verweilen und die Hektik der (Weihnachts-)Zeit draußen zu lassen. Schneider zitiert in diesem Zusammenhang den spätmittelalterlichen Theologen Meister Eckhart: „Wenn Gott nicht in dir ist, ist er nirgends.“ Gerade in einer Zeit der Vermischung vieler Religionen komme dem Weihnachtsgeschehen eine ganz wesentliche Bedeutung als weltumfassende Friedensbotschaft zu, erläutert Organisator Günther Salzberger. „Krippenpilgerschaft“ als Pendant zum Kreuzweg.

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