mz_logo

Region Cham
Montag, 16. Juli 2018 28° 8

Saison

Eine Heirat auf dem Misthaufen

Kothmaißling feierte Faschingshochzeit mit Ferdinand Foudnigl und Ambrosia Springkraut. Selbst ein Kardinal aus Rom war da.

Sehen Sie hier Impressionen von der Faschingshochzeit in Kothmaißling.

Cham.„Ja i will, so gern scho“, bekräftigte die Braut Ambrosia Springkraut vom Chambufer (Dieter Krause) in der Hoffnung, trotz fehlender Schönheit und eines ledigen Kindes, endlich unter die Haube zu kommen. Die Antwort des Bräutigams Ferdinand Foudnigl vom Radlbühl ( Martina Matzke ) kam etwas zögerlich. Schließlich heiratete er die schiache Ambrosia nicht aus Liebe, sondern hatte es auf das „Diredari“ der Braut abgesehen.

Eine Faschingshochzeit mit Trauung auf dem Misthaufen ging am Samstag in Kothmaißling über die Bühne und zog Zuschauer aus nah und fern an. Akteure und Hochzeitsgäste waren altgewandet und versetzten den Chamer Vorort um einige Jahrzehnte in die Vergangenheit. Faschingshochzeiten gab es schon in der Zeit der Vorfahren. Dahinter steckt ein Klamauk, bei dem zum Spaß ein Paar verheiratet wird – die Frau ist der Bräutigam und der Mann die Braut. Die Feierlichkeiten laufen allerdings ab wie bei einer richtigen Hochzeit mit Gaglhehn, Ofaschüsslrennen, Schenken und Brautstehlen.

Mit der Gaglhehn ging

Das Brautpaar ist endlich „verbandelt“.
Das Brautpaar ist endlich „verbandelt“.

Los ging das Spektakel in der Dorfmitte um 12 Uhr mit der damischen Begrüßung durch Hochzeitslader Bieslbocha Sig und dem Abholen der Braut. Der Hochzeitslader und die Musikkapelle begleiteten die Hochzeitsgesellschaft in den Hinterhof des Gasthauses Wagner, wo die Gaglhehn mit kalten, warmen und zerrissenen Würstl auf die Gäste wartete. Danach zog das ehrenwerte Brautpaar samt seinen Gästen und mit bayerischer Marschmusik zum eigentlichen Ort des Geschehens, einem Misthaufen in der Ortsmitte. Zuerst führte Bürgermeister Hieronymus vom Pfauerstoa die standesamtliche Trauung durch und gab dem Paar gleich einige gute Ratschläge für das Eheleben mit auf den Weg. „Ferdinand, für di ganz wichtig, a Frau, de wo nix sagt, de unterbricht ma am besten ned“, meinte das Gemeindeoberhaupt. Die hohe Geistlichkeit, Kardinal Guiseppe Incontinento, extra aus Rom angereist, und der Ortspfarrer Don Promillo zelebrierten nun die kirchliche Eheschließung, die zweisprachig durchgeführt wurde.

Die beiden Ministranten Mich und Koni sorgten immer wieder mit für Erheiterung bei den Zuschauern. Pfarrer Don Promillo musste die Lausbuben Gottes ständig ermahnen und zudem auch noch die Worte des italienischen Kardinals ins Deutsche übersetzen.

Dies kostete den Geistlichen so viel Kraft, dass er häufig einen Schluck aus seinem Flachmann nehmen musste. Für Aufregung sorgte dann auch ein fränkisch sprechender Bub, der seine Mutter suchte und plötzlich zum Altar rannte. Er war das verheimlichte ledige Kind der Braut, wie sich herausstellte. „Jetz moa i den fränkischen Bangert a noch durchfejdern“, meinte Ferdinand Foudnigl entsetzt. Die Braut drängte auf schnelle Fortführung der Trauung, damit es sich der Bräutigam nicht noch anders überlegt.

Ringe landeten im Misthaufen

Ministrant Koni sollte die Eheringe bringen, stolperte und warf sie in den Misthaufen. Als Ersatz brachte er nun Schlauchschellen, die sich das Paar gegenseitig an die Finger steckte. Endlich war der Bund besiegelt, das Paar wurde mit einem Fanschal des SSV Jahn Regensburg verbandelt. Kardinal und Pfarrer segneten mit viel Wasser Brautpaar und Gäste.

Zu einer richtigen Faschingshochzeit gehört auch ein Foto von der ganzen Gesellschaft. Fotos: cmt
Zu einer richtigen Faschingshochzeit gehört auch ein Foto von der ganzen Gesellschaft. Fotos: cmt

Der Kardinal wünschte „Tutti frutti Bambini“ und entließ die Frischvermählten. Nach der Trauungszeremonie fanden Fotografieren und Ofaschüsslrennen statt, bevor man in den Saal beim Wagner-Wirt einzog. Auch hier ging es nach alter Tradition weiter. Das Brautpaar eröffnete den Tanz mit dem Brautwalzer. Beim Schenken hatte die bucklige Verwandtschaft vor allem Gegenstände für den Hausstand dabei und überreichte Reisigbesen, Bügeleisen und Geschirr.

Beim Brautstehlen im Wirtsstodl ging es recht zünftig zu, Musikanten und Hochzeitslader sorgten für Stimmung. Nach dem Mahl spielte der niederbayerische Musikantenstammtisch auf, und die Hochzeitsgäste schwangen kräftig das Tanzbein. Doch kurz vor Mitternacht zeichnete sich eine lautstarke Streiterei zwischen den Eheleuten ab. Der Bräutigam stellte fest: „Jetz hob ich scho drei Maß gsuffa und de Ambrosia wird no net scheener.“ Außerdem störte ihn das ledige Kind. Auch die Braut erkannte, dass es der Bräutigam nur auf ihr Geld abgesehen hatte und verlangte die Scheidung. So wurde der Bürgermeister aus dem Bett geholt, der im Nachthemd die Scheidung vollzog. (cmt)

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham lesen Sie hier

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht