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Freizeit

Eine mythische Tour zum Haidstein

Bei der Wanderung von Runding auf den Haidstein geht es um sagenhafte Ritter und Burgfräulein. Zwölf mal gibt’s die heuer.
Von Steffi Bauer

Den alten Kirchenweg geht es hinauf bis zur Wallfahrtskapelle St. Ulrich, einer ehemaligen Burgkapelle. Fotos: cba
Den alten Kirchenweg geht es hinauf bis zur Wallfahrtskapelle St. Ulrich, einer ehemaligen Burgkapelle. Fotos: cba

Runding.Am Freitagabend hat sich eine große Gruppe bei der Alten Kirche am Rundinger Dorfplatz versammelt: 22 Wanderer wollen Klaus Dittrich auf seiner „Mystischen Wanderung zum Haidstein“ begleiten.

Geheimnisvolle, bekannte und weniger bekannte Geschichten werden uns bei dieser Tour von Runding zum Haidstein versprochen, die dieses Jahr erstmals stattfindet an 12 Freitagabenden. Weil das offenbar schon einmal für Verwirrung gesorgt hatte, stellt Dittrich gleich zu Beginn klar: „Die Wanderung dauert nicht insgesamt eine Stunde, sondern es geht eine Stunde hoch, und danach eine Stunde wieder zurück.“ Eine Stunde bergauf, das müsste doch zu schaffen sein, denken wir uns... vor allem, wenn man eine Pause auf der Terrasse der Haidsteiner Hütte als Ziel vor Augen hat, mit einem kühlen Getränk und einer schönen Aussicht.

Den alten Pilgerweg entlang

Die Gehzeit beträgt etwa eine Stunde. Fotos: cba
Die Gehzeit beträgt etwa eine Stunde. Fotos: cba

Die Kirchenuhr schlägt zur vollen Stunde, und pünktlich um 19 Uhr geht es los. Dittrich, nach eigener Aussage ein „eingeheirateter Rundinger“, informiert darüber, dass die Alte Kirche beim großen Dorfbrand 1849 abgebrannt ist und bereits ein Jahr später wieder aufgebaut wurde. Zu Beginn der Wanderung geht es erst einmal ein Stückchen bergab. „Wir gehen den alten Pilgerweg entlang“, so Dittrich. Ein Kreuzweg führt durch das Waldgebiet von Runding aus zur Wallfahrtskapelle „St. Ulrich“ hinauf, die sich auf dem Gipfel des Haidstein befindet. Dieser liegt auf 750 Meter. Jedes Jahr am 1. Mai ziehen die Gläubigen bei der Markusprozession und am Kirchweihsonntag den Kreuzweg entlang.

Doch zunächst führt der alte Kirchenweg mitten durch den erst später gebauten Reiterhof Runding, um danach ein wenig anzusteigen. Den ersten kurzen Zwischenstopp gibt es bei einer Aussicht auf die Cham-Further Senke, die die Abgrenzung des Bayerischen zum Oberpfälzer Wald bildet. Nach ein paar Minuten haben wir einen schönen Blick auf Runding von Osten her. „Bis 1880 hieß die Ortschaft noch Pachling“, erfahren wir. Diesen Namen verdankte das heutige Runding den in früheren Zeiten dort ansässigen Pechbrennern. Der jetzige Name bezieht sich selbstredend auf das Gründergeschlecht der Runtinger.

Eine kurze Pause wird bei der Schmid-Kapelle eingelegt. Fotos: cba
Eine kurze Pause wird bei der Schmid-Kapelle eingelegt. Fotos: cba

Weil es an diesem Juliabend sehr schwül ist, freuen wir uns, als die Strecke endlich in den Wald hineinführt, der ein bisschen Abkühlung verspricht. Hier gibt es einen ersten Halt bei der in den 1950er Jahren erbauten Schmid-Kapelle, die vor den Prozessionen immer mit frischen Blumen geschmückt wird. Der Gedanke ist, dass vorbeigehende Wanderer und Prozessionsteilnehmer an dieser Stelle für die Kranken beten. Heute allerdings nicht: Um die Strecke in circa einer Stunde zu schaffen, müssen wir zügig weitergehen, so Dittrich.

Natur

Hier schlägt das Bergherz höher

Der Bayerische Wald ist für seine Wander- und Bergtouren bekannt. Bergliebhaber finden in der Region ihre Favoriten.

Kurze Pausen gibt es, um sich die Motive der Kreuzweg-Stationen genauer anzusehen. Und das Gedenkkreuz, das errichtet wurde, weil hier ein Rundinger Land- und Gastwirt beim Holzreißen verunglückte. Sein Pferd hatte ihm die Beine zerdrückt, so dass er hilflos im Wald lag. Erst abends, als er sein Wirtshaus aufsperren hätte sollen, fiel den Leuten auf, dass er nicht da war, und sie machten sich auf die Suche nach ihm. „So hat der Durst der Leute ihm das Leben gerettet“, fasste Dittrich zusammen.

Auf Heimaturlaub im Landkreis Cham

Das schöne Burgfräulein

„Bis jetzt haben’s noch alle raufgeschafft“, ermutigt er ein paar Nachzügler bei einem Blick zurück. Und so lässt auch unsere Gruppe die Haidsteiner Hütte, als wir sie erreichen, erst einmal links liegen und marschiert tapfer weitere 200 Meter bis zur Wallfahrtskapelle hinauf. Die Mühen lohnen sich: Von hier aus hat man einen sagenhaften Ausblick und erfährt spannende Anekdoten über ein schönes Burgfräulein aus Runding, das wohl sogar im „Parzival“ besungen wird, über die Runtinger, die später dort ansässigen wilden Chamerauer und über das Adelsgeschlecht der Nothafft, an die Haidstein schließlich fiel. Von der Burganlage selbst ist nichts mehr vorhanden, sie ist heute ein Bodendenkmal.

Weitere Termine

  • Anmeldung

    Für die „Mystische Wanderung zum Haidstein“ ist keine Anmeldung erforderlich.

  • Weiteren Termine

    16. und 30. August, 13. und 27. September und 4. Oktober. Treffpunkt ist jeweils um 19 Uhr vor der Alten Kirche auf dem Dorfplatz in Runding. Von dort aus geht es den alten Kirchenweg hinauf zur Wallfahrtskapelle St. Ulrich und dann wieder ein kleines Stück zurück zur Haidsteiner Hütte. Die Teilnahmegebühr beträgt 5 Euro pro Person. Nähere Informationen in der Tourist-Info Cham.

Auf der Terrasse der Haidsteiner Hütte heißt es erst einmal verschnaufen. Und danach dem Gedicht „Der edelste Gast“ von Carl Waldemar Neumann lauschen: Es beschreibt ein rauschendes Fest „zu Heitstein in dem Schlosse“, auf dem „Von Eschenbach Herr Wolfram, der herrliche Sänger“ „die Marktgräfin, die schöne“ zum Tanz auffordert. Zurück nach Runding geht es im Dunkeln, im Schein der mitgebrachten Taschenlampen.

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